AQR-Stresstest: Das Wunder von Frankfurt

Gestern verkündete die EZB die Ergebnisse der Asset-Quality-Review, dem Stresstest, der die Solidität von rund 130 Banken innerhalb der Eurozone hinsichtlich einer längeren Finanzkrise prüfen sollte. Als zentrales Ergebnis wird eine Kapitallücke von insgesamt 25 Mrd. € bei 25 teilnehmenden Banken festgestellt. Das ist erstaunlich, da zuvor in Finanzkreisen wesentlich höhere Deckungslücken von rund 300 Mrd. Euro als realistisch angesehen worden sind. Es ist also schwierig das „Wunder von Frankfurt“ nachvollziehbar zu machen. Die Veröffentlichung der einzelnen Ergebnisse durch die EZB hilft dabei auch nicht weiter, da man gleichsam aus dem Ergebnis nicht erkennen kann wie es zustande gekommen ist. Maßstab war der CET1 (Common Equity Tier 1) , die kurz auch als Kernkapitalquote bezeichneten Quoten aus der Bankbilanzsumme dividiert eben durch diesen CET1. In Deutschland ist nur die Münchner Hypothekenbank beim Stresstest durchgefallen. Allerdings wurden beim Stresstest die Forderungen aus Staatsschuldpapieren der Mitgliedsländer als risikofrei bei der Bilanzermittlung behandelt. Das ist keine Kleinigkeit, denn es geht hier um ein Sümmchen von rund 800 Mrd. Euro in den Bankbilanzen der untersuchten Institute.

So waren bereits im Vorfeld beispielsweise vom Sparkassenpräsidenten Fahrenschon die Methoden des Stresstests heftig kritisiert worden.

“Die Sparkassen haben das Vorgehen der Europäischen Zentralbank (EZB) beim europaweiten Bankencheck scharf kritisiert. Bei der seit Monaten laufenden Übung gebe es eine Reihe von “Ungereimtheiten”, sagte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon am Mittwoch bei einer Bankenkonferenz in Frankfurt. Gesunde Geldhäuser würden bei dem Test zu Unrecht schlechter behandelt als kriselnde Institute, kritisierte Fahrenschon. Die EZB gehe nach dem Motto vor: „Wer am gesündesten ist, kann am meisten krank werden.” Die EZB wies die Kritik zurück.“

Auch von anderen Stellen wird heftig der AQR-Test als wenig aussagefähig über die Finanzstabilität der einzelnen Banken kritisiert. Schließlich müssen ja alle Bilanzpositionen bei der Bilanzerstellung bewertet werden. Da gab es aber reichliche Spielräume, die von den Banken zu ihrem Vorteil genutzt werden konnten. Dazu zählen insbesondere auch die Bewertung des Goodwill und die Aufnahme zukünftiger Steuergutschriften in die Bilanz. All das sind mehr oder weniger grobe Schätzungen, die insbesondere wegen der noch nicht eingeführten Basel III Regeln lax angewendet werden konnten.

Das in den Massenmedien verkündete Ergebnis, dass 25 Institute, d.h. rund ein Fünftel durchgefallen sei, ist mit Vorsicht zu interpretieren. Diese Darstellung soll ja suggerieren, dass der Test wirklich scharfe Regeln angewendet habe. Liest man jedoch die Mitteilung genauer, dann stellt man schnell fest, dass von den 25 Instituten, die zum Zeitpunkt der Bilanzierung vom 31. Dezember 2013 als durchgefallen klassifiziert worden sind, bereits zwölf die Eigenkapitallücke bereits im Laufe dieses Jahres geschlossen haben sollen, d.h. aus 25 werden dann nur noch 13 Institute. Mithin sinkt die Quote von einem Fünftel schon auf ein Zehntel.

Es wäre mithin keineswegs verwunderlich, wenn entsprechend dem Lied von den Zehn kleinen Negerlein ein Institut nach dem anderen der restlichen dreizehn Institute auch noch die erforderlichen Mittel zur Deckung der im Stresstest ermittelten Eigenkapitallücke auftreiben könnte. Bereits zwei griechische Banken signalisieren, dass sie die Eigenkapitallücke rechtzeitig schließen können.

