Merkel in der Griechenland-Falle

Es wär so schön gewesen. Angela Merkel wollte als Retterin Europas und des Euro in die Geschichtsbücher eingehen. Als Griechenland bereits im Jahr 2010 de facto Pleite war, wurde unter massiven Einsatz der Kanzlerin und ihres Finanzministers Wolfgang Schäuble ein Hilfsprogramm für Griechenland mit den Regierungschefs der anderen EU-Mitgliedsländer geschaffen. Während führende Wirtschaftswissenschaft aus Deutschland insbesondere Hans-Werner Sinn einen Grexit Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion forderten und auch ehemalige und amtierende Bundesbanker wie Axel Weber, Jens Weidmann bis hin zu Thilo Sarrazin sowie Mitglieder des EZB-Direktoriums wie Jürgen Stark und Otmar Issing einen entsprechenden Schritt forderten, setzte die Kanzlerin sich gegen diesen Expertenrat ihrer führenden deutschen Vertreter durch.

Sie wollte Griechenland Zeit für ein umfassendes Reformpaket der griechischen Wirtschaft und Gesellschaft geben und riskierte dabei im Falle des Scheiterns Verluste zu Lasten der deutschen Steuerzahler in zwei bis dreistelliger Milliardenhöhe. Kommt es jetzt nach Jahren zum damals bereits als unausweichlich angesehen Grexit Griechenlands, dann muss hierfür die Kanzlerin und ihr Finanzminister die politische Verantwortung insbesondere gegenüber den Wählern in Deutschland übernehmen.

Damit bräche jedoch ein Kartenhaus der Merkel’schen Machtarchitektur zusammen, denn ihre Stellung sogar in der eigenen Partei beruht ja darauf, dass sie ihre Pläne – Kein Austritt Griechenlands – mit Erfolg umsetzen kann. Scheitert sie, dann scheitert vielleicht nicht am Ende der Euro, aber Merkel als die zentrale Anführerin der Euro-Rettung wäre politisch am Ende. Ihre Glaubwürdigkeit würde national und international ins bodenlose stürzen.

Genau hierauf spekulieren Tsipras und Varoufakis. Wenn Merkel in der Frage einer Griechenland-Pleite grenzenlos erpressbar geworden ist, dann kann man genauso auftreten und massive Forderungen stellen, wie es derzeit der Fall ist. Es ist eben wie im Fall des Games of the Chicken nachdem Merkel Angst vor der griechischen Staatspleite und den daraus auch für sie absehbaren negativen politischen Konsequenzen hat, wird sie versuchen alles in ihrer Macht mögliche zu tun, um diesem katastrophalen politischen Gau für sich und ihre Regierung zu verhindern.

Es geht ihr und ihrem Finanzminister gar nicht mehr darum Schaden vom deutschen Volke bzw. den Bundesbürgern abzuwenden und zu begrenzen, sondern es geht ihr vorrangig ihr politisches Überleben abzusichern, koste es was es wolle auch zu Lasten der deutschen Steuerzahler.

Damit perpetuiert die Kanzlerin jedoch nur die Agonie Griechenlands einerseits und vergrößert andererseits die Schadenssumme der Mitgliedsländer der Eurozone und insbesondere Deutschlands als Hauptgläubiger gegenüber Griechenland. Eigentlich wissen alle Beteiligten, das Griechenland seine Schulden niemals an die Gläubiger zurückzahlen wird, auch wenn dies wie jetzt erneut der griechische Präsident betont dies doch leisten zu wollen. Zwischen wollen und können ist bekanntlich ein gewaltiger Unterschied. Die Kautele, die die griechischen Politiker für ihren Grexit oder Schuldenerlass einsetzen wollen, ist die Reparationsforderungen an Deutschland , die sich – wen wundert’s – in etwa in der Höhe der griechischen Staatsschuld belaufen.

Die Kausalkette ist dann eben folgende: Entweder Deutschland erkennt unsere Forderungen nach Reparationen in voller Höhe an oder wir zahlen nicht. Mithin dient dieses Vorgehen der griechischen Politiker dazu die Allianz der anderen Gläubigerländer mit Deutschland zu sprengen, denn die würden natürlich wie Griechenland im Falle der Annahme der Forderung der Griechen an Deutschland zu den Mitgewinnern zählen. Sie bekämen dann ja ihr Geld von Griechenland zurück nachdem Deutschland denen die Mittel dafür überwiesen haben würde.

Allerdings ist das eben eine Hochrisikostrategie der Griechen gegenüber der EU und der Eurozone sowie insbesondere Deutschland. Scheitert man mit diesem Erpressungsversuch bleibt am Ende doch nur noch der Grexit in der einen oder anderen Form.

Merkel müsste dann das Scheitern ihrer Rettungspolitik gegenüber der Weltöffentlichkeit erklären und einen wesentlichen Teil der Verantwortung für das Geschehen übernehmen. Es könnte ein Jahr der Wahrheit und ein annus horribilis für Angela Merkel werden. Ihre Kanzlerschaft stünde am Ende auf dem Spiel.

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17 Gedanken zu „Merkel in der Griechenland-Falle

  1. der griechische premierminister alexis tsipras und sein finanzminister yanis varoufakis spielen “schach” und nicht “mensch ärgere dich nicht”. der deutsche finanzminister, der schwäbische schlaumeier wolfgang schäuble (die schwarze null) hat dies nur noch nicht begriffen. varoufakis’ stinkefinger war für die deutschen bankster und das globale, bankrotte finanzsystem.
    mehr hierzu: https://campogeno.wordpress.com/2015/04/24/was-planen-die-griechen/

  2. Als dritte Option bleibt für Merkel und Schäuble ja nur das weiterwursteln wie bisher.
    Griechenland kriegt erneut Geld im Rahmen eines dritten Rettungspakets das in etwa jährlich weitere rund 20 Mrd. Euro in Griechenland verbrennt.
    Das ist dann die dauerhafte EU-Transferunion, die Griechenland Jahr für Jahr Geld ohne Konditionen überweist.
    Griechenland wird wie Berlin im Lämderfinanzausgleich dauerhaft von der EU und d.h. insbesondere auch Deutschland alimentiert.
    Darauf könnte dann ein sogenannte politische Kompromiss bis Ende Juni hinauslaufen. Griechenland bleibt in der Eurozone und verzichtet für’s erste mal wieder auf seine Reparationsforderungen. Symbolisch werden die Schulden bei den Geberländern weiterhin als Forderungen bilanziert, aber alle wissen, das Geld ist futsch.

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