Der Euro vor neuem Höhenflug?

Der Euro ist heute auf einen neuen Jahreshöchststand gegenüber dem US-Dollar gestiegen. Er steht knapp unter 1,37 US-Dollar. Das könnte natürlich nur eine kurzfristige Reaktion der internationalen Kapitalanleger auf die beinahe Pleite der USA sein, die ja nur in einer Last-Minute-Aktion vor dem Zahlungsausfall gerettet worden sind. Da es aber zu keiner nachhaltigen Lösung gekommen ist , sondern das ganze Theater sich im Januar/Februar 2014 wiederholen könnte, könnten einige Anleger gegenüber dieser verzwickten Lage in den USA nun doch langsam die Geduld verlieren und ihr Geld in andere Währungen umschichten. Insbesondere China als größte Gläubigernation hat ja bereits sein Missfallen gegenüber dem Tohuwabohu der amerikanischen Haushaltspolitik signalisiert.
Die permanente Haushaltskrise der USA
Der Machtkampf zwischen Demokraten und Republikanern, die unter dem Einfluss der Tea Party stehen, ist ja längst nicht beendet. Im kommenden Jahr sind zudem mid-term Elections, d.h. durch die Wahl der Hälfte der Vertreter im US-Kongress könnte sich der Konflikt sogar in den kommenden Monaten noch verschärfen. Diese Aussichten könnten es Anlegern attraktiver erscheinen lassen nun doch wieder stärker auf den Euro zu setzen. Gemäß der langjährigen Devise: „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem“, die auf John Connally, den Finanzminister Richard Nixons, zurückgeht, zeigen die USA wenig Neigung auf die Befindlichkeiten ihrer Gläubiger im Ausland größere Rücksicht zu nehmen.
Schwindendes Anlegervertrauen
Die chinesische Rating-Agentur Dagong hat die USA jetzt auf A- mit einem negativen Ausblick herabgestuft. Auch Fitch droht den USA die Top-Bonität von Triple-AAA zu entziehen nachdem dies bereits Standard & Poor’s im Jahr 2011 bei der vorangegangenen Haushaltskrise getan hatte. Zuletzt waren ja auch bereits die Zinsen in den USA deutlich angestiegen, obwohl die Fed mit ihrem Ankaufprogramm QE3 seit Herbst letzten Jahres sich intensiv darum bemüht diese weiterhin niedrig zu halten. Verlieren große Investoren immer mehr das Vertrauen in die amerikanische Währung, dann könnte sich der US-Dollar weiterhin nach unten bewegen. Die Hoffnung einiger Kommentatoren, dass der US-Dollar als klassische Fluchtwährung von weltweiten Turbulenzen bisher immer profitiert habe, könnte sich als Illusion erweisen. Paul Krugman hat diesen Vorgang mit dem Wile E. Coyote Moment bezeichnet. In der Zeichentrickserie rennt der Wolf, der Roadrunner verfolgt, über einen Abgrund ohne es zunächst zu merken bis dann der abrupte Absturz einsetzt. Sicherlich ist der derzeitige Kursanstieg des Euro gegenüber dem US-Dollar noch kein hinreichendes Signal, um so etwas vorherzusagen, aber es könnte eben doch mehr als nur eine kurzfristige Überreaktion der globalen Finanzmärkte sein.
Verliert China die Geduld?
Nicht zuletzt China ist intensiv darum bemüht den chinesischen Renminbi als weltweit akzeptable Währung in den Geschäftsbeziehungen mit seinen Handelspartnern zu etablieren. Man möchte auch gerne aus der Umklammerung der USA heraus, die aufgrund der Exportabhängigkeit Chinas in die USA quasi im Gegenzug verpflichtet ist das Leistungsbilanzdefizit der US-Wirtschaft zu finanzieren. Nicht zuletzt ist ja auch der Versuch der chinesischen Führung den Strukturwandel der chinesischen Wirtschaft hin zu einem stärker binnenwirtschaftlichen Wachstumsmodell voranzutreiben, das erklärte Ziel der neuen Führung Chinas.
All das verheißt nichts Gutes für die USA, wenn es ihnen nicht gelingt sowohl ihr hohes Staatsdefizit sowie ihre Leistungsbilanzdefizit nachhaltig unter Kontrolle zu bringen. Bisher deutet nur die sinkende Abhängigkeit der USA von Öl- und Gasimporten daraufhin, dass es zu einer Wende der USA hinsichtlich des Leistungsbilanzdefizits kommen könnte. Allerdings sind die Methoden des Fracking, wie sie derzeit in den USA angewandt werden, alles andere als umweltverträglich. Mithin können die jetzt zu verzeichnenden kurzfristigen Erfolge durchaus mit einem desaströsen Reboundeffekt verbunden sein, wenn durch Fracking die Wasserversorgung der USA in Gefahr gerät. Es ist mithin ein gefährliches Spiel mit dem Feuer und verzögert den langfristig unerlässlichen Wandel hin zu erneuerbaren Energien.
Wandel zu erneuerbaren Energien oder Fracking?
Während Deutschland versucht den steinigeren Weg hin zu den erneuerbaren Energien zu beschreiten, verharren die USA auf einer Lösung, die genau in die entgegengesetzte Richtung zielt. Hauptsache billig, lautet die Devise, wobei man eben die langfristigen ökologischen Folgekosten einfach ignoriert. Das passt zu der gleichen Mentalität an den US-Finanzmärkten. Auch dort feiert der Raubtierkapitalismus immer wieder neue Höchststände an den Börsen, aber das ganze Finanzgebäude steht auf brüchigem Fundament, da es im Wesentlichen durch die Notenpresse der US-Notenbank angetrieben wird. Ob der neuen Präsidentin der Fed, Janet Yellen , gelingen wird einen saften Abgang aus dieser ultra-leichten Geldpolitik hinzubekommen ohne größere weltwirtschaftliche Verwerfungen auf den Finanzmärkten auszulösen, bleibt abzuwarten.
Preisliche Wettbewerbsfähigkeit kann Eurozone gefährden
Wechselkurse spiegeln ja nur die relativen Stärke und Schwäche einer Währung gegenüber anderen wieder. Wenn daher der US-Dollar derzeit gegenüber dem Euro schwächelt, dann ist dies kein gutes Zeichen für die USA. Es bedeutet keineswegs, dass Europa insbesondere die Eurozone bereits auf dem Weg zur Besserung ist. Es könnte jedoch insbesondere für die Länder der Eurozone sich als Bremse für den wirtschaftlichen Aufschwung erweisen, sollte der US-Dollar weiter an Wert gegenüber dem Euro verlieren. Schließlich ist der Wechselkurs ein konstitutiver Faktor für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit im Außenhandel. Sinkt diese aufgrund eines steigenden Euros, so könnte sich das am Ende als Exportbremse erweisen. Connally hätte mal wieder Recht gehabt. Der US-Dollar ist unser Problem.

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2 Gedanken zu „Der Euro vor neuem Höhenflug?

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