Der Griechenland Deal – die nächste Mogelpackung

Der Berg in Brüssel kreiste und gebar die nächste Mogelpackung. Offenbar haben sich die Länder der Eurozone unter dem massiven Druck Frankreichs zugunsten Griechenlands und mit der Rückendeckung Italien auf einen Kompromiss geeinigt. Griechenland stimmt dabei der von Wolfgang Schäuble vorgeschlagenen Privatisierungsfond zu in den für 50 Mrd. Euro Vermögenswerte des griechischen Staates als Sicherheiten übertragen werden sollen. Im Gegenzug ist die Bundesregierung bereit einem dreijährigen dritten Hilfspaket für Griechenland zuzustimmen, das aus Mitteln des ESM finanziert wird. In Presseberichten ist aktuell von 82 bis 86 Mrd. Euro die Rede.
Warum ist das eine erneute Mogelpackung?
Nun dieser Summe von 50 Mrd. Euro aus Privatisierungserlösen aus griechischem Staatsvermögen war ja bereits im Rettungspaket 1 von Anfang an vorgesehen. Es war sogar als Kernelement für einen raschen Schuldenabbau Griechenlands angesehen worden. Davon wurden bisher 3 bis 4 Mrd. Erlöse erzielt. Die derzeitige Regierung hatte die Privatisierung sofort nachdem sie an die Regierungsmacht kam gestoppt.
Die eigentliche Crux liegt aber wohl eher darin, dass die griechische Regierung gar nicht über genügend werthaltige Vermögenswerte verfügt, um diese 50 Mrd. Euro auch ernsthaft bei der Privatisierung erzielen zu können.
Aus: The Economic Adjustment Programme for Greece, Mai 2010

privatisation
Aus: The Second Economic Adjustment Programme for Greece Fourth Review – April 2014

“Privatisation plans have been rather vague so far, lacking a clear time planning. In early June 2010, the Greek government announced a wide ranging privatization program, spanning rail and road transport, airports and ports, utilities, gaming and public real estate holdings. Measures include outright sales to strategic investors, initial public offerings, new and extended public-private partnerships and the creation of private holding companies intended for eventual listing on the Athens Stock Exchange. It remains unclear whether all privatisations in the various sectors announced will effectively take place in the next months and how much privatisation will be in 2011.”
Nur was bringen Staatsunternehmen, die bisher mehr oder weniger nur Verluste erwirtschaften?
State owned companies
Sowie aus dem Bericht des IWF
IMF
Und das sollen dann werthaltige Assets im Wert von 50 Mrd. Euro sein?
Letztendlich wird doch nur der Hellenic Public Asset Development Fund (HPADF) mit einem neuen Namen versehen und jetzt unter der Regie der Geldgeber des ESM stehend weitergeführt.

Was am Ende mit diesen Vermögenswerten an Erlösen erzielt werden kann, ist völlig offen.

Aus:The privatization begins in Greece, In: Prian.RU – International Property, Meldung vom 6. Mai 2011

“The expected yield of selling national property will work out from €25 to €35 billion and it will be spent to repay debts to the EU. Greek Finance Ministry will present the bill at the Parliament to 15th of May. Of course The ancient Acropolis will not be sold, but others interesting objects of the state property will be put on the block. The planned privatization of the state property has to bring about €50 billion in general, and will allow reducing debt to GDP by 20%.

First of all, the government plans to sell the major facilities of infrastructure, telecommunications companies, gambling companies, energy companies and also lands. Greek officials introduced an approximate list of ready-to-sell properties in the middle of April.

At the moment the government continues to compile lists and properties preliminary value that would be suitable for selling to private persons and companies. For the first time in the history of Greece, all governmental properties will be listed in common register. Newly created State Investment Fund will spread the most attractive properties.
The German newspaper „Immobilien Zeitung“ reports that Greek and foreign banks have to structure and promote shares in foreign markets. In June, after consultation with specialists officials will arrange the first investment portfolio. It will appear on the real estate market in October. Other three investment portfolios will appear over six months.”

Daraus wurde seither nichts.

