Angela und Tina: Die Apocolocyntosis von Merkel

Es ist jetzt nur noch fünf Wochen bis zur Bundestagswahl am 22. September und der Bundestagswahlkampf zeichnet sich durch einen Nicht-Wahlkampf der verschiedenen Parteien um die Gunst der Wähler aus. Offenbar greift die Strategie der asymmetrischen Demobilisierung der Wähler. Nicht der freie Bürger wird nach seiner Meinung zu politischen Programmen gefragt, sondern bestenfalls die Stimme für die eigene Partei. Wer nicht die eigene Partei wählt soll gefälligst der Wahl fern bleiben, der stört ja nur die gewünschten Mehrheitsverhältnisse, wie sie durch die Medien mittels Sonntagsfragen regelmäßig den desinteressierten Zuschauern und Lesern präsentiert werden. Das Mantra lautet penetrant, die Wahl ist gelaufen und Merkel bleibt Kanzlerin. Was wollt ihr eigentlich noch wählen, wir wissen doch jetzt schon was dabei herauskommt. Mithin kapiert doch endlich – there is no alternative (Tina) to Merkel.
Der wehleidige Loser: Peer Steinbrück
Der einzige mögliche Herausforderer Peer Steinbrück hat sich unentwirrbar in seinen eigenen Wiedersprüchen verheddert. Er kämpft mehr mit der eignen Parteibasis, die – wie er meint – ihn schnöde im Stich lasse. Sein ehemaliger Parteivorsitzende Müntefering, der sich jetzt durch seine Frau im Bundestag vertreten lassen möchte, hat die Kampagne jetzt wieder losgetreten. Offenbar geht es bereits jetzt um Schuldzuweisungen für den verpatzten Wahlkampf der SPD. Da half auch kein tränenreicher Auftritt von Steinbrück auf dem letzten Partei-Konvent. Steinbrück räumt selbst bei der Talkhow von Maibrit Illner ein , dass er eigentlich als Kanzlerkandidat chancenlos ist. Das liegt natürlich nicht an seinen persönlichen Fehltritten und politischen Statur beim Bürger, sondern an der mangelnden Unterstützung durch die eigene Partei.
Die strahlende Siegerin: Angela Merkel?
Nichts könnte absurder sein. Nach vier Jahren schwarz-gelbem Regierungschaos geht sie offenbar davon aus, dass sie eine gute Regierungsarbeit mit ihrer Koalition geleistet habe. Das grenzt doch an die Apocolocyntosis des Claudius.
Seneca , der römische Stoiker, hat sich in einem Beitrag, Über die Verkürbissung (lat. Apocolocyntosis) des Kaisers Claudius, sich über diesen lustig gemacht. Helmut Kohl hatte ja auch schnell einen Spitznamen, Birne , bei den Komikern und Satirikern in Deutschland weg. Jetzt könnte die Kanzlerin ihm als Kürbis via Apocolocyntosis folgen.
Sieht man ihr immer wieder mittels Photoshop plus Botox aufgepepptes teigiges Gesicht, dann hat es durchaus Chancen sich immer mehr in einen Kürbis zu morphen. Man kann ihr nur wünschen, dass sie uns weiterregieren darf.
Die Suppe, die sie uns mit ihrer Regierung eingebrockt hat, soll sie bis zur Neige mit ihren Ministern auch auslöffeln dürfen. Wir werden es genussvoll als Zuschauer miterleben dürfen, denn die politische Kultur in Deutschland hat nun einen Tiefpunkt erreicht. Schlimmer geht’s nimmer.
Diese Inspiration zur Apocolocyntosis verdanke ich Erasmus von Rotterdam in seinem kleinen Büchlein, Das Lob der Torheit. Offenbar hat man schon damals die Kunst der Satire als Teil des politischen Diskurses erkannt. Leider ist diese Kunst in Deutschland uns inzwischen abhandengekommen. In einer närrischen Welt hilft eben nur noch die Ironie und Satire über die schlimmen Zeiten hinweg. Sebastian Brant hatte eben auch die Zeichen seiner Zeit erkannt. Er schrieb das Narrenschiff und hatte Erfolg damit.

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8 Gedanken zu „Angela und Tina: Die Apocolocyntosis von Merkel

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