Griechenland und Vertrauensfragen

Nach dem diverse griechische Regierungen mit hilfreicher Unterstützung der Troika an der griechischen Wirtschaft herumgedoktert haben, rückt möglicherweise die Stunde der Wahrheit wieder ein Stückchen näher.

Vertrauenskrise in Griechenland

Offenbar haben die Griechen das Vertrauen in den griechischen Staat und deren Regierungen schon lange verloren. Sie stimmen einerseits mit den Füßen ab und verlassen Griechenland in andere Länder, um sich dort eine Existenz aufzubauen und gleichzeitig schaffen sie in ungeahntem Umfang – denn „die Griechen und Griechinnen“ sollen ja inzwischen bis auf Blut ausgepresst worden sein – Gelder ins Ausland. Deutschland scheint dabei für sie besonders attraktiv zu sein. Es soll ja gar nicht bestritten werden, dass es vielen Griechen und Griechinnen wirtschaftlich dreckig geht, aber offenbar gibt es eben auch solche, die noch reichlich Geld mobilisieren können, um dieses dann rasch von griechischen Banken abzuziehen und ins Ausland oder schlimmstenfalls unter das Kopfkissen außerhalb der Reichweite des griechischen Staates verschwinden zu lassen.

Was also die Verhandlungskunst eines Tsipras und Varoufakis bei den wohlhabenden Griechen und Griechinnen ausgelöst haben, ist eine veritable Vertrauenskrise. Da aber beide wissen, dass ohne die Gelder der anderen EU-Mitgliedsländer Griechenland das totale wirtschaftliche Chaos droht, geraten sie jetzt auch zunehmend bei ihrer eigenen radikalen sozialistisch-kommunistischen Basis in Misskredit. Die wollen auf keinen Fall weitere Einkommenskürzungen mehr hinnehmen. Egal was also möglicherweise aus den Verhandlungen mit der jetzigen griechischen Regierung und der Troika herauskommen sollte, es wird sich erneut als Luftschloss zur Täuschung der Weltöffentlichkeit erweisen. Schließlich ist Papier geduldig. Man kann alles versprechen, wie bereits in den letzten fünf Jahren, nur halten wird man nichts. Mithin ist der ganze Prozess auch nur ein weiteres Täuschungsmanöver der Öffentlichkeit. Was soll man denn von solchen Kapriolen der Repräsentanten griechischer Staatskunst halten, die sich laufend gegenseitig widersprechen? Da verspricht vollmundig der griechische Präsident man wird alle Schulden zurückzahlen und der Finanzminister verkündet keck, das Geld der deutschen Steuerzahler, das zur Rettung Griechenlands eingesetzt wurde, sei futsch. Das erinnert doch stark an das Paradox des Epimenides. Alle Griechen lügen, sagt ein Grieche. Und, stimmt‘s?

Vertrauenskrise in Deutschland und auch anderswo

Vertrauenskrise auch in den Gläubigerländern in die Kompetenz der eigenen Regierungen das Problem Griechenland zu lösen.

Ob mit oder ohne IWF, ob mit oder ohne EZB, ob mit einer hilflosen EU-Kommission unter Juncker. Keiner dieser Akteure noch die Regierungschefs der größten EU-Mitgliedsländer erwecken auch nur annähernd den Eindruck sie wären Herr oder Herrin der Lage.

Man schleppt sich nur von Verhandlungstermin zu Verhandlungstermin, um danach ergebnislos den nächsten Verhandlungstermin anzuberaumen. Auch die beschwörende Formel Junckers, die griechische Kuh müsse jetzt vom Eis, hilft da nicht mehr weiter.

Griechenland ist zu einem Fass ohne Boden geworden und man wirft bereits jetzt – wie legal das eigentlich seitens der EZB ist, immer mehr die ELA-Kreditlinie Griechenlands heraufzusetzen, werden wohl nachträglich noch ordentliche Gerichte klären müssen – dem schlechte Geld noch gutes neues Geld hinterher. Draghi und der EZB-Rat werden demnächst einiges zu erklären haben.

Hilft das den Griechen und Griechinnen? Nur denen die dadurch sich fluchs mit dem ihnen zufließenden Geld sich noch aus dem Staub ins Ausland aufmachen können, der Rest schaut fassungslos in die Röhre. Szenen eines failed state innerhalb Europas und des Rechtsrahmens der EU.

Weil aber nicht sein kann, was nicht sein darf, wird weiterhin simuliert es gebe eine sanfte Lösung des Griechenland-Problems.

Die griechische Regierung hofft unverdrossen auf massive Aufbauhilfen seitens der EU, um wieder Wirtschaftswachstum dort herbeizaubern zu können. Ein frommer Wunsch, aber eben auch nicht mehr. Diese Hoffnung hatten auch die diversen Vorgängerregierungen seit Ausbruch der Krise. Nur es ist halt regelmäßig anders gekommen. Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

Angela Merkel und ihr Finanzminister werden wohl von der eigenen Partei aus dem Amt gejagt werden müssen, denn sie erweisen sich immer mehr als völlige Fehlbesetzung des Stücks Griechenland-Rettung.

Wo alles dort im Chaos versinkt, ist nichts mehr zu retten. Aber man kann natürlich das eigene Scheitern nicht offen eingestehen. Ergo wird fleißig der Anschein erweckt, man würde noch eine Lösung in letzter Minute finden.

Die kann – das wissen auch alle Beteiligten – nur eine Scheinlösung sein. Die bestünde darin weiter Geld in Griechenlands Wirtschaft und Gesellschaft zu verbrennen. Der Effekt ist am Ende immer negativ. Außer Spesen nix gewesen.

Sollte nun auch langsam der vor sich hindösenden deutschen Bevölkerung doch irgendwann dämmern, dass der deutsche Michel und seine Gretel nach Ansicht der griechischen Eliten doch die Suppe ausbrocken sollen, die man sich selber eingebrockt hat, könnte es für die jetzige deutsche Regierung richtig unangenehm werden.

Wenn erst das Image der resoluten schwäbischen Hausfrau sich hässlich in das einer hilflosen Mutti transformiert, die ihren verzogenen Bälgern nicht mehr gewachsen ist, dann ist es mit dem Regieren nach Merkelscher Manier schnell vorbei.