Wenn aber bereits in dem schwächsten Mitgliedsland der Eurozone, bei dem von vier Instituten drei beim Test durchgefallen sind, bereits jetzt wieder verkünden, dass sie ihre Eigenkapitallücke fristgerecht schließen könnten, dann sollte man sich nicht wundern, dass vermutlich am Ende auch alle anderen Banken, die derzeit noch Probleme haben, am Ende doch noch die fehlenden Mittel gegenüber der EZB nachweisen könnten.

Was wäre dann das Ergebnis? Nun das Ziel des AQR-Tests sollte ja sein, dass Zombiebanken innerhalb des Bankensystems der Eurozone vor Einführung der Bankenunion identifiziert und danach abgewickelt werden sollten. Damit kam man den Bedenken insbesondere der deutschen Politik entgegen, die nicht für die Altlasten der anderen ausländischen Banken in die Kollektivhaftung nach Einführung der Bankenunion in Haftung genommen werden wollte.

Wenn es aber durch den jetzt vorliegenden AQR-Tests aber überhaupt keine Zombiebanken innerhalb der Eurozone gibt, dann wird am 2. November die Bankenunion unter Einschluss eben genau dieser undercover Zombiebanken eingeführt. Mithin hätten Länder – und hierzu zählen eben insbesondere auch Zypern, Griechenland und Italien, aber auch Slowenien, Portugal und Irland – den Coup gelandet, dass man die Haftung für diese Banken aus dem nationalen in den Rahmen der Eurozone und deren Mitgliedsländer verlagert hätte.

Dass dabei die EZB und EBA mit der Art und Durchführung dieses Tests maßgebliche Hilfestellung gegeben haben, dürfte eigentlich unbestreitbar sein. Wie schon Carl Schmitt zu sagen pflegte: „Der, der den Ausnahmezustand ausruft, ist der, der die Regeln bestimmt.“ Das ist und war die EZB unter Mario Draghi.

Ob das Ergebnis des AQR-Tests die Finanzmärkte überzeugt und damit Spekulationen über eine europäische Bankenkrise ein für alle Mal ein Ende gefunden haben, wird sich zeigen müssen. Zahlreiche Experten sind jedenfalls von dem Ergebnis und der Interpretation, die die EZB und die Politik gerne der Öffentlichkeit weismachen wollen, nicht überzeugt. Der Realitätstest einer echten Finanzmarktkrise steht noch aus und es wird sich erst dann zeigen, ob das Krisenmodell des AQR-Tests dann nur als Scheinwelt einiger Modellschreiner entlarvt wird.

Zweifel sind aus Sicht des Autors dieses Beitrags jedenfalls wohl begründet. Expect the unexpected and know that the unkown unkowns exists. The AQR-Test ist letztendlich nur Anmaßung von Wissen , um es mit Hayek zu sagen. Hinzu kommt Goodhart’s Law. Weil die CET1 zu einer so wichtigen Zielgröße für die Finanzstabilität einer Bank beim AQR-Test geworden ist, verliert sie die Eigenschaft ein dafür gut geeigneter Indikator zu sein.

Weil die Bankenunion eine politische Entscheidung ist, die einzelne Akteure deutlich besser und andere schlechter stellt, gibt es entsprechende Anreize durch Bilanzmanipulationen sich den Zutritt zu dieser Haftungsgemeinschaft zu verschaffen. Das war schon bei der Einführung des Euro so, wo Italien und Griechenland ihre Defizitquoten gefälscht haben, so wird es auch diesmal wieder sein.

Die Welt besteht eben aus Gläubigen und Ungläubigen. Der AQR-Test als Methode zur Identifikation insolventer Finanzinstitute innerhalb der Eurozone ist eben ein Glaubensakt. Ich gestehe ich gehöre zu den Ungläubigen.

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3 Gedanken zu „AQR-Stresstest: Das Wunder von Frankfurt

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