Euro auf Talfahrt gegenüber dem US-Dollar – Hilft das der deutschen Konjunktur?

Seit dem Mai 2014 ist der Euro-Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar von rund 1,39 auf rund 1,29 US-Dollar je Euro gefallen. Damit scheint die EZB dem Wunsch insbesondere auch der Krisenländer der Eurozone – und hierzu zählen inzwischen ja neben Italien jetzt auch Frankreich – den Euro-Wechselkurs des Euro zur Steigerung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der Länder der Eurozone gegenüber der übrigen Welt zu steigern, um die erneute Rezessionsgefahr damit zu bannen. Trotzdem dürfte ein solcher Schritt nur einen Tropfen auf den heißen Stein sein von dem ironischer Weise die deutsche Exportwirtschaft am meisten profitiert, da sie im Unterschied zu den Euro-Krisenländern international breiter und bereits zuvor wettbewerbsfähiger aufgestellt ist. Dazu passt auch die jüngste Meldung des Statistischen Bundesamtes, das die Exporte im Juli 2014 gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich um 8,3% angezogen haben. Allerdings ist hier Vorsicht geboten. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Ein einzelner Monatswert zeigt keine nachhaltige Belebung der deutschen Exportwirtschaft an. Im ersten Halbjahr 2014 war der Wachstumsbeitrag des Außenhandels (Export minus Importe) zum Bruttoinlandsprodukt mit insgesamt -0,2 % negativ. Es müsste daher noch einiges in der zweiten Jahreshälfte beim Export passieren, um den damit gesetzten negativen Trend umzukehren und deutlich nach oben in den positiven Bereich zu verschieben.
Weil die Öl- und Gaspreise deutlich sinken, dürfte es auch nichts mit einer durch Abwertung des Euro induzierten importierten Inflation werden. Sie tragen ja zu einem erheblichen Teil zum Rückgang der Inflationsrate in Deutschland und der Eurozone bei.
Hinzu kommt, dass der Leistungsbilanzüberschuss der deutschen Wirtschaft voraussichtlich in diesem Jahr bei etwa 7,2% des BIPs liegen wird. Damit wächst auch der politische Druck auf Deutschland mehr für den Abbau des Leistungsbilanzungleichgewichts zu unternehmen.

Sanktionen EU versus Russland

Die seit dem Einmarsch Russland auf der Krim eskalierende Sanktionsspirale hat zumindest den Handel mit Russland deutlich um 15% einbrechen lassen (Abbildung 1). Zuvor galt Russland noch durchaus als attraktiver Wachstumsmarkt für die deutsche Wirtschaft. 

Abbildung 1 – Außenhandel zwischen Deutschland und Russland, 2013 – 2014.

Deutschland Russland Handel

Hinzu kommt, dass sich die Ukraine-Krise weiter verschärft. Jetzt sollen weitere Sanktionen seitens der EU und vice versa von Russland den bereits bestehenden Sanktionen folgen. Damit dürfte der Handel mit Russland noch weiter deutlich Schaden nehmen.
Neben den direkten Effekten wirken sich die Sanktionen auch indirekt negativ insbesondere auch aus die osteuropäischen Mitgliedsländer der EU aus. Diese sind ja wesentlich stärker als Deutschland vom Handel mit Russland abhängig. So rutschte ja bereits Finnland erneut in die Rezession auch wenn zuletzt ein moderater Aufschwung wieder zu verzeichnen war. Die größten Sorgen dürften aber die Entwicklungen in den zwei nach Deutschland größten Volkswirtschaften der Eurozone bereiten. Frankreich und Italien stehen oder sind bereits in einer erneuten Rezession. Da sie aber zu den wichtigsten Handelspartnern der deutschen Wirtschaft zählen, sind die dortigen Ausfälle schwer durch andere Exporte in andere Länder in der Weltwirtschaft auszugleichen.

Weitere Konjunkturrisiken außerhalb der Eurozone

Zwar läuft derzeit die Konjunktur in den USA erstaunlich positiv, aber dies ist nur eine Momentaufnahme, da ja das erste Quartal des Jahres 2014 mit einem deutlichen Minus abschloss.
Großbritannien könnte vor erheblichen Turbulenzen stehen, wenn das Unabhängigkeitsreferendum von Schottland zu einer Abspaltung vom Rest Großbritanniens führt.
Brasilien steht ebenfalls am Rande einer Rezession und China kämpft um das Erreichen des Wachstumsziel von 7,5% in diesem Jahr, was gegenüber den vorherigen Wachstumsrate mit über 10% durchaus als Abkühlung der Wachstumsdynamik der chinesischen Wirtschaft angesehen werden muss. Auch Südafrika schwächelt zuletzt. Die Erfolgsstory der deutschen Wirtschaft aufgrund der stark angestiegenen Exporte in die BRICS-Staaten ist wohl fürs erste nicht mehr fortsetzbar. Hierzu trägt auch die restriktivere Geldpolitik der Fed in den USA bei, die ja ihr Ankaufprogramm QE3 seit Jahresanfang zurückfährt und damit der globalen Weltwirtschaft Liquidität entzieht. Zwar hält die Bank of Japan an ihrem Kurs der exzessiven Liquiditätsschöpfung fest, aber die japanische Wirtschaft befindet sich trotzdem in einem Abwärtsstrudel. Auch die chinesische Regierung tritt ja auf die Bremse bei der Kreditexpansion und versucht insbesondere die chinesischen Schattenbanken unter ihre Kontrolle zu bekommen, wo zuletzt besonders stark die Kredite geflossen sind.
Fragilität der Weltwirtschaft aufgrund weltweiter militärische und politischer Spannungen
Zusammen mit den weltweiten Spannungen – Ukrainekrise (siehe oben), IS-Terrorismus im Irak und Syrien und sich zuspitzender Konflikte im südchinesischen und ostchinesischen Meer – wächst die Fragilität der Weltwirtschaft, die durch politische und militärische Konflikte erheblichen Ausmaßes Schaden in den kommenden Monaten nehmen dürfte.

Fazit

All das macht wenig Hoffnung für ein erfolgreiches Jahr der deutschen Exportwirtschaft, aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Ein niedriger Euro-Wechselkurs reicht hierfür keineswegs aus.

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4 Gedanken zu „Euro auf Talfahrt gegenüber dem US-Dollar – Hilft das der deutschen Konjunktur?

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