Südafrika, Mandela und das Ende der Goldblase

Nelson Mandela[1] liegt im Sterben. Bei einem biblischen Alter von 94 Jahren ist das keine unerwartete Entwicklung. Alle Menschen müssen sterben. Nur verdrängt man das gerne. Nach einem solchen langen erfüllten Leben mit all seinen Höhen und Tiefen, kann er eigentlich zufrieden auf seine Lebensleistung zurückblicken. Der jetzt um sein Sterben von den Medien, der Politik und Menschen in Südafrika veranstaltete Trubel empfinde ich insgesamt als entwürdigend.

In Deutschland haben wir eine lange Debatte um Sterbehilfe[2] und die Möglichkeit einer Patientenverfügung[3] für einen natürlichen Tod geführt. Offenbar folgt man den Berichten wird er nur noch mit den Mitteln der Intensivmedizin am Leben erhalten und die ihn behandelnden Ärzte haben es seinen Angehörigen freigestellt die Geräte abstellen zulassen. Mithin ist der Zeitpunkt längst überschritten, um ihn die weiteren Todesqualen zu ersparen. Offenbar ist man dazu jedoch nicht bereit. Es geht um Prestige und Eitelkeiten. Jacob Zuma, der südafrikanische Präsident,  möchte sein angeschlagenes Image aufpolieren in dem sich an der Seite von Nelson Mandela zeigt.[4] Vielleicht demnächst schaut auch noch Barack Obama auf seiner Afrika-Reise vorbei.[5] Was soll das?

Folgt man den Weisheiten des tibetischen Totenbuchs[6] dann ist es die größte Geste des Respekts allein in Ruhe im Beisein eines geistigen Beistands zu lassen. Er soll sich von den Bindungen der Welt lösen können und nicht von Angehörigen und anderen daran gehindert werden. Es macht ihm das Hinübergehen nur schwerer und nimmt ihm die Aufmerksamkeit und Konzentration für seinen letzten Augenblick. Offenbar begreift das aber keiner um ihn herum. Es geht um die eigenen Eitelkeiten. Folgt man Sumas Logik soll Mandela wenigstens noch bis seinem 95. Geburtstag am 18. Juli durchhalten. Ein Mensch mit Nierenversagen und immer mehr Wasser in der Lunge, der langsam an innerer Vergiftung und Erstickung leidet so etwas zumuten zu wollen, ist inhuman. Lasst Mandela in Würde und in Ruhe sterben. Es ist Zeit für ihn.

Südafrika hat andere Probleme denen es sich stellen muss

Südafrika droht nach einer Phase kräftigen wirtschaftlichen Wachstums[7], das sich bereits deutlich abgeschwächt hat, in eine Wirtschaftskrise abzugleiten. Die sozialen Spannungen nehmen bereits gefährlich zu.[8] Vom Wohlstand haben nur wenige profitiert. Die Korruption zerfrisst den ANC und untergräbt den Mythos des friedlichen Übergang vom Apartheidregime[9] zur multiethnischen Gesellschaft ohne Rassentrennung und –konflikte, den Nelson Mandela begründete. Diese Hoffnung droht jetzt mit Mandela zu Grabe getragen zu werden. Die sich abzeichnende Weltwirtschaftskrise wird auch Südafrika treffen. Der rasante Absturz des Goldpreises unter 1.200,- US-Dollar pro Unze trifft die südafrikanischen Goldminen hart.[10] Sie können unterhalb dieser Schwelle nicht mehr rentabel produzieren. Damit brechen jedoch wichtige Einnahmen aus dem Exportgeschäft für Südafrika weg. Die Arbeitslosigkeit, die bereits jetzt bei 25%[11] liegt, wird weiter steigen.[12] Südafrika hat wie viele andere Emerging Market Economies vom Zufluss billigen Geldes aus den USA und anderen Länder der Weltwirtschaft profitiert. Jetzt droht sich dieser Kapitalzustrom aufgrund einer globalen Zinswende umzukehren.  Seit 2009 sind etwa 4 Billionen US-Dollar in die Emerging Market Economies geflossen. Davon droht jetzt nach der Phase des billigen Geldes ein immer größerer Teil wieder zurück in die USA zu fließen. Die Leistungsbilanz ist schon seit langem negativ, d.h. der Rahmen für eine Leistungsbilanzkrise ist gesetzt. [13] Der südafrikanische Rand steht schon seit einiger Zeit unter Abwertungsdruck.[14]

Was in Brasilien bereits zu einer sozialen Krise sich ausgeweitet hat, kann auch Südafrika mit in den Strudel einer globalen Krise hineinreißen.[15] Mithin muss sich die politische Führung des Landes diesen Herausforderungen rasch stellen. Die viel zu teure Fußballweltmeisterschaft, die in einer großen Enttäuschung für hochgesteckte Erwartungen endete, gleicht fast einer Parallelaktion zu den jetzt in Brasilien aufgebrochenen sozialen Konflikten.[16]


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3 Gedanken zu „Südafrika, Mandela und das Ende der Goldblase

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