Putins Friedensplan oder wie unterlaufe ich härtere Sanktionen und militärische Unterstützung der Ukraine

Wladimir Putin wird nachgesagt er sei ein guter Taktiker aber ein schlechter Stratege. Da scheint schon etwas dran zu sein. Er hat sich bietende Chancen wie die Annexion der Krim und die Destabilisierung der Ostukraine durch eine von russischen Separatisten aus gerufenen Volksrepublik Donezk glänzend inszeniert. Waffenstillstandsangebote der ukrainischen Regierung wurden regelmäßig abgelehnt. Einmal fühlte er sich nicht zuständig, schließlich waren nach seinem Drehbuch die Separatisten ja von ihm und russischer Unterstützung unabhängig. Ein andermal war es die Illegitimität der ukrainischen Regierung, die sie als Verhandlungspartner für Russland inakzeptabel machten. Nach der Wahl Poroschenkos zum Präsidenten und dessen Aufforderung an die Separatisten und Wladimir Putin die Waffen im Donbaz niederzulegen und die Separatisten zu entwaffnen, stellte er sich taub. Danach eskalierten den Kämpfe dort, weil die ukrainische Armee jetzt mit militärischen Mitteln die Kontrolle über diesen Teil seines Staatsgebiets zurückerlangen wollte. Um die Kämpfe dort aufrechterhalten zu können, wurde dann sukzessive Material und Kämpfer aus Russland in das Kampfgebiet geschleust. Als das alles nicht ausreichte und es zu einer Massenflucht aus den Kampfgebieten insbesondere eben auch nach Russland kam, geriet Putin immer mehr unter Druck direkt mit der bereits an der Grenze zur Ukraine stationierten russischen Armee in die Kämpfe einzugreifen. Alle Drohungen Putins an die Ukraine und den Westen hatten nicht dazu geführt, dass man auf die Forderungen der Separatisten und Putins nach einer Abtrennung des Donbaz von der Ukraine analog zur Krim eingehen wollte. Die drohende Niederlage der Separatisten vor Augen blieb aus Sicht Putins nur der nächste Schritt der Eskalation übrig.
Damit wendete sich erneut das Blatt und die russische Invasion in der Ostukraine und danach auch noch im Süden entlang der Küste des Asowschen Meeres begann. Es wird von westlicher Seite vermutet, dass jetzt das Ziel einer noch größeren Abspaltung von Teilen der Ukraine, die in Putins Diktion zum Nowa Rusja zu zählen sind, als Kriegsziel militärisch durchgesetzt werden soll. Damit hat er nun endgültig sein Blatt überreizt. Einen Friedensplan Poroschenkos mit 14 Punkten wurde zurückgewiesen. Zugleich drohte Putin gegenüber Baroso mit einem Einmarsch russischer Truppen bis Kiew. Es ist halt das alte Spiel einer taktischen Desorientierung des Gegners. Scheinbar diplomatische Zugeständnisse und gleichzeitiges Handeln, dass diese Ankündigungen als gegenstandlos erscheinen lässt. Eine willfährige Presse im Westen macht diesen Zickzackkurs der Putinschen Desinformationspolitik brav mit. Viel Vertreter im Westen wollen nur eines, den Frieden bewahren auch wenn dabei alle Versprechen, Verträge mit der Ukraine und Zusicherungen eines Beistands im Krisenfall über Bord geworfen werden. Selten hat man solche prinzipienlose Appeasement-Vertreter in einem Konflikt um Sicherheit und Stabilität in Europa gesehen.
Der gestrige Vorschlag Poroschenkos eines dauerhaften Waffenstillstands wurde trotz scheinbarer Einigung mit ihm sofort wieder dementiert und gestern mit einem sieben Punkte Friedensplan beantwortet. Dieser wurde nun von Poroschenko zurückgewiesen. Das ganze spielte sich innerhalb von weniger als vierundzwanzig Stunden ab.
Vermutlich wollte Putin damit Entscheidungen über härtere Sanktionen, über die derzeit bei der EU verhandelt wird, und, die am morgigen Freitag verkündet werden sollen, unterlaufen. Gleichzeitig muss er ja auch noch mit einer wachsenden militärischen Bedrohung Russlands durch die Nato rechnen, die ab heute in Wales tagen. Es zeichnet sich hier bereits jetzt ab, dass nachdem man Russland bereits als Bedrohung eingestuft hat , schnelle Eingreiftruppen der Nato an die Westgrenze der Ukraine verlegen wird und auch gemeinsame Manöver zwischen Nato-Truppen und Truppen der Ukraine in diesem Herbst abhalten wird , die ganze Eskalation zu heiß geworden ist.
Das eigentliche Ziel einer dauerhaften Kontrolle über die Ukraine oder auch nur für Russland besonders relevanter Teile ohne einen direkten militärischen Konflikt mit der Nato scheint unerreichbar zu sein. Damit zerplatzt aber wohl der zuvor gedachte Plan Putins, der Westen würde es nicht soweit wie sich bereits jetzt abzeichnet nicht kommen lassen. Aus Putinscher Sichtweise sind die „Weicheier des Westens“ härter als gedacht und werden damit richtig gefährlich.
Jetzt droht Russland letztendlich ein Zangengriff aus immer härter die russische Wirtschaft treffende Wirtschaftssanktionen, ein Rüstungswettlauf mit den Nato-Staaten , den auf Dauer Russland aufgrund seiner ökonomischen Schwäche kaum gewinnen kann. Letztendlich ist die alte Sowjetunion an den Lasten einer Überrüstung und dem Afghanistan-Krieg gescheitert. Die USA hatten in einem Rüstungswettlauf mit Russland mit Beginn der Reagan-Ära, dessen wirtschaftliche Kapazitäten am Ende überfordert. So könnte es auch diesmal sein. Man bedenke, dass selbst nach Kaufkraftparitäten gerechnet die Wirtschaftskraft Russland kaum an die Deutschlands heranreicht. Auch hinsichtlich der Bevölkerung von rund 140 Mill Einwohnern mit einer rasch wachsenden Überalterung und damit rückläufigen Einwohnerzahl, die nur deswegen etwas weniger drastisch ausfällt, weil die im Vielvölkerstaat Russland lebende insbesondere islamisch orientierte Bevölkerung noch wächst. Demgegenüber stehen immerhin in Westeuropa rd. 500 Mill. Einwohner und in den USA über 300 Mill. Einwohner gegenüber. Hier sind die rund 42 Mill. in der Ukraine noch nicht eingerechnet.
Technologisch ist der Westen was Militärrüstung angeht weiterhin deutlich überlegen. Mithin ist es erstaunlich, dass sich Putin auf das Hasard-Spiel einer militärischen Konfrontation mit dem Westen eingelassen hat. Das ist nur verständlich, wenn man unterstellt, dass Putin mit einer ernsthaften Konfrontation mit der Nato nicht gerechnet hat. Ein strategischer Fehler, wie sich nun zeigt, der ihm und Russland teuer zu stehen kommen wird.

Advertisements

5 Gedanken zu „Putins Friedensplan oder wie unterlaufe ich härtere Sanktionen und militärische Unterstützung der Ukraine

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s