Mein ist die Rache sprach der Herr, … und das Volk könnte sich trotzdem an ihren Regierenden dadurch rächen, indem sie sie von den Posten und Pöstchen der Macht vertreibt. Dann schreckt auch noch der letzte Hinterbänkler im Deutschen Bundestag auf, wenn er um seine Zukunft bangen muss. Eigennutz ist auch bei deutschen Abgeordneten der vorrangige Antrieb aktiv zu werden. Wenn aber genau dieser Machtverlust und damit auch der Verlust der Pfründe drohen, dann muss etwas passieren und das könnte ja ein Wechsel an der Spitze der Bundesregierung sein, um wieder verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Eine Zwischenlösung für Vertrauenskrisen

Merkel hat es ja vorexerziert als sie Helmut Kohl in den Ruhestand abservierte. Nachdem der sich unrettbar in seiner Parteispendenaffäre verheddert hatte, schlug für ihn die Stunde null aus den eigenen Reihen. Der fand das am Ende gar nicht komisch.
Nun könnte Merkel das gleiche Schicksal erleiden. Ihr getreuer Eckart , Wolfgang Schäuble, verbindet eine gleichfalls intime Feindschaft mit dem CDU-Ehrenvorsitzenden Helmut Kohl oder auch Männerfreundschaft, wenn man es diskreter ausdrücken möchte. Nun könnten schon einige in der CDU/CSU hinter dem Rücken der Kanzlerin die Besen aus der Besenkammer zur schwäbischen Kehrwoche für Merkel holen.

Misslingt Merkel die Griechenland-Rettung, dann könnte es nun für sie die Stunde null werden. Schließlich wird man in der CDU/CSU nicht noch zwei Jahre einer Agonie der Regierung Merkel hinnehmen wollen bis dann die nächsten Bundestagswahlen anstehen. Wenn eine neue Bundesregierung mit Chancen für die kommende Bundestagswahl etabliert werden soll, dann ist jetzt der Zeitpunkt hierfür gekommen.

Weil das Tsipras und Varoufakis spüren, nehmen sie Merkel in die Zange und schieben ihr den Job zu mit einem Merkel-Plan Griechenland aus der Krise zu retten.

Viel Vergnügen damit Frau Merkel und Hals und Beinbruch. Viel Vergnügen auch den Herren Tsipras und Varoufakis. Auch ihre Stunden dürften in Amt und Würden als griechische Regierungsvertreter gezählt sein. L’après vous le déluge.

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Obama droht mit einer Fasttrack-Ermächtigung für Handelsabkommen im US-Kongress zu scheitern

Der Versuch der Obama-Administration eine Ermächtigung durch den US-Kongress, eine sogenannte Trade Promotion Authority(TPA), ein sogenanntes Fasttrack für die Verabschiedung durch den US-Kongress zu erhalten, droht dort zu scheitern. Eine solche Regelung wäre notwendig um zu einem schnellen Abschluss von Handelsabkommen wie TPP oder auch TTIP seitens des US-Kongresses zu kommen. Im Zuge einer solchen Ermächtigung würde der Kongress nur mit Ja oder Nein zu den von der Regierung vorgelegten Abkommen abstimmen können. Änderungsanträge und Ergänzungen, d.h. sogenannte Amendments, wären dann nicht mehr möglich.

Bereits im US-Senat stellten sich bereits jetzt große Teile der demokratischen Senatoren gegen ein solches Ermächtigungsabkommen. Mittels sogenanntem Filibuster wurde durch demokratische Senatoren eine Entscheidung darüber ein TPA um 24 Stunden vertagt. Die Entscheidung zunächst zusätzlich vertagen und auch die republikanische Mehrheit im Senat akzeptierte die Forderung der demokratischen Senatoren, dass bevor ein TPA erneut zur Abstimmung gestellt werden könnte, eine Reihe von vorherigen Amendments zum Schutz von Arbeitnehmerrechten vor unerwünschten Folgen einer Handelsliberalisierung, die Streichung von Schutzzöllen und dem Vorwurf der Wechselkursmanipulation vorher in den Antrag des TPA mit aufgenommen werden müssen.

Insbesondere Elisabeth Warren , die demokratische Senatorin aus Massachusetts, die sich immer mehr zur Gegenspielerin von Hillary Clinton bei der Kür des demokratischen Präsidentschaftskandidaten mausert, kritisiert vehement die Form der Geheimverhandlungen, die bei der Erarbeitung der beiden Handelsabkommen, die Öffentlichkeit von der Mitgestaltung und Information ausschließt. Damit zeigt sich, dass analog zur Debatte in Europa dieselben Bedenken gegen die Verhandlungsführung insbesondere hier bei TTIP geltend gemacht werden. Gleichfalls heftig umstritten im US-Kongress ist der dispute-resolution mechanism (ISDS ) bei der Frage des Investitionsschutzes, der auch in Europa heftig kritisiert wird. Wie in Europa gibt es auch in den USA Befürchtungen, dass am Ende damit insbesondere gesetzliche Regulierung zu den Finanzmärkten in den USA ausgehebelt werden könnten und damit eine Paralleljustiz außerhalb der Kontrolle des US-Kongresses sich etablieren würde.
Im US-Repräsentantenhaus dürfte der Widerstand gegen ein TPA noch heftiger ausfallen. Neben rund 60 Republikanern sind etwa 190 Demokraten, die als Gegner der derzeitigen Strategie der US-Administration erkennbar geworden, könnte weitere sich dieser bipartisan Opposition im US-Repräsentantenhaus anschließen. Von den 435 Mitgliedern im US-Repräsentantenhaus würde man ja für eine einfache Mehrheit zumindest 218 Stimmen benötigen. Man will sich auch dort nicht durch ein TPA für Obama entmachten lassen und dem US-Präsidenten freie Bahn für Handelsabkommen zubilligen, die jedweder nachträglicher Korrektur nicht mehr zugänglich sind.

Mithin droht mit dem Scheitern eines TPA auch der mögliche Abschluss solcher Abkommen außerhalb der jetzigen Präsidentschaft von Obama zu rücken, denn es ist kaum vorstellbar, dass mit dem beginnenden Vorwahlkampf der Obama noch erfolgreich ein TPP oder sogar TTIP durch den US-Kongress bringen könnte. Obama wäre eben dann doch als lame duck bereits jetzt vor dem Ende seiner Amtszeit gescheitert. Da dürften auch Appelle wie zuletzt von Seiten der Bundesregierung insbesondere der Kanzlerin , Siegmar Gabriel und zwei seiner Paladine Machnig und Asmussen nichts daran ändern können. Der EU-Kommission droht ihr US-Partner vorläufig abhanden zu kommen.

