Immobilienblase Made in Germany

Deutschlands letzte Immobilienblase entstand nach dem Beitritt Ostdeutschlands und hatte nachhaltige finanzielle Folgen, die bis heute nicht völlig abgebaut worden sind. Im Zuge der Euphorie über Kohl‘s blühenden Landschaften hatten zahlreiche Anleger auf ein zweites Wirtschaftswunder gewettet und mussten dann erkennen, das statt eines Wirtschaftswunders sie ihr Blaues Wunder[1] erlebten. Die scheinbar günstig erworbenen Immobilien erwiesen sich als Ressourcenfalle und führten zu drastischen Verlusten für die Anleger. Nun könnte es wieder soweit sein.

In- und ausländische Anleger, die nach sicheren Ländern für Kapitalanlagen in einer Phase der Nullzinspolitik der Zentralbanken in Europa und den USA suchen, haben rasch auf die Erkenntnis gesetzt, dass Realvermögen in Form von Immobilien eine „sichere“ Geldanlage darstellt. Deutschland als Land mit der stabilsten Wirtschaft in der Eurozone war da ein attraktives Investitionsziel. Gerade in den Ballungsräumen um München, Stuttgart, Frankfurt am Main, Köln, Hamburg und Berlin wurde so viel Geld in Immobilien investiert. Die Immobilienpreise für Altbauten schossen in die Höhe und der Bau von Luxusimmobilien zog rasant an, denn den Anlegern geht es oft ja nicht um eine langfristige Kapitalanlage, sondern man hofft auf einen raschen Preisanstieg, um dann rechtzeitig vor dem Platzen der Immobilienblase noch Kasse machen zu können. Die Gier regiert auch in Deutschland das Anlegerverhalten und lockt zugleich reichlich schwarze Schafe auf den überhitzten Immobilienmarkt.

Nun hat die Bundesbank in ihrem diesjährigen Monatsbericht vom Oktober vor einer Überhitzung des Immobilienmarktes gewarnt.[2] Nachdem zahlreiche andere Marktbeobachter[3] immer wieder das Gegenteil behauptet haben[4], wirkt die jetzt von der Bundesbank ausgesprochene Warnung als besonders glaubwürdig. Statt nur auf anekdotische Evidenz zahlloser Einzelfälle zu verweisen, hat die Bundesbank sich mit der bundesweiten Entwicklung der Immobilienpreise in Deutschland auseinandergesetzt. Schließlich ist eine der Folgen der Nullzinspolitik der EZB ein historisch extrem niedriger Hypothekenzinssatz, d.h. die Zinskosten zum Immobilienerwerb waren noch nie so günstig wie heute. Allerdings müssen die niedrigen Zinskosten gegenüber dem Preisanstieg der Immobilien ins Verhältnis gesetzt werden. Wenn die Immobilienpreise rascher gestiegen sind als die Finanzierungskosten gefallen, dann rechnet sich eben auch unter den derzeitigen Marktverhältnissen der Immobilienerwerb nicht mehr. Hinzu kommen gestiegene Kosten wie die Grunderwerbssteuer[5] und Maklergebühren.[6] Es könnte daher vielen Immobilienkäufern wie beim Goldrausch in Klondike[7] ergehen. Nicht die Goldsucher wurden reich, sondern die Händler, die ihnen die Ausrüstungen verkauften.

Jetzt verdienen eben insbesondere diejenigen wie Banken, Baufirmen, Markler, Notare und der Staat prächtig daran, dass es willige Käufer gibt, die auch mit Hilfe der Banken sich hoch verschulden, um zu den einmalig niedrigen Zinsen ihr Traumhaus oder Wohnung zu erwerben. Wohin das führen kann haben uns die USA mit ihrer Subprimekrise und Spanien mit ihrem Immobilienboom vorgemacht. Offenbar gilt die alte Regel, dass es letztendlich die Umstände sind, die Menschen in Versuchung führen und sie zu riskanten und nur scheinbar sicheren Investments verleiten. Das gilt für die USA, Spanien aber auch für Deutschland, die Niederlande oder Dänemark. Offenbar gibt es wenig kulturelle Unterschiede. Gier macht aller Orten blind.

Die Gläubigen an die totsichere Anlage Gold und andere Edelmetalle haben bereits einen herben Rückschlag wegstecken müssen. Von seinem historischen Höchststand des Goldes von mehr als 1.900,- US-Dollar je Feinunze im Jahr 2011 ist er auf derzeit rund 1.333 US-Dollar gefallen.[8] Da wäre eine Anlage auf ein simples Sparbuch weiteraus weniger verlustreich gewesen.

Nun droht wohl in nicht allzu ferner Zukunft auch zahlreichen Immobilieninvestoren in Deutschland ein ähnliches Schicksal. Geld gab man für Beton. Niemand beklage sich später man hätte sie nicht gewarnt. Man sollte den aktuellen Beitrag der Deutschen Bundesbank zum Thema lesen.

 


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2 Gedanken zu „Immobilienblase Made in Germany

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