Aus: The Second Economic Adjustment Programme for Greece Fourth Review – April 2014

„Privatisation proceeds continue to come in, but again with some delays. Steps are being taken to reinforce the governance and effectiveness of the privatisation process, including of real estate assets. Corporate sales advance broadly in lines with plans, although some have been delayed in order to allow proper regulation of markets before privatisation (gas, ports). Concerning real estate, despite the large number of assets available, current weak demand and immaturity of assets make it difficult to extract much value from real estate in the short term, which has resulted in some adjustment in the projections. Recent tenders have nevertheless produced satisfactory results, and some are expected to set significant investment in motion over the coming years. Crucially, in order to speed up generation of proceeds, work has been undertaken to strengthen the institutions in charge of the privatisation process (HRADF) and of the preparation of real estate assets (ETAD), to be reflected in improved legislation and organisational changes. Monetisation through the involvement of private sector investors in the development of real estate assets is being explored, but will only be able to mobilise modest revenue flows in the short-run.”

Aus: The Second Economic Adjustment Programme for Greece Second Review – May 2013

“While progress has been made in preparing assets for privatisation, the overall speed of the privatisation process remains unsatisfactory . The end-December target for privatisation proceeds was missed by a wide margin and proceeds expected at end-2013 have been moderately revised downwards. The majority of state-owned enterprises destined for privatisation have now been transferred to the privatisation fund, but additional efforts are needed to reinforce the momentum. In particular, major efforts are needed in the liberalisation and privatisation in the energy sector, e.g. to provide the restructuring plan of the incumbent electricity company PPC. Further action is also needed in relation to real estate assets. Inter alia, additional steps are needed to expedite approvals from the Court of Auditors, Council of State, and Competition Commission to reduce the overall time for the sale of assets. The final sale of assets is of crucial importance for financing purposes, but also to bring additional investment, managerial expertise, efficiency and better governance to the enterprises involved. Additional measures are also needed to secure improved governance and transparency.”

Wieso sollte es jetzt deutlich besser laufen? Je später die Erlöse erzielt werden, desto weniger sind sie bekanntlich wert. „Time is money“, wusste schon Benjamin Franklin.

Griechenland: Reformunfähigkeit und politisch in der Sackgasse

Wer geglaubt hatte, dass Griechenland nach der de facto Staatspleite durch umfangreiche Hilfsprogramme, einen Schuldenschnitt von rund 100 Mrd. Euro sowie einer Aushandlung von Strukturprogrammen zurück auf den Pfad der Tugend zu bringen gewesen sei, der wird jetzt sein blaues Wunder erleben. Nachdem Griechenland aufgrund des dreimaligen Scheiterns bei der Wahl eines Präsidenten nun unmittelbar zum Jahresbeginn 2015 vor Neuwahlen steht, droht der völlige politische Kollaps falls es zu einer Regierung unter Syriza kommen sollte, die mit allen Mitteln einen Schuldenschnitt zu Lasten der Steuerzahler der anderen Mitgliedsländer erzwingen will.

Da die griechischen Staatsschulden zu rund zwei Dritteln bei der EZB durch die vorherigen Ankaufprogramme des SMP noch unter dem damaligen EZB-Präsidenten Trichet angehäuft wurden und das restliche Drittel beim EFSF werden im Falle eines umfassenden Schuldenerlasses Griechenlands anstelle der bisherigen Garantien der anderen EU-Mitgliedsländer jetzt dann entsprechend dem ausgehandelten Schuldenschnitt Verluste anteilsmäßig realisiert werden müssen.

Damit zerplatzt endgültig die Illusion, dass das Hilfsprogramm für Griechenland sogar noch Gewinne für die Steuerzahler der anderen Länder abwerfen könnte. Mithin werden die verantwortlichen Politiker einschließlich der Mitglieder des Zentralbankrates der EZB der breiten Öffentlichkeit Rechenschaft ablegen müssen, sollte der sich abzeichnende Schadensfall eintreten.

Die Kanzlerin und ihr Finanzminister dürften dabei besonders beschädigt werden, da es letztendlich ihre Entscheidungen waren, Griechenland weiterhin in der Eurozone zu halten, die die Agonie der Währungsunion mit Mitgliedern wie Griechenland, die absehbar auf Dauer die Kriterien des Maastricht-Vertrags nicht erfüllen könnten, trotz aller Warnungen fortgesetzt hat.

Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt, aber irgendwann muss auch der größte Optimist bzw. Optimistin sich den Fakten beugen. Jetzt steht die Währungsunion am Wendepunkt. Lässt man sich nochmals seitens Griechenland erpressen und stimmt einem Schuldenschnitt, der voraussichtlich im dreistelligen Milliardenbereich liegen wird, zu, oder ist jetzt die Schmerzgrenze erreicht und Griechenland verlässt die Währungsunion.