Merkel in der Griechenland-Falle

Es wär so schön gewesen. Angela Merkel wollte als Retterin Europas und des Euro in die Geschichtsbücher eingehen. Als Griechenland bereits im Jahr 2010 de facto Pleite war, wurde unter massiven Einsatz der Kanzlerin und ihres Finanzministers Wolfgang Schäuble ein Hilfsprogramm für Griechenland mit den Regierungschefs der anderen EU-Mitgliedsländer geschaffen. Während führende Wirtschaftswissenschaft aus Deutschland insbesondere Hans-Werner Sinn einen Grexit Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion forderten und auch ehemalige und amtierende Bundesbanker wie Axel Weber, Jens Weidmann bis hin zu Thilo Sarrazin sowie Mitglieder des EZB-Direktoriums wie Jürgen Stark und Otmar Issing einen entsprechenden Schritt forderten, setzte die Kanzlerin sich gegen diesen Expertenrat ihrer führenden deutschen Vertreter durch.

Sie wollte Griechenland Zeit für ein umfassendes Reformpaket der griechischen Wirtschaft und Gesellschaft geben und riskierte dabei im Falle des Scheiterns Verluste zu Lasten der deutschen Steuerzahler in zwei bis dreistelliger Milliardenhöhe. Kommt es jetzt nach Jahren zum damals bereits als unausweichlich angesehen Grexit Griechenlands, dann muss hierfür die Kanzlerin und ihr Finanzminister die politische Verantwortung insbesondere gegenüber den Wählern in Deutschland übernehmen.

Damit bräche jedoch ein Kartenhaus der Merkel’schen Machtarchitektur zusammen, denn ihre Stellung sogar in der eigenen Partei beruht ja darauf, dass sie ihre Pläne – Kein Austritt Griechenlands – mit Erfolg umsetzen kann. Scheitert sie, dann scheitert vielleicht nicht am Ende der Euro, aber Merkel als die zentrale Anführerin der Euro-Rettung wäre politisch am Ende. Ihre Glaubwürdigkeit würde national und international ins bodenlose stürzen.

Genau hierauf spekulieren Tsipras und Varoufakis. Wenn Merkel in der Frage einer Griechenland-Pleite grenzenlos erpressbar geworden ist, dann kann man genauso auftreten und massive Forderungen stellen, wie es derzeit der Fall ist. Es ist eben wie im Fall des Games of the Chicken nachdem Merkel Angst vor der griechischen Staatspleite und den daraus auch für sie absehbaren negativen politischen Konsequenzen hat, wird sie versuchen alles in ihrer Macht mögliche zu tun, um diesem katastrophalen politischen Gau für sich und ihre Regierung zu verhindern.

Es geht ihr und ihrem Finanzminister gar nicht mehr darum Schaden vom deutschen Volke bzw. den Bundesbürgern abzuwenden und zu begrenzen, sondern es geht ihr vorrangig ihr politisches Überleben abzusichern, koste es was es wolle auch zu Lasten der deutschen Steuerzahler.

Damit perpetuiert die Kanzlerin jedoch nur die Agonie Griechenlands einerseits und vergrößert andererseits die Schadenssumme der Mitgliedsländer der Eurozone und insbesondere Deutschlands als Hauptgläubiger gegenüber Griechenland. Eigentlich wissen alle Beteiligten, das Griechenland seine Schulden niemals an die Gläubiger zurückzahlen wird, auch wenn dies wie jetzt erneut der griechische Präsident betont dies doch leisten zu wollen. Zwischen wollen und können ist bekanntlich ein gewaltiger Unterschied. Die Kautele, die die griechischen Politiker für ihren Grexit oder Schuldenerlass einsetzen wollen, ist die Reparationsforderungen an Deutschland , die sich – wen wundert’s – in etwa in der Höhe der griechischen Staatsschuld belaufen.

Die Kausalkette ist dann eben folgende: Entweder Deutschland erkennt unsere Forderungen nach Reparationen in voller Höhe an oder wir zahlen nicht. Mithin dient dieses Vorgehen der griechischen Politiker dazu die Allianz der anderen Gläubigerländer mit Deutschland zu sprengen, denn die würden natürlich wie Griechenland im Falle der Annahme der Forderung der Griechen an Deutschland zu den Mitgewinnern zählen. Sie bekämen dann ja ihr Geld von Griechenland zurück nachdem Deutschland denen die Mittel dafür überwiesen haben würde.

Allerdings ist das eben eine Hochrisikostrategie der Griechen gegenüber der EU und der Eurozone sowie insbesondere Deutschland. Scheitert man mit diesem Erpressungsversuch bleibt am Ende doch nur noch der Grexit in der einen oder anderen Form.

Merkel müsste dann das Scheitern ihrer Rettungspolitik gegenüber der Weltöffentlichkeit erklären und einen wesentlichen Teil der Verantwortung für das Geschehen übernehmen. Es könnte ein Jahr der Wahrheit und ein annus horribilis für Angela Merkel werden. Ihre Kanzlerschaft stünde am Ende auf dem Spiel.

Griechenlands Sophismus vor der Staatspleite

Die Rhetorik war im antiken Griechenland eine der hochgeschätzten sieben freien Künste. Die Sophisten – eine griechische Philosophenschule – entwickelte daraus eine Technik mittels wohl konstruierter Fehlschlüsse ein Publikum argumentativ von einer ihrer Ansicht nach gewünschten Meinung zu überzeugen.

„Ein Sophismus (Pl. Sophismen) oder Sophisma (Pl. Sophismata), von altgriechisch sophízesthai ‚ausklügeln‘, ‚aussinnen‘ und altgriechisch sophós ‚geschickt‘, ‚klug‘ ist ein Argument, das scheinbar einen logisch gültigen Beweis führt, tatsächlich aber einen formellen oder informellen Fehlschluss darstellt.“

Die neue griechische Regierung scheint hier bei den Sophisten in die Lehre gegangen zu sein, denn sie versucht mittels Sophisma der breiten Öffentlichkeit und Griechenland eine politische Überzeugung einreden zu wollen, die aufgrund von logischen Fehlschlüssen eine Legitimation für einen Schuldenschnitt Griechenlands liefern möchte. In einer Vielzahl von einander völlig sich widersprechenden Aussagen und Initiativen schafft man eine allgemeine Verwirrung darüber, was eigentlich das Ziel der Politik der Regierung unter Alexis Tsipras sein soll. Mal zahlt man alle seine Schulden an das Ausland, mal wieder nicht. Mal droht man mit dem Euro-Austritt und der Staatspleite, mal wieder nicht. Mal will man die EU-Gremien und die Troika lahmlegen, mal will man mit ihnen zusammenarbeiten.

