Bankenabwicklung und Haftungsregelungen in der EU

Nachdem die Finanzminister sich auf eine Regelung zur Haftung bei Bankenpleiten innerhalb der EU verständigt haben[1], kommt es im Bankensektor zu Turbulenzen. Das ist sicherlich keine Überraschung, da ja nun Investoren in Banken damit rechnen müssen, dass sie für Verluste der Banken als erste in Haftung genommen werden. Mithin werden als fragil angesehene Finanzinstitute es deutlich schwerer haben noch Anleger anzuziehen. Bisher vertrauten ja viele Investoren auf den Bailout durch den Steuerzahler. So musste die Commerzbank in Deutschland nach bereits gestrigen Kursrutsch unter 7 Euro erneut einen Tagesverlust von über 4% hinnehmen.[2] Auch spanische Banken wie die Banco Bilbao[3] und die Banco Santander[4] gerieten in einen Kursrutsch. Im Unterschied dazu konnten solche Banken, die den Sifi-Status[5] genießen wie in Deutschland allein die Deutsche Bank[6], die Entscheidung der Finanzminister weitgehend ohne Kursverluste überstehen. Allerdings gilt dies nicht für die beiden spanischen Banken. Offenbar reicht der SiFi-Status trotzdem nicht aus, um sie vor einen Ausverkauf ihrer Aktien vollständig zu schützen. Wegen der Fragilität des spanischen Bankensektors misstrauen insbesondere ausländische Anleger den Garantien, da bisher ja keine gemeinsame Haftung der gesamten Mitgliedsländer vereinbart worden ist.

Da auch Anleger mit Einlagen von mehr als 100.000,- Euro als zweitrangig in der vereinbarten Haftungskette stehen, fürchten insbesondere Banken, die nicht den SiFi-Status besitzen, um ihre Anleger, die tendenziell zu den größeren Banken mit SiFi-Status abwandern könnten. Das würde natürlich diese Banken weiter schwächen und ihre Eigenkapitalbasis zusätzlich erodieren lassen. Mithin hat diese Entscheidung der EU-Finanzminister einen erheblichen Einfluss auf die Bankenkonzentration. Aus wettbewerbspolitischer Sicht ein nicht wünschenswerter Effekt. Es bleibt ja das Prinzip unangetastet, dass je größer eine Bank desto systemrelevanter wird sie, desto mehr kann man aber auch auf Staatshilfen im Falle eine Schieflage rechnen. Too-big-to-fail bleibt ein Wettbewerbsvorteil gegenüber kleineren Banken. Ob diese Wirkungen die EU-Finanzminister mitgedacht haben?

Letztendlich wird es über kurz oder lang zu einem Bankensterben wie in den USA führen. Kleine Institute können sich gegenüber den Großbanken nicht länger behaupten. Es mögen ja Zombiebanken sein, dann ist das genau die richtige Entscheidung, aber es können eben Kollateralschäden sein, wenn es ihnen einfach nicht gelingt das Vertrauen der Anleger und Investoren zu gewinnen. Schließlich gilt das Prinzip der Risikoaversion.[7]

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3 Gedanken zu „Bankenabwicklung und Haftungsregelungen in der EU

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