Ein weiter so, d.h. die Prolongierung von Scheinlösungen , dürfte sich unter den sich abzeichnenden politischen Verhältnissen in Griechenland kaum noch realisieren lassen.

Mario Draghi in der Klemme

Das von Mario Draghi angekündigt Ankaufprogramm von Staatsanleihen zu Beginn diesen Jahres ist unter den gegenwärtigen Umständen kaum noch durchführbar. Es käme ja bei einer absehbaren Zahlungsverweigerung einer griechischen Regierung nach der Wahl einer vorsätzlichen Untreue gegenüber den anderen Steuerzahlern der Mitgliedsländer gleich. Ich kann ja nicht einfach wertlose griechische Staatsanleihen, wenn auch nur anteilsmäßig entsprechend dem Anteil am Kapitalschlüssel der EZB ankaufen.

Damit bricht aber das bisherige Konzept des QE der EZB in sich zusammen. Es dürfte auch den EuGH und erst recht das Bundesverfassungsgericht vor juristisch kaum noch zu lösende Probleme bei ihren Urteilsbegründungen stellen, warum ein OMT bzw. eine Variante davon, dem bisher geplanten QE, noch vereinbar mit den Maastricht-Verträgen und den Aufgaben der EZB sein könnte. Schließlich würde ja ein Schuldenerlass der von EZB und EFSF angekauften griechischen Staatsanleihen Forderungen weiterer Länder ihnen entsprechend Schulden zu erlassen nach sich ziehen.

Das ganze Kartenhaus der Kollektivierung der Staatsschulden mittels Eurobonds durch ESM und EFSF sowie der Ankäufe durch die EZB würde dann rasant in sich zusammenfallen. Es mag ja die stille Hoffnung der Griechen sein, dass dieser Abgrund es ihnen ermöglichen könnte doch noch einen Schuldenschnitt auf die eine oder andere Weise zu erpressen, aber sie haben die Rechnung dann voraussichtlich ohne zwei andere Faktoren gemacht.

Die internationalen Finanzmärkte

Egal welche Tricks sich die Politik noch ausdenken mag, die internationalen Investoren auf den Finanzmärkten in Europa werden sich ihre eigenen Gedanken machen. Die dürften sich keineswegs auf die goldenen Worte von Mario Draghi und der Regierungschefs der EZB-Mitglieder verlassen, sondern sehr rasch je nach Verhalten der Entscheidungsträger spürbare Konsequenzen hinsichtlich ihrer Anlagestrategien ziehen. Die mühsam erreichte Senkung der Kapitalmarktzinsen zugunsten der Krisenländer der Eurozone würde dahinschmelzen wie Schnee in der Sonne, da zwangsläufig die Frage nach dem Bestand der Währungsunion aufgrund der Unsicherheit hinsichtlich eines möglichen Zerfalls der Währungsunion als nicht mehr kalkulierbar angesehen wird.

Die politische Reaktion der Wähler in den anderen Mitgliedsländern der Eurozone

Selbst wenn die jetzt noch amtierenden Politiker den Forderungen der Griechen nach einem Schuldenerlasse nachgeben wollten, könnte es sehr rasch zur Folge haben, dass sie in ihren Heimatländern dafür massiv dafür von ihren Wählern abgestraft werden. Schließlich destabilisiert ein solcher Schuldenerlass ja zusätzlich die jeweiligen Staatshaushalte. Schäubles schwarze Null würde sich als reine Luftbuchung entpuppen, da ja massive Abschreibungen auf die Forderungen gegenüber Griechenland unausweichlich würden. Mithin wird der Goodwill der Politik sich auf ein solches Harakiri-Manöver einzulassen, kaum vorhanden sein. Schließlich sind Politiker zuallererst darauf programmiert sich an der Macht zu halten. Ein Schuldenerlass zugunsten Griechenlands dürfte aber einem politischen Selbstmord gleichkommen.

Was bleibt?