Gleichzeitig setzt man eine Agenda über angeblich berechtige Forderungen Griechenlands aus dem Zweiten Weltkrieg, die jetzt da Griechenland kurz vor der Staatspleite steht, nun endlich beglichen werden soll. Pünktlich zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs soll jetzt die Rechnung präsentiert werden, die, wenn sie denn einklagbar wäre, Griechenland auf einen Schlag weitgehend schuldenfrei stellen würde. „Let the Germans pay our debt“, ist die Devise.

Waren es zuerst nur 476 Mill. Reichsmark , die aufgrund einer Zwangsanleihe aus dem Jahr 1942 jetzt mittels Zins und Zinseszins entsprechend einem Zerobond fällig gestellt werden soll. Es fügte sich – man kann ja rechnen -, dass die geforderte Summe jetzt aktuell genau den 7,2 Mrd. Euro entsprechen sollte, die in etwa derzeit aufgrund fehlender Erfüllung bei der Umsetzung von Reformen des Hilfspakets II aus dem Rettungspakt für Griechenland als letzte Tranche derzeit verweigert wird. Im Zweifelfall kann es natürlich auch ein wenig mehr sein.

„Die Berechnungen liegen zwischen drei Milliarden und 64 Milliarden Euro. Nach einem vertraulichen Bericht einer Expertenkommission des griechischen Rechnungshofs, der im Januar 2015 der Regierung vorgelegt wurde, sollen die griechischen Experten auf eine Zahl von elf Milliarden Euro kommen.“

Entscheidend sind dabei neben dem Ausgangsbetrag eben die Laufzeit sowie der angesetzte Zinsfaktor. Da gemäß dem Grundsatz von Zinseszins die endgültige Auszahlungssumme entsprechend einer geometrischen Reihe gegen unendlich wächst, kumuliert sich aufgrund der jeweils unterstellten Laufzeit von 73 oder auch nur 70 Jahren ein eingangs recht bescheidener Betrag zu einer astronomischen Summe. Damit kann man dann je nach Lust und Laune spielen. Es gilt eigentlich das Prinzip: „Take any number“.

Dies war jedoch nur ein erster Versuch, denn wenn man damit Erfolg hätte, käme erst das Reparationspaket auf den Tisch.

Da es schwierig ist, juristisch diese Forderung gegenüber Deutschland durchzusetzen – alle derartigen Versuche sind in den zurückliegenden Jahrzehnten vor internationalen Gerichten gescheitert -, wird gleichzeitig die moralische Keule geschwungen.
Man findet auch in Deutschland willige Helfer in den politischen Parteien des Deutschen Bundestags, die die sich dieser Litanei anschließen. Jakob Augstein gehört zu ihnen. Vielleicht belastet ihn ja persönlich der Umstand , dass sein leiblicher Vater Martin Walser selbst Mitglied der NSDAP war. Katrin Göring-Eckardt von den Grünen schließt sich dem an und fordert bereits ein drittes Hilfspaket, koste es was es wolle. Die Links-Partei vertreten durch Gregor Gysi ist natürlich sowieso dafür.

Immer wenn gegenüber Deutschland im Ausland der moralische Zeigefinder wegen der Verbrechen des Nazi-Regimes erhoben wird, dann stimmt man auch in Deutschland von entsprechender Seite bereitwillig in den Chor des mea culpa, mea maxima culpa ein. Deutschland habe weiterhin und auf ad Infinitum eine moralische Schuld zu tilgen und das bitteschön in Euro und Cent in jedweder gewünschten Höhe.

So macht man sich Freunde im Ausland, die gerne diese Äußerungen als Beleg für die Rechtmäßigkeit ihrer Ansprüche für sich in Anspruch nehmen. Call and Response eben. Nach den Putin-Verstehern kommen jetzt die Tsipras- und Varoufakis-Versteher. Interessanterweise sind es meist die gleichen Politiker, die sich als Putin-Versteher in der deutschen Öffentlichkeit hervorgetan haben, als dieser die Weltöffentlichkeit anlog, dass sich die Balken bogen. Nun geht man auch willig den Griechen auf den Leim.
Man schafft sich so persönlich ein moralisch sauberes Deckmäntelchen, weil man sich ja willfährig den Forderungen der griechischen Regierung unterwirft. Norman Finkelstein hat diese Form der moralischen Erpressung, die seit Jahrzehnten gegenüber Deutschland seitens jüdischer Opferverbände betrieben wird, als Holocaust-Industrie gebrandmarkt.
Hingegen sind diejenigen, die diese Forderung als völlig absurd zurückweise,n natürlich die moralischen Schurken im Stück, die den Opfern, ob nun aus Israel oder jetzt eben Griechenland ihr Recht auf Entschädigungszahlungen verweigern. Man will eben wie Augstein, Göring-Eckardt oder Gysi zu den guten Deutschen gehören, während all denjenigen, die sich moralisch nicht in der Schuld fühlen, als böse Deutsche anprangern kann.

Bekanntlich hatte bereits der römische Kaiser erkannt, das pecunia non olet und man sich – die Päpste in der Renaissance hatten dies ebenfalls erkannt – mit Geld von seinen Sünden freikaufen kann. Johann Tetzel zog darum mit dem Spruch durch die Lande: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“

Auf Grundlage dieser psychosozialen Basis lässt es sich am Ende gut leben, denken offenbar die führenden griechischen Politiker. Wenn man nur die hartleibigen Zahlungsverweigerer mit Angela Merkel an der Spitze nur kräftig als Nazis propagandistisch verunglimpft, dann wird sich am Ende das eine oder andere Zugeständnis in Milliardenhöhe erpressen lassen. Interessant ist es allerdings, dass sich Philosophen wie der Franzose Bernhard-Henri Levy dieser Form der Propaganda angeblich linker oder auch scheinbar moralisch integrer Demagogen, die mit den christlichen Kirche verbandelt sind, entgegen stellt.

