Griechenland: Forderungen aus der Zwangsanleihe von 1942 und Reparationen – Mit Zins und Zinseszins?

Unstrittig ist, dass das damalige Deutsche Reich unter den Nationalsozialisten dem griechischen Staat eine Zwangsanleihe in Höhe von 476 Mill. Reichsmark auferlegt hat. Unklar ist jedoch, ob dies nur rein buchungstechnisch erfolgte, oder, ob ein Realtransfer aus Griechenland nach Deutschland in genannter Höhe erfolgte.
Hat Griechenland tatsächlich Waren und Dienstleistungen in genannter Höhe an Deutschland geliefert, oder wurde damit nur die Bilanz des Deutschen Reiches geschönt? Wir wissen ja inzwischen zur Genüge, dass man mit einem Federstrich dreistellige Milliarden – siehe EFSF/ESM- oder gar Billionenbeträge in Euro – siehe das QE der EZB – kreieren kann, aber das heißt ja nicht zwangsläufig, dass entsprechende Waren und Dienstleistungen im Gegenzug an das damalige Deutsche Reich geflossen sind.
Zwar wird vom Abtransport von Lebensmitteln und Rohstoffen in das Deutsche Reich ohne Bezahlung aus Griechenland gesprochen, aber über Art und Umfang ist wenig genaues bekannt.
Als symbolisches Mittel, um diesen Raub zu legitimieren, wurde eben die genannte Zwangsanleihe buchungstechnisch in der Bilanz mit Griechenland damals ausgewiesen. Nur wie soll man einen solchen Vorgang heute bewerten?
Mit oder ohne Schuldenschnitt?
Was ist eine mögliche Forderung aus dem Jahr 1942 heute mehr als 70 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs heute noch wert?
Legt man die Umstellung der Währungsreform von 1948 zugrunde, dann wären entsprechend den Regeln auch anderer privater Gläubiger rund 65% der Forderungen durch einen Schuldenschnitt bei der DM-Umstellung gestrichen worden, d.h. es verbleiben nur noch 166,6 Mill. DM. Ginge man noch weiter, wie bei der Umstellung von anderen Schuldverschreibungen im Verhältnis Eins zu Zehn wäre von der ursprünglichen Forderung nur ein Zehntel, d.h. 47,6 Mill. DM verblieben. Schließlich kennt Griechenland sich ja bestens aus mit Schuldenschnitten wie zuletzt als private griechische Gläubiger auf die Hälfte ihrer Forderungen gegenüber den griechischen Staat verzichten mussten.
Im Zuge der Umstellung der DM zu Euro wurde ein Umstellungskurs von 1,95583 DM 1998 für einen Euro zugrundgelegt. Dies ergäbe je nach Betrachtungsweise einen Wert von 85,1 Mill. Euro bzw. 24,3 Mill. Euro.
Mit oder ohne Einbeziehung der Zahlungen aus dem Wiedergutmachungsvertrag von 1960 und der Pariser Reparationskonferenz von 1945?
Griechenland erhielt im Jahr 1960 bereits 115 Mill. DM im Zuge des Wiedergutmachungsvertrags von 1960 „zugunsten der aus Gründen der Rasse, des Glaubens oder der Weltanschauung von nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen betroffenen griechischen Staatsangehörigen“ und Hinterbliebenen. Zuvor hatte Griechenland im Jahr 1945 im Zuge der Pariser Reparationskonferenz durch Demontage von Anlagen in Deutschland im Wert von ca. 25 Mill. US-Dollar zugesprochen bekommen. Griechenland hatte jedoch damals schon 10 Mrd. US-Dollar gefordert, die aber nicht zuletzt aufgrund des Widerstands der Siegermächte nicht anerkannt worden sind und eben auf den Anspruch zur Demontage von Anlagen in Deutschland auf 25 Mill. US-Dollar begrenzt worden waren. Dies entsprach damals in etwa einem Wert von 105 Mill. DM, wenn man einen US-Dollar DM-Wechselkurs von 4,20 DM je US-Dollar zugrunde legt. Addiert man diese Beträge ohne Verzinsung auf, dann hat Griechenland 1945 105 Mill. DM in Sachwerten und 1960 115 Mill. DM in Bargeld als Entschädigungsleistungen erhalten, d.h. summa sumarum 220 Mill. DM.
Griechenland hat den damaligen Regelungen zugestimmt oder musste sie aufgrund der damaligen Machtverhältnisse, die durch die Siegermächte und nicht durch Deutschland bestimmt waren, anerkennen.
Eigentlich hätte mithin das Kapitel Reparationszahlungen von Deutschland an Griechenland damit angeschlossen sein sollen.
Mit Zins und Zinseszins?
Offenbar sind die griechischen Regierungen in den letzten Jahren nicht mehr gewillte diese Rechtslage anzuerkennen. Man will stattdessen wie zuletzt verlautete jetzt Forderungen in Höhe von 278,7 Mrd. Euro gegenüber Deutschland geltend machen. Eine allgemein öffentlich nachvollziehbare Rechnung liegt derzeit nicht vor. Offensichtlich ist aber, dass man auf solche astronomischen Summen nur kommt, wenn man die Forderungen aus den Jahren 1942 bzw. 1945 mit einem drastischen Zinsfaktor über rund 70 Jahre aufzinst.
Legt man beispielsweise einen jährlichen Zinssatz von 7% zugrunde, dann ergibt sich nach 70 Jahren ein Wert von rund dem 114fachen des Ausgangswerts. Wären es hingegen nur 5%, dann wäre es nur noch rund das 30fache. Um also zu den von Griechenland genannten phantastischen Größenordnungen zu kommen, muss man etwa die 10 Mrd. US-Dollar, die Griechenland im Jahr 1945 forderte, aber nicht erhalten hat, in etwa als Bemessungsgrundlage heranziehen. Nur so lassen sich in etwa die 278,7 Mrd. Euro als aktuelle Forderungen erklären.
Eine Milchmädchenrechnung, die sich als solche nur im Phantasialand griechischer Politiker, die kurz vor der Staatspleite stehen, erklären lässt. Man versucht so als moralischer Sieger vom Platz zu gehen, weil man die 318,35 Mrd. Euro an Schulden gegenüber dem Ausland nicht zurückzahlen will, soll der schwarze Peter nach Deutschland durchgereicht werden. „Wir geben nix“, lautet die Devise aus Griechenland. „Holt Euch Euer Geld von den Deutschen.“
Es ist offensichtlich, dass die griechischen Politiker dabei wohl die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben. Not kennt bekanntlich kein Gebot, aber Archimedes dürfte sich, ob solcher Rechenkunststücke griechischer Finanzpolitiker im Grabe umdrehen.

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