Die Handlungsoptionen der Politik zur Rettung der Eurozone sind äußerst begrenzt. Wenn ein erneuter Versuch zur Rettung Griechenlands kaum noch politisch und wirtschaftlich vermittelbar ist, bleibt eigentlich nur die entschlossene Flucht nach vorn. Griechenland muss klargemacht werden, dass eine Politik, die einen Schuldenerlasse gegenüber den anderen Mitgliedsländern erzwingen will, chancenlos ist. Sollte es trotzdem zu diesem Versuch kommen, dann wäre ein schneller Austritt Griechenlands aus der Währungsunion eigentlich kaum noch zu verhindern.
Je länger man diesbezüglich seitens der Politik in den anderen Mitgliedsländern noch zögert, desto eher wird es zu einem unkontrollierten Zerfallsprozess der Währungsunion kommen.

EFSF/ESM: Die Bad Bank der Eurozone

Ein Kollege fragte mich gestern, wie man in 30 Sekunden die Ergebnisse der Hebelung des EFSF zusammenfassen könnte. Nun hier ein Versuch: Wie gesagt der EFSF/ESM ist die Bad Bank der Eurozone. Sie soll die toxic papers der Krisenländer verwerten. Das geschieht in der Form einer innovativen Verbriefung.

Die Staatschuldverschreibungen der Krisenländer werden durch eine Kreditausfallsversicherung à la CDS mit 20 Prozent durch den EFSF/ESM gegen Zahlungsausfall versichert. Die Steuerzahler halten daher die Junior Tranche, die Banken und Investoren die Senior Tranche. Das steckt hinter dem ganzen Hebelgerede. Durch die Bündelung wird eine Bonitätstransformation angestrebt um die Zinskosten zu senken. Kein Wunder, dass gestern die Bankaktien in der Eurozone um etwa 15 Prozent nach oben schossen.

Besser geht’s nicht. Es ist der größte Bailout der Geschichte.

EFSF soll Banklizenz erhalten

Derzeit wird intensiv innerhalb der Mitgliedsländer der Eurozone darüber diskutiert, ob der EFSF eine Banklizenz erhalten solle. Was bedeutet das? Damit wäre es möglich, dass der EFSF seine von ihm emittierten Eurobonds bei der EZB rediskontieren könnte. Damit wäre das Tor für eine Finanzierung von Staatsdefiziten durch die Notenpresse der EZB sperrangelweit offen. Der Teufelskreis Eurobonds gegen Euros ohne eine Obergrenze wäre geschlossen. Ohne eine offizielle Einführung von Eurobonds in Form von einer Vergemeinschaftung der Staatsschulden der Mitgliedsländer könnte der EFSF im Verein mit der EZB unkontrolliert Geldschöpfung betreiben. Klar alles nur zur Rettung der Eurozone versteht sich.

 

Der Ruin der Währungsunion ist kaum noch auszuhalten

Es wäre jedoch der Ruin des Euro als einer stabilen Währung. Unter dem Schlagwort einer Stärkung des Rettungsschirms wird die Zerstörung des Geldwertes weiter vorangetrieben. Merkel und Schäuble sind die Steigbügelhalter dieser katastrophalen Entwicklung. Vorsatz oder Irrtum spielt gar keine Rolle mehr. Es käme der vollständigen Entmachtung Deutschlands in der Geld- und Finanzpolitik gleich. In dieser Woche können wir dann dem finanzpolitischen Selbstmord im Deutschen Bundestag zusehen.

Endspiel: Ratingagenturen warnen vor EFSF und ESM

Die Ratingagentur S&P hat vor der Einführung des erweiterten EFSF und ESM gewarnt. Dadurch könnten die Bonitätsnoten der Kernländer der Eurozone wie Frankreich und Deutschland in Mitleidenschaft gezogen werden. Ihnen drohe dann auch eine Herabstufung. Damit kommen sie ihrer Aufgabe nach und zeigen, dass die Kollektivhaftung der Mitgliedsländer zwangsläufig zu einer schweren Hypothek für auch die gut bewerteten Länder wird.

In ihrer Not wollen die Mitgliedsländer immer mehr durch Kollektivierung der Schuldenlasten durch das Bürgschaftssystem zum Bail-Out von Krisenländern und Banken der Eurozone das Auseinanderbrechen der Eurozone verhindern. Das ist jedoch ein Spiel mit dem Feuer. Sinkt die Bonität der stabilen Kernländer, dann steigen dort die Zinskosten. Der scheinbare Gewinn der Krisenländer wie Griechenland, Portugal, Irland, Italien und Spanien wird dann durch die Zusatzkosten für Deutschland und Frankreich überkompensiert. Man landet dann eben nur solidarisch in der Schuldenfalle. Mit gefangen mit gehangen heißt, so lautet die Parole der Euroretter. Euro gerettet Eurozone zerbrochen.