Mit einer Kombination aus Demagogie sowohl gegenüber der eigenen griechischen Bevölkerung als eben auch gegenüber den deutschen Regierung und einer sophistischen Milchmädchen-Rechnung über hunderte von Milliarden Euro, die Deutschland den Griechen schulde, soll über den Sachverhalt hinweggetäuscht werden, dass die griechische Schuldenkrise das Ergebnis verantwortungsloser Finanzpolitik, Klientelwirtschaft und Institutionenversagen Griechenlands der zurückliegenden Jahre und Jahrzehnte ist.

In dem man jetzt die Nazi-Agenda der gewaltigen ungetilgten Reparationsschulden in der Weltöffentlichkeit verbreitet, soll die griechische Schuldenkrise aus dem allgemeinen Bewusstsein in den Hintergrund gedrängt werden. Die sich abzeichnende Staatsinsolvenz Griechenlands soll am Ende nicht dem eigen Versagen, sondern eben der Troika oder eben in letzter Instanz der deutschen Regierung in die Schuhe geschoben werden. Man braucht eben externe Sündenböcke, um sich moralisch als Sieger hervortun zu können.
Ob diese Strategie von Spieltheoretikern wie Varoufakis am Ende Erfolg haben wird, müsste eigentlich bezweifelt werden. Letztendlich führt dies wahrscheinlich eher dazu, dass aus einer kooperativen Lösung eine nicht-kooperatives Lösung entsteht, das ein Gefangenendilemma für beide Seiten beinhaltet.

Am Ende hätte sich der vielgepriesenen Spieltheoretiker einfach verzockt. Man wäre der eigenen Hybris zum Opfer gefallen. „Die Hybris [ˈhyːbʀɪs] (griechisch ὕβρις hǘbris ‚Übermut, Anmaßung‘) bezeichnet eine extreme Form der Selbstüberschätzung oder auch des Hochmuts. Man verbindet mit Hybris häufig den Realitätsverlust einer Person und die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, Leistungen und Kompetenzen, vor allem von Personen in Machtpositionen.“ Dumm gelaufen.

Den Schaden dürften insbesondere die einfachen Griechen zu spüren bekommen. Die reichen Griechen haben ja längst das Weite gesucht und werden vermutlich mit doppelter Staatsbürgerschaft abwarten bis sich der Nebel über den griechischen Inselarchipel wieder gelichtet hat.

Stürzt schwarz-gelb die Kanzlerin?

Fällt Griechenland, fällt auch Merkel, so könnte die Parole derzeit lauten. Das Milliarden-Debakel einer Griechenland-Pleite dürfte den Aufstand der Koalitionäre in der schwarz-gelben Koalition auslösen. Der Widerstand in der CDU um Bosbach als Leitfigur, mit Seehofer in der CSU und Rösler für die FDP nimmt immer mehr Gestalt an. Merkel, Schäuble und vermutlich auch Kauder dürften er schwer haben sich einer solchen Palastrevolution in den eigenen Reihen noch zu widersetzen.

Ein annus horribilis

Seit der Niederlage der schwarz-gelben Koalitionäre in Nordrhein-Westfalen geht es mit den drei Parteien nur noch bergab. Bei den Wahlen in diesem Jahr wurde Wahl um Wahl verloren. Jetzt hat die CDU zwar in Berlin nach jüngsten Wahlprognosen leicht zugelegt, aber die FDP ist mit etwa 2% achtkantig aus dem Abgeordnetenhaus geflogen. Dafür trägt auch die Bundespolitik ein gerüttelt Maß an Verantwortung.

Geht jetzt auch noch die Griechenland-Rettung in einer Staatspleite des Landes daneben und muss dem deutschen Steuerzahler die Rechnung in mehrfacher Milliardenhöhe präsentiert werden, dann dürfte Merkel nicht mehr zu halten sein. Da Neuwahlen derzeit das schlimmste sind, was sich die schwarz-gelbe Koalition vorstellen kann, bleibt eigentlich nur die Führungsspitze auszutauschen. Die sozial-liberale Koalition hat dies ja mit dem Sturz von Willy Brandt bereits einmal vorexerziert. Er wurde ruck zuck durch Helmut Schmidt ausgetauscht. Da ein Koalitionswechsel derzeit ausscheidet, bleibt nur eine solche Lösung. Jetzt müssen sich nur noch diejenigen finden, die Merkel entweder zum Rücktritt drängen oder sie durch eine Vertrauensabstimmung im Bundestag coram publico stürzen ist nur eine Frage des Taktes. Nur unter einer neuen Führung mit einer neuen Ausrichtung in der Europa-Politik hat die schwarz-gelbe Koalition noch eine Chance sich bis zur Bundestagswahl 2013 zu regenerieren. Alles andere ist erneut ein Versuch durch das Warten auf ein Wunder die Kurve zu kriegen. Soviel Glauben und Geduld dürften schwarz-gelben Koalitionäre ihrer Kanzlerin jedoch nicht mehr einräumen.

Wolfgang Schäuble: Der Super-Spekulant

Die Financial Times Deutschland berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe, dass der Finanzminister ja wegen der historisch niedrigsten Zinssätze für Anleihen der Bundesrepublik ja sich Zinswetten leisten könnte, um Arbitragegeschäfte für die Füllung der Staatskasse zu nutzen. Die Zocker suchen weitere Zocker. Bei Zinssätzen für zehnjährige Bundeschatzbriefe wurden zuletzt 1,73% fällig. Bei einer aktuellen Inflationsrate (Verbraucherpreisindex August 2011 lag bei 2,4%), die höher als der aktuelle Zinssatz ist, bedeutet dies, dass Anleger sogar bereit sind, einen Substanzverlust ihres Anlagevermögens von 0,73% hinzunehmen. Offenbar fehlt es aus Sicht der Kapitalmärkte an attraktiveren Anlagemöglichkeiten. Die Nachfrage nach als solide eingeschätzten Bundesschatzbriefen ist höher als das Angebot und lässt die Zinssätze derzeit purzeln.

