Bankenkrise in der EU

Als Patentrezept für die Lösung der Bankenkrise wird derzeit immer wieder die Einführung einer Bankenunion propagiert. Damit wird aber tunlichst vermieden zu klären, was denn bis zu einer möglichen Einführung einer Bankenunion die einzelnen Länder im Vorfeld hätte tun können oder noch tun sollten. Schließlich ist die Bankenunion kein deux ex machina, der auf einen Schlag die Probleme der Beseitigung von Zombiebanken lösen wird. Es wäre stattdessen angesagt, dass bevor es zu dieser Bankenunion kommt die einzelnen Mitgliedsstaaten bereits jetzt ihre Hausaufgaben machen sollten. Dies hieße aber nicht zuletzt mit Hilfe der nationalen Bankenaufsicht marode Institute bereits vor Einführung der Bankenunion zu schließen bzw. abzuwickeln. Deutschland hat dies mit der HRE und aufgrund von Druck seitens der EU-Kommission mit der WestLB gemacht. Man darüber hinaus marode Landesbanken zusammengelegt und rekapitalisiert. Man zwingt auch deutsche Großbanken wie die Commerzbank und die Deutsche Bank ihre Bilanz zu bereinigen und das leverage ratio zu reduzieren.
Bankensanierung jetzt
Von derartigen Aktivitäten hört man insbesondere aus den Krisenländern sehr wenig. Die Länder, die unter der Aufsicht der Troika stehen, haben hier durch deren Druck insbesondere in den Fällen Griechenland und Zypern handeln müssen. Spanien hat nach langem zögern ein Äquivalent zum deutschen Soffin, Sareb , eingerichtet. Allerdings ist das alles nur sehr zögerlich. In Italien wären ebenfalls marode Banken wie die Monte de Pasci ein Fall für die Abwicklung. Ein weiterer Kandidat ist die dubiose Vatikanbank. Auch Frankreich ist overbanked. Es ist kaum einzusehen warum eine deutlich kleine Volkswirtschaft wie Frankreich im Vergleich zu Deutschland vier SiFi-Banken(BNP Paribas, Crédit Agricole, Banque Populaire CE, Société Générale) unterhalten sollte. Großbritannien ist ein Kapitel für sich. Hier sind es sogar fünf SiFi-Banken (Royal Bank of Scotland, Barclays, HSBC, Lloyds Banking Group, Standard Chartered). Die viel gepriesene Bankenunion macht doch nur Sinn, wenn es halbwegs der Größe der jeweiligen Volkswirtschaften entsprechende Finanzsektoren geben würde. Ansonsten drohen doch gewaltige Quersubventionen seitens der Länder mit kleinem Finanzsektor zugunsten der Länder mit einem großen Finanzsektor. Es ist ein winner/loser System. Wegen der geplanten Bankenunion ist derzeit wenig Ehrgeiz erkennbar, den eigenen nationalen Bankensektor vor Einführung der Bankenunion gründlich zu sanieren. Genau wegen des moralischen Risikos werden Strukturanpassungen verzögert, weil man die Lasten an die Bankenunion hofft auf andere Länder überwälzen können. Das fatale ist, dass wertvolle Zeit zur Konsolidierung vertan wird. Hinzu kommt, dass die Verhandlungen genau aus diesem Grund stocken, da die potentiellen Geberländer wie insbesondere Deutschland nicht die Zeche der anderen begleichen wollen. Am Ende könnte so die Bankenunion gar nicht wie derzeit noch geplant Anfang 2015 aktiv werden können.
AQR droht zu scheitern
Was nutzen ein halbherziges AQR (Asset Quality Review) Program, das von der EZB orchestriert werden soll, wenn dieses dann durch die nationalen Aufsichtsbehörden exekutiert wird. Was nutzen Stresstests der Banken , die wie die Vorgänger der EBA auf unrealistischen Daten und Annahmen über mögliche Krisenszenarien aufsetzen müssen. Garbade in, garbage out wäre die Folge. Von daher wäre es derzeit viel wichtiger, wenn die nationalen Bankenaufsichtsbehören sofort jetzt und in eigener Regie ihre Hausaufgaben erledigten. Die Hoffnung auf eine zukünftige Bankenunion und damit einhergehende Transferzahlungen ist die größte Reformbremse des Finanzsektors. Da international die Fragilität des Weltfinanzsystems wieder zu nimmt. Time is money.
Zombiebanken jetzt schließen
Je länger die Regierungen in Europa ihre Zombiebanken nicht in den wohlverdienten Tod schicken und ihnen einen Holzpflock ins Herz rammen, desto eher werden sie bei neuen Finanzschocks völlig zusammenbrechen. Letztendlich droht ja auch zu Beginn des Jahres 2015 der monetary sequester. Ein gemeinsamer Abwicklungsfonds der EU könnte wegen der verständlicherweise großen Widerstände der potentiellen Geberländer kaum rechtzeitig zustande kommen. Dann gilt aber wieder die alte Gorbatschow-Weisheit: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Nationaler Egoismus kombiniert mit der unrealistischen Hoffnung eines Bail-outs durch die anderen Mitgliedsländer ist die schlechteste denkbare Lösung. Drum packt es jetzt an.

Advertisements

2 Gedanken zu „Bankenkrise in der EU

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s