 

Die Gläubigerländer der Eurozone fordern mehr Einsatz

Im Gegensatz dazu fordern die Gläubigerländer der Eurozone insbesondere China und die USA noch höhere Bürgschaften von Deutschland. Sie sehen ihre Forderungen gegenüber der Eurozone in Gefahr und hoffen, dass ihnen ein riesiger Zahlungsausfall erspart bliebe.

Schließlich sitzt China bereits auch auf einer halben Billion Euro an Devisenreserven. Zerbricht die Eurozone, dann müssen die Gläubigerstaaten mir riesigen Verlusten rechnen. Auch die USA haben schwer zu beziffernde Summen in Europa investiert. Schließlich sitzen in den meisten Aufsichtsträten der großen multinationalen Konzerne inzwischen Hedgefond-Manager von großen US-Hedgefonds.

Das zeigt aber auch, dass jeder nur an seine eigene Sicherheit denkt. Von gemeinsamen Handeln keine Spur. Spätestens, wenn es um eine Reform des Weltwährungssystems und der globalen Finanzmarktverfassung geht, kämpft jeder für seine spezifischen Interessen. Mit der Solidarität ist es weltweit auch nicht weit her. Die Risikoübernahmen durch EFSF und ESM sind nicht die Lösung, sondern eher die Ursache der Probleme der Eurozone. Deutschland hat bereits mehr an Risiko auf sich genommen als rational vertretbar ist. Mehr geht nicht, danach droht der eigene Absturz.

Vor der Transferunion in der EU?

Jetzt geht es in den kommenden Wochen um die Frage Transferunion oder nicht? Merkel hat das Datum genannt. Am 23. September ist die Stunde der Wahrheit im Deutschen Bundestag. Trotz interner Widerstände in der schwarz-gelben Koalition wird Merkel alles daran setzen die Beschlüsse von Brüssel, die de facto eine Transferunion beinhalten umzusetzen. Koste es was es wolle. Merkel will Geschichte schreiben.

Der Karolingische Block

Wie sieht das Drehbuch aus? Es soll neben der Transferunion eine Wirtschafts- und Finanzregierung für die Eurozone entstehen. Darauf hat sich Merkel bereits mit Sarkozy verständigt. Griechenland ist nur der Vorwand. Merkel will jetzt eine Zentralregierung im Bereich Wirtschaft und Finanzen etablieren. Alles andere hat sich dem unterzuordnen. Das Argument ist einmal die Rettung des Euro bzw. Eurozone und jetzt eben auch die Überwindung der sich abzeichnenden weltweiten Wirtschaftskrise. Mit der avisierten Wirtschaft- und Finanzregierung soll den einzelnen Mitgliedsländern die Autonomie in der Haushaltführung genommen werden. Im Prinzip haben sich zukünftig solange der karolingische Block aus Deutschland und Frankreich Bestand hat, alle anderen dem unterzuordnen. De facto läuft es bereits jetzt so, dass sich zunächst Merkel und Sarkozy verständigen und die anderen Länderchefs es ab zunicken haben. Die Länder die derzeit mit ihrer Schuldenkrise zu kämpfen haben, haben sowieso keine andere Wahl.

Mit der Vergemeinschaftung der Staatschuldenhaftung für alle Länder der Eurozone geht zweierlei einher. Zum einen wird mit dem ESM eine Institution geschaffen, die quasi die Exekutivgewalt für die Durchführung der Beschlüsse auf der Ebene der Eurozone übernimmt. Man kann sogar so weit gehen, dass es zukünftig nicht mehr erlaubt ist sich auf Landesebene der einzelnen Mitgliedsländer zu verschulden. Die Schuldenverwaltung wird zentralisiert und über Eurobonds finanziert. Der Clou dabei ist, dass es wohl keine echte Abstimmung darüber in den Landeparlamenten der einzelnen Mitgliedsländer geben wird. Der Termin am 23. September 2011 macht es schon klar, das Ganze wird eine reine Feigenblattveranstaltung.