Dabei ist Schäuble längst ein Super-Spekulant

Mit den gewaltigen Bürgschaften für Griechenland von derzeit 22 Mrd. Euro aus dem Rettungspaket I ist der Finanzminister jedoch bereits jetzt in das Geschäft mit Zinswetten eingestiegen. Er wettet halt mit Steuergeldern, dass Griechenland nicht pleitegeht und seine Zinsen, die deutlich höher als derzeit für Bundesschatzbriefe sind, auch vollständig begleichen kann. Man rühmt ja auch Schäuble als Zinsspekulanten, wenn man immer wieder betont, dass derzeit – d.h. vor einer potentiellen Griechenland-Pleite – man ja Zinsgewinne verbuchen kann. Das ist aber eine seltsame Logik, wenn man das Staatspleiterisiko einfach ausklammert. Geht Griechenland pleite, dann wird die Erfolgsbilanz rasch negativ. Mithin bleibt ein Rettungspaket eine Wette, dass der Schuldner nicht in die Staatsinsolvenz abgleitet. So brutal einfach ist das Ganze. Da niemand derzeit mit Sicherheit sagen kann, ob und wann eine Staatsinsolvenz Griechenlands stattfindet, ist unser Finanzminister bereits unter die Zocker gegangen.

Ist Schäuble und Merkel der Spielsucht anheimgefallen?

Spielsucht besteht darin, dass der Spieler kein Ende findet, selbst wenn er hohe Verluste hat hinnehmen müssen. Er lebt in dem Wahn, dass er am Ende doch noch das Glück hat mit hohem Gewinn das Kasino verlassen zu können. Betrachtet man die Entwicklung der Griechenland-Hilfe, dann wird offensichtlich, dass seit anderthalb Jahren die Chancen Griechenlands ohne Staatspleite aus der Schuldenkrise herauszukommen immer geringer geworden sind. Was zu Beginn noch undenkbar war, eine Staatspleite, wird heute offen auf der politischen Bühne diskutiert. Wer unter diesen Umständen immer noch glaubt, dass Griechenland nicht pleitegehen kann, der leidet unter Realitätsverlust. Weil man aber das Ergebnis ja selbst in der Hand hat, schließlich kann man ja den Griechen weiter Steuergelder zur Finanzierung ihres Ponzi-Schemas zur Verfügung stellen, d.h. mit frischem Geld werden die fälligen Zinszahlungen aus den Altschulden bedient, glaubt man die Öffentlichkeit über das Debakel der Rettungsmaßnahmen täuschen zu können. Würde Schäuble am Ende die bereits aufgelaufenen hohen Verluste (Deutschlands Hilfskredite und Bürgschaften für Griechenland abzüglich der bereits erfolgten Zinszahlungen auf diese Kredite) eine Exit-Strategie wählen, d.h. das Spiel beenden, müsste er die Verluste aus der gescheiterten Rettung Griechenlands gegenüber den Bürgern in Deutschland rechtfertigen. Da er das nicht will – eigentlich ein Grund zurückzutreten – macht er munter weiter. Das Prinzip-Hoffnung soll es richten. Man wartet schlicht auf ein Wunder. Das ist aber typisch, wenn man in einer Sackgasse steckt und ohne Gesichtsverlust nicht mehr umkehren will.

Der Horror des Scheiterns

Überzogene Erwartungen sind Teil der menschlichen Natur. Im Bereich der Verhaltensökonomie findet man ständig wieder Beispiele dafür, dass das Erkenntnisvermögen des Menschen eine Wahrnehmungsverzerrung hinsichtlich der Erfolgschancen aus seinem Tun unterliegt. Warnungen von Kritikern, dass man sich die Welt zu rosig ausmalt, d.h. zu optimistisch , werden wie im Falle Kassandras abgewehrt, seine eigenen Chancen bewertet man immer zu positiv. Erfolgsorientiert nennt man das manchmal auch, wenn es eher als Hazardeurtum bezeichnen sollte. Der Spieler verhöhnt seine Kritiker als Angsthasen, die Feiglinge sind. Die starke emotionale Reaktion vor dem Eigeständnis des persönlichen Scheiterns, zeigt auch bereits, dass hier Irrationalität gegenüber dem kühlen rationalen Kalkül gesiegt hat. Schopenhauer hat dies mit dem Dreiklang die Welt als Wille und Vorstellung neben dem objektiven Dasein analysiert. Es ist der Glaube mit schierer Willenskraft die Welt nach seinen Vorstellungen gestalten zu können. Das geht in der Regel schief.

Verlustvermeidung durch die Erhöhung der Einsätze

Spielsucht, die sich durch den Versuch Verluste durch die Erhöhung der Spieleinsätze wieder neutralisieren will, ist typisch bei Suchtkranken. Ob Jerome Kerviel, der Milliarden der Société Générale verzockte, ob Bernie Madoff, der dies mit den Vermögen seiner hoffnungsfrohen Anleger tat, oder wie aktuell bei der UBS Kweku Adoboli, immer wieder werden Spekulanten, denen der Konkurs droht, zu einem Weitermachen angetrieben. Man erhöht die Einsätze in der Hoffnung die bereits entstandenen Verluste kompensieren zu können.

Politiker sind hiergegen ebenso wenig immun. Ob Hitler, Saddam Hussein oder Gaddafi immer wird bis zum letzten gezockt. Eine Kapitulation vor dem totalen Zusammenbruch wird ausgeschlossen.

Katastrophenszenarien als Antreiber

Um der Öffentlichkeit die Alternativlosigkeit einer Wende oder Kapitulation auszureden, werden Katastrophenszenarien kolportiert. Wenn man nicht weitermache, dann droht der Untergang. Man schlüpft in die Rolle der Apokalyptiker und verkündet den Weltuntergang, wenn man nicht auf dem eigeschlagenen Weg fortfahre. Dabei ist eine Lehre, die wir aus all diesen Apokalypsen der Vergangenheit ziehen können, die, dass es immer auch nach einem Zusammenbruch eines hypertrophen Systems weitergegangen ist. Derzeit ist das System der globalen Finanzmärkte in Hypertrophie verfallen. Es kann mit den derzeitigen geringfügigen Maßnahmen nicht mehr stabilisiert werden. Alle Rettungspakete (Griechenland I und II, EFSF und ESM) sind keine Lösung des fundamentalen Problems einer Zurückführung des Zockersystems der multinationalen Großbanken. Weil man sich jedoch nicht zu einer fundamentalen Korrektur entschließen kann und will, werden die Probleme nur in die Zukunft verschoben und die Kosten von den Verlusten der Allgemeinheit aufgebürdet. Das wird jedoch kaum noch lange gutgehen.