Griechenland ist nur der Vorwand zur Ermächtigung

Der zweite Rettungsschirm für Griechenland dient für diese grundlegende Veränderung der Konstitution der Eurozone als Vorwand. Für ihren Europäischen Traum ist Merkel auch bereits den wirtschaftlichen Wohlstand der Bundesrepublik zu opfern. Wenn deswegen bei uns die Zinsen steigen, die Staatsschulden auch aus dem Ruder laufen, die Schuldenbremse wird es durch drastische Kürzungen der Ausgaben insbesondere auch bei den Sozialleistungen schon richten. Offen bleibt allerdings, ob dies letztendlich auf eine Zustimmung in den Bevölkerungen der verschiedenen Länder stößt. Kann dieser Durchmarsch zu einer nachhaltig stabilen Union führen oder treiben die Widersprüche das Ganze am Ende noch rascher als jetzt auseinander? Merkel ist halt Hasardeurin und lässt es darauf ankommen. Wie heißt es doch so schön bei ihr: Diese Lösung ist alternativlos. Warten wir es ab.

Griechenland: EU-Länder einigen sich auf ESM-Krisenfond

rüher hieß es immer, wenn man nicht mehr weiter weiß, dann gründet man einen Arbeitskreis. Offenbar ist die Debatte um die freiwillige Beteiligung privater Anleger im EcoFin-Rat ergebnislos verlaufen. Was macht man dann? Man klammert das Problem aus. Die ursprünglich erhofften 31 Milliarden Euro, die nach Schäubles Vorstellungen aufgebracht werden sollten, werden wohl auf freiwilliger Basis nicht zustande kommen. Nun hat man sich auf einen weiteren faulen Kompromiss geeinigt.

Statt der ursprüngliche 120 Mrd. Euro des Rettungspakets II fällt dieses nun etwas bescheidener aus, 80 Mrd. Euro eben. [1] Schäuble kann verkünden, dass er sich durchgesetzt hat und nicht die volle Summe hat übernehmen müssen, die Franzosen können für sich reklamieren, dass sie eine Verpflichtung zur Beteiligung privater Anleger verhindert haben.

Jetzt wird das ganze Griechenland-Problem im ESM versteckt. Eigentlich brauchte man derzeit unmittelbar ja für Griechenland keine 120 Milliarden Euro. Es ging ja nur um die Anschlussfinanzierung für die Jahre 2013 folgende. Das Ganze war also eine Vorsorge und gleichzeitig der Versuch zusätzliche Mittel für diese Zeit zu mobilisieren falls die bisher beschlossene Summe des ESM für weitere Krisenfälle nicht ausreichen sollte. Jetzt muss man sich eben darauf einstellen, dass der ESM für die Anschlussfinanzierung der Griechen ab 2013 in Anspruch genommen werden muss. Sollte es wegen Irland, Portugal oder Spanien zusätzlichen Finanzierungsbedarf geben, dann muss man eben später nachbessern. Damit hofft man nun das Ganze vom Tisch kriegen zu können.

EcoFin-Rat eine Art von Wirtschaftsregierung?

Man hat ja immer wieder behauptet der EcoFin-Rat unter dem Vorsitz von Jean-Claude Juncker könne so etwas wie eine Wirtschaftsregierung für Europa darstellen. Dabei erweist sich immer mehr, dass dort keine richtungsweisenden Entscheidungen getroffen werden. Bei der Finanzmarktreform ist man dort ebenfalls gescheitert. Ob Transaktionsteuer oder jetzt wieder bei der Umschuldung Griechenlands, heraus kommt Murks oder Garnichts. Die Müdigkeit der Europäer mit ihren Institutionen beruht ja nicht zuletzt darauf, dass durch die Möglichkeit des Blockierens von grundlegenden Reformen nur faule Kompromisse zustande kommen können. Dieses Patchwork aus eigentlich nur immer wieder Notlösungen schwächt das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit unter Krisen die derzeit nachhaltige Lösungen und Reformen voran bringen zu können. Kein Wunder, dass es dann immer mehr Alleingänge gibt in einer Europäischen Union der Selbstblockaden.

[1] „Nach monatelangen Debatten einigen sich die EU-Finanzminister auf einen neuen Krisenfonds für finanzschwache Euroländer. Der dauerhafte Krisenmechanismus soll laut Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker eine Kapitalbasis von 700 Mrd. Euro haben und 2013 eingerichtet werden.“ http://www.n-tv.de/

Griechenland: … und das Bundesverfassungsgericht schweigt

Die Politik droht zu versagen. Jedenfalls zeigt sich – soweit ich sehen kann – keine akzeptable Lösung des Problems, die mit unserer Verfassung und den Europäischen Verträgen vereinbar wäre. Das was jetzt der EcoFin-Rat beschlossen hat, würde die Budgethoheit der Mitgliedsländer der Eurozone – ein Kernelement der parlamentarischen Demokratie – de facto beseitigen.[1] Obwohl gegen diesen Verfassungsbruch seit über einem Jahr eine Fülle[2] von Klagen[3] beim Bundesverfassungsgericht anhängig sind, die erste per einstweiliger Verfügung den ersten Rettungsschirm als verfassungswidrig zu stoppen istmit einer – nach jetziger Erkenntnis falschen Begründung[4] – abgewiesen worden ist, schweigt das Bundesverfassungsgericht in dieser zentralen Frage unseres Landes setiher. Hat auch die dritte Gewalt vor der ersten, d.h. der Exekutive sprich Bundesregierung, kapituliert? Es ist jedenfalls ein beredtes Schweigen was aus Karlsruhe herüber klingt.

Jetzt soll Anfang Juli die erste mündliche Verhandlung stattfinden

Mit mehr als einjähriger Verspätung soll es jetzt wenigstens Anfang Juli 2001 zu einer ersten mündlichen Verhandlung in dieser Angelegenheit kommen.[5] Dies ist nach derzeitigem Kenntnisstand die allerletzte Möglichkeit noch vor einer bindenden Entscheidung über den ESM oder weitere Rettungspakete im Falle Griechenlands noch rechtzeitig Einfluss auf den Gang der Dinge nehmen zu können. Am 5. Juli muss dann die Bundesregierung vor dem Bundesverfassungsgericht (zweiter Senat) Farbe bekennen. Zu der ursprünglich als nicht-öffentliche Sitzung geplanten Veranstaltung wurde jetzt nachträglich doch die Öffentlichkeit zugelassen. Immerhin in einer solch existenziellen Frage wird nicht wie in Brüssel oder in Berlin hinter verschlossenen Türen in Geheimverhandlungen diskutiert und entschieden.

Die Verzögerung über die Entscheidungen im Bundestag über die Griechenland-Hilfen und den ESM hat hier eine Ursache

Dieser Termin ist vermutlich auch die Ursache für die von der Bundesregierung praktizierte Verschleppungstaktik in Brüssel bei den gestern beendeten Verhandlungen im EcoFin-Rat. Es wäre doch zu peinlich und würde zusätzlich die Beziehungen zur EU belasten, wenn die Bundesregierung aufgrund einer sich abzeichnenden ablehnenden Entscheidung aus Karlsruhe sich als handlungsunfähig aufgrund verfassungsrechtlicher Bedenken erweisen sollte. Schließlich geht es hier nicht nur um die Regelsätze von Hartz-IV-Empfängern, sondern um den Kern unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung[6]. Hat das Parlament und damit die Bürger noch das Recht, über die Vergabe von Steuermitteln in vollem Umfang zu entscheiden, oder, wird dies durch die Ermächtigung solche Entscheidungen an den ESM und damit die EU zu delegieren, die Kontrolle über die Staatsfinanzen auszuüben? Ist dieses elementare Recht der Budgetkontrolle überhaupt an die EU übertragbar? Sind solche Untertunnelungen des Grundgesetzes mit einfacher Mehrheit des Bundestages überhaupt zu verabschieden? Solange das Bundesverfassungsgericht in dieser Frage kein Urteil getroffen hat, steht der ganze Prozess, der in Brüssel angestoßen worden ist, unter einem Rechtsvorbehalt.

Griechenland steht vor der gleichen Frage

Im Prinzip geht es ja auch in Griechenland um die gleiche Frage. Stimmt das griechische Parlament den Sparauflagen bedingungslos zu, dann hat es de facto einen großen Teil seiner Aussichts- und Kontrollfunktion an die Regierung bzw. die Troika abgetreten. Wenn die griechischen Bürger jetzt auf die Straße gehen, dann nicht zuletzt deshalb, weil ihnen – folgt man den Plänen der Troika – jedwede Mitbestimmung über ihren Staat entzieht.