Stehen wir vor der Wende in der Schuldendiskussion?

Die Revolte des ökonomischen Sachverstands (Issing, Stark, Weber, Weidmann, wissenschaftliche Beiräte des Finanzministeriums, Sachverständigenrates, Hans-Werner Sinn etc.)  gegen die falsche Politik der Bundesregierung, der EU-Kommission und der EZB) zeigt überdeutlich, dass es an einer rationalen Begründung für die jetzige Politik der ständigen Ausweitung der Rettungsschirme fehlt. Deutschland sollte den Münchhausen-Trick, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf herausziehen zu wollen, nicht in praktische Politik umsetzen wollen. Der erste Schritte zur Rückkehr in die zugegebenermaßen triste Realität ist die de facto Pleite Griechenlands auch sich einzugestehen und Griechenland aus der Währungsunion zu entfernen. Schäuble sollte zurücktreten und aufhören den Mappus [1] zu machen. Der Weg, den man mit dem Versuch der Rettungsschirme eingeschlagen hat, war von Anfang an falsch. Soviel auch zu  den finanzpolitischen Leistungen des Herrn Steinbrück. Wie haben drei Jahre zur Konsolidierung und Neustrukturierung des Finanzsektors verloren. Wir werden Milliarden an vermeidbaren Verlusten abschreiben müssen. Soweit ihre Spielbilanz der Schäuble.
[1] „Warum nicht mit dem billigen Geld selbst den “Schbegulannden” geben, respektive: den “Mappus” machen? Baden-Württembergs Ex-Ministerpräsident hat das ordnungspolitische Tabu bereits 2010 gebrochen und den Energieversorger EnBW auf Pump gekauft, um mit den Dividenden den Zins zu zahlen. Geniale Rechnung, fand Mappus damals.“ http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:zinsdifferenzgeschaefte-schbegulieren-mit-der-staatskasse/60104970.html

Merkels heimliches Koalitionsmenuett – Gedankenspiele

Alles ist derzeit offen. Die schwarz-gelbe Koalition schlingert nach der Serie von desaströsen Wahlniederlagen im Superwahljahr weiter von Krise zu Krise. Die wesentliche Gemeinsamkeit besteht darin, sich an der Macht zu halten. Während auch das Personalrevirement in der Bundesregierung nicht den erwünschten Erfolg gebracht hat, der Neustart entpuppte sich mehr oder weniger als weiterer Fehlstart, werden die Gedankenspiele über alternative Koalitionen insbesondere bei der Kanzlerin konkreter.

Soll ich eine erneute Große Koalition wagen?

Nachdem die SPD bei der Debatte um die jetzt zu verabschiedenden Gesetze Zustimmung signalisierte, tun sich die Grünen damit sehr viel schwerer. Die SPD-Parteiführung würde nur zu gerne zurück an die Macht und die Oldies von Müntefering, Steinbrück und wie sie noch alle heißen mögen, drängen jetzt zurück in die Politik nachdem sie sich nach der Wahlniederlage bei den letzten Bundestagswahlen aus der Politik zurückgezogen hatten. Schließlich haben die Altvorderen die Große Koalition  als Juniorpartner mit der CDU/CSU eingefädelt. Unvergessen der Spruch Münteferings: Opposition ist blöd. Trotz der Probleme sich in der Koalition entscheidend zuungunsten der Kanzlerpartei profilieren zu können, ist es für viele führenden Sozialdemokraten immer noch reizvoller die zweite Geige in einer Großen Koalition zu spielen als die harten Bänke der Opposition drücken zu müssen.

Soll ich eine Koalition mit den Grünen riskieren?

Der Grünen Parteispitze sind die heimlichen Avancen der SPD an die CDU/CSU natürlich nicht verborgen geblieben. Man bemüht sich daher jetzt nicht den Anschluss zu verpassen. Renate Künast preschte vor, in dem sie die CDU nicht als Schreckgespenst wegen ihrer Energiepolitik absolutierte.

Der frisch installierte Baden-Württembergische Ministerpräsident Kretschmann hieb in die gleiche Kerbe. Das löste Verunsicherungen bei der FDP und der SPD aus, die sich ihres derzeitigen bzw. potentiellen Koalitionspartners verlustig gehen sahen. Man stellt sich dort jetzt die Frage, was will die Kanzlerin? Das gibt Merkel neue Spielräume und schwächt die Position der anderen Konkurrenten um die Koalitionspartnerschaft. Die FDP kann nicht ohne weiteres mit ihren Erpressungsversuchen hinsichtlich ihrer Anliegen wie Steuersenkungen bei der Einkommenssteuer, Reform der Gebührenordnungen im Gesundheitsbereich zugunsten der Ärzte, etc. den Bogen überspannen, denn verweigern sie Merkel die Kanzler-Mehrheit, stehen andere Koalitionspartner bereits in der Kulisse.

Die Grünen schwächen sich mit ihrer Zustimmung seitens der Parteiführung zu den derzeitigen Gesetzesentwürfen zur Energiewende der schwarz-gelben Regierung selbst. Die Basis rebelliert und will auf einem Bundesparteitag eine härtere Gangart durchsetzen. Besser geht’s nicht, denkt sich vermutlich Angela Merkel.

Vielleicht kann ich ja auch wie bisher weitermachen?

Nachdem nun die zwei großen Oppositionsparteien sich gegenseitig misstrauisch beäugen, bleibt ja für Merkel weiterhin die Option einfach mit dem derzeitigen Koalitionspartner weiter zu regieren. Solange die FDP nicht gegen die Beschlüsse der Bundesregierung im Bundestag stimmt, kann sie ja ihre Linie wie gewünscht fortsetzen. Die Zugeständnisse an die SPD und die Grünen müssten am Ende doch wesentlich substantieller ausfallen. Jetzt gilt es zunächst die beiden Brennpunkte hinsichtlich Energiewende und Griechenland-Hilfspaket II sicher durch Parlament zu bringen. Wer da nicht mit zieht, der hat sowieso für die zukünftige Koalitionsbildung keine Chancen mehr. So diszipliniert man alle miteinander. Einfach genial.