[1] „Das macht den Wirtschaftsjuristen Prof. Markus Kerber fassungslos. Er kämpft mittels einer Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht gegen die Griechenlandhilfe und den Europäischen Rettungsschirm. Prof. Markus Kerber, TU Berlin: „Wesentliche Bereiche der Budget- und Steuerpolitik werden faktisch ausgehöhlt. Darüber hat der Bundestag dann nicht mehr zu entscheiden. In dem Moment, in dem Deutschland an einem Verschuldungsmechanismus ohne Veto-Rechte teilnimmt, der ruckzuck mehrere hundert Milliarden Euro betrifft, leidet die Bonität darunter und werden durch diese Schuldenlast für die kommenden Generationen Fakten geschaffen, die keine Regierung, kein Parlament mehr aus der Welt schaffen kann.“ ebenda

http://www.br-online.de/content/cms/Universalseite/2010/07/26/cumulus/BR-online-Publikation-ab-10-2010–186121-20110620191307.pdf

Griechenland: EU-Länder einigen sich auf ESM-Krisenfond

rüher hieß es immer, wenn man nicht mehr weiter weiß, dann gründet man einen Arbeitskreis. Offenbar ist die Debatte um die freiwillige Beteiligung privater Anleger im EcoFin-Rat ergebnislos verlaufen. Was macht dann? Man klammert das Problem aus.Die ursprünglich erhofften 31 Milliarden Euro, die nach Schäubles Vorstellungen aufgebracht werden sollten, werden wohl auf freiwilliger Basis nicht zustande kommen. Nun hat man sich auf einen weiteren faulen Kompromiss geeinigt. Statt der ursprüngliche 120 Mrd. Euro des Rettungspakets II fällt dieses nun etwas bescheidener aus, 80 Mrd. Euro eben. [1] Schäuble kann verkünden, dass er sich durchgesetzt hat und nicht die volle Summe hat übernehmen müssen, die Franzosen können für sich reklamieren, dass sie eine Verpflichtung zur Beteiligung privater Anleger verhindert haben.

Jetzt wird das ganze Griechenland-Problem im ESM versteckt. Eigentlich brauchte man derzeit unmittelbar ja für Griechenland keine 120 Milliarden Euro. Es ging ja nur um die Anschlussfinanzierung für die Jahre 2013 folgende. Das Ganze war also eine Vorsorge und gleichzeitig der Versuch zusätzliche Mittel für diese Zeit zu mobilisieren falls die bisher beschlossene Summe des ESM für weitere Krisenfälle nicht ausreichen sollte. Jetzt muss man sich eben darauf einstellen, dass der ESM für die Anschlussfinanzierung der Griechen ab 2013 in Anspruch genommen werden muss. Sollte es wegen Irland, Portugal oder Spanien zusätzlichen Finanzierungsbedarf geben, dann muss man eben später nachbessern. Damit hofft man nun das Ganze vom Tisch kriegen zu können.

EcoFin-Rat eine Art von Wirtschaftsregierung?

Man hat ja immer wieder behauptet der EcoFin-Rat unter dem Vorsitz von Jean-Claude Juncker könne so etwas wie eine Wirtschaftsregierung für Europa darstellen. Dabei erweist sich immer mehr, dass dort keine richtungsweisenden Entscheidungen getroffen werden. Bei der Finanzmarktreform ist man dort ebenfalls gescheitert. Ob Transaktionsteuer oder jetzt wieder bei der Umschuldung Griechenlands, heraus kommt Murks oder Garnichts. Die Müdigkeit der Europäer mit ihren Institutionen beruht ja nicht zuletzt darauf, dass durch die Möglichkeit des Blockierens von grundlegenden Reformen nur faule Kompromisse zustande kommen können. Dieses Patchwork aus eigentlich nur immer wieder Notlösungen schwächt das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit unter Krisen die derzeit nachhaltige Lösungen und Reformen voran bringen zu können. Kein Wunder, dass es dann immer mehr Alleingänge gibt in einer Europäischen Union der Selbstblockaden.

[1] „Nach monatelangen Debatten einigen sich die EU-Finanzminister auf einen neuen Krisenfonds für finanzschwache Euroländer. Der dauerhafte Krisenmechanismus soll laut Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker eine Kapitalbasis von 700 Mrd. Euro haben und 2013 eingerichtet werden.“ http://www.n-tv.de/