Griechenland: Die Symbolpolitik der EU

Der EcoFin-Rat hat getagt und ist – wen wundert’s – zu keinem Ergebnis gekommen. Als einzige Gemeinsamkeit wurde festgestellt, dass man sich darauf geeinigt hätte, dass die Banken nur freiwillig sich am geplante zweiten Rettungspaket beteiligen könnten. Das ist natürlich meilenweit davon entfernt was ursprünglich einer Beteiligung in Höhe von 31 Milliarden Euro angekündigt worden war. Nachdem sich Merkel und Sarkozy auf diesen faulen Kompromiss geeinigt hatten, ist das auch keine Neuigkeit mehr. Weil sich die Mehrheit der EU-Staaten einer Beteiligung der Geschäftsbanken und Versicherungen am Risiko des zweiten Rettungspakets verweigert, wird jetzt eine Täuschung vorbereitet. Um irgendeine nennenswerte Summe der Beteiligung privater Gläubiger zusammenzubekommen, soll den Freiwilligen das Risiko quasi wieder abgenommen werden.

Etikettenschwindel ist angesagt

Man könne ja ihnen ein Vorzugsrecht im Falle eines Kreditausfalls einräumen, d.h. deren Forderungen würden zuerst vor denen der Gläubigerstaaten bedient, so wird im Hintergrund aus informierten Kreisen gemunkelt. Schäuble will die Bereitschaft für die Willigen versüßen, an welche Candys er dabei denkt verrät er nicht. Alles streng vertraulich.

Im Prinzip geht’s also nur noch um eine Mogelpackung für das Publikum. Seht wir haben eine Beteiligung der privaten Gläubiger durchgesetzt. Man zwinkert untereinander sich zu und weiß ganz genau, dass dies nicht der Fall ist. Genau solche Politik hat die EU in die Krise geführt. Nicht klare Kante und Anwendung der beschlossen Verträge und Regeln, sondern hintergründiges aushebeln genau dieser. Ob diese Art der Täuschungspolitik der Öffentlichkeit von dieser sowohl in den Schuldner- wie auch von den Gläubigerländern weiterhin toleriert wird, kann bezweifelt werden.

Man wird wohl auch in Deutschland die Regierung stürzen müssen, um einen Politikwechsel herbeizuführen. Merkel und Schäuble werden mit ihrer schwarz-gelben Koalition weiter wurschteln solange es noch geht. Vielleicht versammeln sich ja auch demnächst Demonstranten in Berlin vor dem Kanzleramt oder dem Finanzministerium, um die fehlende Unterstützung in der Bevölkerung für diese Katastrophenpolitik noch deutlicher zu machen. Aber nein, das geht ja nicht. Wir haben ja eine Bannmeile.

Merkel derzeit die Mächtigste im globalen Machtpoker

Alle Augen ruhen derzeit sorgenvoll auf Angela Merkel. Was macht sie? Wie wird sie sich entscheiden? Nachdem Nicolas Sarkozy seinen Canossagang nach Berlin antreten hat – es herrschte sieben Monate lang Sendepause zwischen beiden -, hat sie einige kleine Zugeständnisse in der Frage der Griechenlandrettung gemacht. Sie ließ ihn für seine Alleingänge insbesondere im letzten Jahr beim Rettungspaket für Griechenland büßen.

Sie hat jetzt die Sprachregelung der Freiwilligkeit der Beteiligung privater Banken und Versicherungen übernommen. Damit nährt sie die Hoffnung, dass es nicht zu einer ungeordneten Insolvenz Griechenlands kommen könnte. Der Euro machte auch prompt einen Satz nach oben. Da es aber immer noch keine abschließende Einigung über Griechenland gibt, bleibt eigentlich alles beim Alten. Selbst die Manager der deutschen Großkonzerne bangen jetzt um den Euro und starten eine Anzeigenkampagne für den Euro. Selbst in den USA und China sorgt man sich inzwischen um Europa und den Euro.

Griechenland bleibt auf das Folterbrett gespannt

Merkel wartet weiterhin darauf, dass das von der griechischen Regierung auch durch dessen Parlament endgültig verabschiedet wird. Vorher wird sie keine Entscheidung treffen. Sie lässt also die Griechen zappeln. Damit müssen die Griechen auch sämtliche Konditionalitäten für weiteres Geld erfüllen. Des Weiteren werden wohl die Mittel nur scheibchenweise in Abhängigkeit von der Erfüllung der Zusagen durch die Griechen freigegeben.

Die Troika bleibt an der Macht

Die Ankündigung die Troika (IWF, EZB und EU) würde zunächst nur die im Juli fällige Tranche freigeben, zeigt hier die Richtung an. Man wird nur noch Zug um Zug Gelder freigeben und zu keinen langfristigen Zusagen bereit sein. Mithin dürfte es turbulent auf den Finanzmärkten bleiben. Immer wenn eine Freigabe fällig wird, dann wird es wie am Hexensabbath an den Börsen turbulent zu gehen.

Das Verhältnis Merkel und Sarkozy bleibt zerrüttet

Man muss sich nur das finstere Gesicht von Sarkozy bei der Pressekonferenz ansehen. Nachdem auch den französischen Banken eine Herabstufung droht, ist auch für Sarkozy, dessen Popularitätswerte im Keller sind, die Möglichkeit gegenüber Merkel aufzutrumpfen äußerst gefährlich.

Auch das Libyen-Abenteuer hat ihn bei den Franzosen nicht populärer gemacht. Merkel hätte eine Verhandlungslösung vorgezogen. Da kein Blitzsieg möglich ist, bleibt keine Glorie für ihn übrig. Eher fragen sich die Franzosen sorgenvoll bei sich eintrübender Wirtschaftslage was sie in der Vielzahl von Auslandseinsätzen von der Elfenbeinküste, Libyen und Afghanistan zu suchen haben.

Auch der Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie wirft für Sarkozy unangenehme Fragen in Frankreich auf. Fessenheim soll jetzt auch nach den Wünschen zahlreicher Franzosen im Elsass so rasch wie möglich geschlossen werden.

Es gibt also zwischen Merkel und Sarkozy immer weniger Gemeinsamkeiten. Merkel übt sich derzeit weiterhin im Lächeln der Sphinx, während Sarkozy seine Wut wohl noch einige Zeit runterschlucken muss. Er hat noch nicht die Antwort wie Ödipus gefunden. Auch Heinrich der IV musste noch einige Zeit warten, bevor er nach seiner Absolution sich am Papst rächen konnte. Derzeit hat Merkel dem „eitlen Gockel“ einige seiner Schwanzfedern ausgerissen. Das tut weh.