Goldpreis ist in freiem Fall

Es ist noch nicht allzu lange her, da galt Gold als sicherer Hafen für Anleger sich gegen die Gefahren der Krise zu schützen. Das eigentlich in der Wirtschaft weitgehend nutzlose Metall – sieht man von der Schmuckindustrie oder bei Zahnersatz  und einigen Spezialanwendungen ab –gilt ja schon seit alters her als Symbol für Reichtum und Beständigkeit. Bis zum Ende der Golddeckung des Weltwährungssystems von Bretton Woods im Jahr1973 als die USA die Golddeckung des US-Dollars aufkündigten, ist der Goldpreis von ursprünglich 35 US-Dollar im Jahr 1973 auf zuletzt 1.792,36 US-Dollar im August 2011 gestiegen. Die globale Finanzkrise, der drohende Kollaps der Eurozone lockte viele Anleger in den scheinbar sicheren Hafen. Zugleich nutzten skrupellose Goldspekulanten die Gunst der Stunde den Goldpreis eben auf solch astronomische Höhen zu treiben. Nimmt man die Basis von 35 US-Dollar als Maßstab hat der Goldpreis seitdem einen Anstieg von 5.121% hingelegt. Wahrlich ein scheinbar sicheres Geschäft. Leider hat die Geschichte einen Haken. Es gilt eben die alte Börsenregel: „What goes up, must come down.“ Seit dem Höchststand vom August 2011 hat nun der Goldpreis eine Talfahrt angetreten, die den Goldpreis pro Unze auf 1.297,90 US-Dollar stürzen ließ.[1] Wer also Gold im Zuge der Finanzkrise nach 2008 gekauft hat, wird bereits seit September 2009 keinen Gewinn, sondern je nach Kaufdatum Verluste je nach Zeitpunkt des Goldkaufs gemacht haben. Es gilt hier die alte Gorbatschow Weisheit: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“

Zu den Verlierern in dem Goldkasinospiel zählen insbesondere Kleinanleger nicht nur in den entwickelten Ländern, sondern insbesondere auch in Entwicklungsländern sowie Zentralbanken wie die von China, die ihre Goldbestände in dieser Zeit deutlich aufgestockt haben.[2] In einer Phase der ultra leichten Geldpolitik der Zentralbanken in den USA, Europas und Japans wollte man in den sicheren Anlagewert Gold flüchten. Leider liegt jetzt der Goldpreis eben inzwischen 27,6% unter dem Höchststand von August 2011. Würde man also die Bestände zu Marktpreise bewerten, hätte man satte Verluste gemacht. Im Gegensatz dazu können Länder wie die USA und Deutschland diese Entwicklung gelassen sehen.[3] Sie haben den größten Teil ihres Goldschatzes vor dem Zusammenbruch des Bretton Woods System erworben. Mithin bilanziert man diese nach dem Niedrigstwertprinzip steht man noch immer mit gewaltigen Bilanzgewinnen da.[4]

Für Länder wie China und Indien insbesondere sieht die Situation sehr viel schlechter aus. Man hat zur falschen Zeit zu teuer gekauft. Ein Ende des Preisverfalls ist derzeit nicht absehbar. Glaubt man dem Orakel Nouriel Roubini, alias Dr. Doom, dann ist ein Fall unter 1.000,- Dollar durchaus ein realistisches Ziel  innerhalb der kommenden 24 bis 36 Monate.[5] Wo der Boden am Ende liegen könnte bleibt pure Spekulation.[6]

Großspekulanten wie John Paulson, der mit Wetten gegen Verbriefungen von Subprime MBOs (Mortgage Backes Securities) einen Milliarden Gewinn durch Insiderwissen ungestraft erzielen konnte, hat bereits jetzt über 600 Millionen US-Dollar durch seine Wetten am Goldmarkt eingebüßt.[7] Da Großspekulanten wie Hedgefonds nicht einfach nur Gold kaufen oder verkaufen, sondern mittels Finanzderivate nur auf die Preisänderungen wetten, geraten sie besonders heftig unter die Räder, wenn sie sich bei der Markteinschätzung völlig vertan haben. Er ist nicht der einzige, der da völlig falsch gelegen hat.

Welche Sekundäreffekte davon ausgehen werden, bleibt abzuwarten, denn viel e ahnungslose Anleger in solche Goldzertifikate[8] wissen noch nicht, was ihnen blüht. Ähnlich wie im Falle der Lehmann Zertifikate ahnten ja auch viele Kleinanleger nicht, was passieren könnte und wurden dann von der Lehmann Pleite völlig überrascht. Für sie war der Begriff Emittentenrisiko[9] ein Fremdwort mit sieben Siegeln. Als sie damit Bekanntschaft machten, war es bereits zu spät. Ihr Geld war futsch, Lehmann Brothers war pleite. Auch hier bewahrheitete sich erneute Gorbatschows Weisheit: „ Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Viele andere Akteure werden sich an eine andere Weisheit erinnern:  „Die Dummen sterben nicht aus.“ Sie haben prächtig an der Goldblase verdient.


10 Gedanken zu „Goldpreis ist in freiem Fall

  1. Das heutige Papiergeld ist deshalb Zinsgeld (fehlerhaftes Geld mit parasitärer – der wesentlichen Tauschfunktion widersprechenden – Wertaufbewahrungsfunktion), weil es gänzlich unreflektiert dem Goldgeld der Antike nachgeäfft wurde! Und noch heute gibt es Äffchen, die – wie die Vertreter der „Österreichischen Schule“ – den „Goldstandard“ anbeten und sich von diesem Unsinn die Lösung aller Menschheitsprobleme versprechen. Gold kann in der Natur gefunden oder durch Neutronenbeschuss von Quecksilber künstlich erzeugt werden. Und nur weil das zweite Verfahren noch viel zu teuer ist, stellt sich der im Altertum verhaftete, unbewusste Mensch das Gold als ein „natürliches Geld“ vor, dem er wegen seiner Seltenheit einen „besonderen Wert“ beimisst. Die Abstraktion vom Gold über das Goldgeld bis zum Papiergeld kann der noch unbewusste Mensch nicht nachvollziehen.

    Das bewusste Denken beginnt mit der Feststellung, dass in einer Volkswirtschaft die Waren das Angebot sind und das Geld die Nachfrage bildet. Der Gegenwert allen umlaufenden Geldes ist also immer der Wert aller gegenläufig umlaufenden Waren, die aktuell dagegen getauscht werden, und nicht „beliehene Sachwerte“, eingelagerte Goldklötzchen oder sonst irgendetwas. Damit das Geld seine Aufgabe als Tauschmittel erfüllen kann, muss lediglich sichergestellt sein, dass es als „gesetzliches Zahlungsmittel“ definiert, dass es fälschungssicher ist, und dass es umläuft. Allein die Art und Weise, wie die letzte Bedingung erfüllt werden kann, entscheidet über das Schicksal der ganzen Volkswirtschaft:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/10/geld.html

  2. Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Ich beschäftige mich gerade auch intensiv mit dem Thema Gold! Gold wurde in so kurzer Zeit vom „beliebtesten“ zum meist „gehassten“ Investment. Immer wenn ich so etwas lese, reizt es mich noch mehr in solch Asset Klassen zu investieren. Der aktuelle Goldpreisrückgang ist charttechnisch gesund … ich befürchte sogar, dass ein bewusster Kursrückgang erfolgen musste / sollte / soll … Gold wurde im letzten Jahrzehnt einfach zu stark, beinahe kann man es als Gegenpol zum herkömmlichen Papiergeldsystem verstehen. Zur aktuellen Goldpreisentwicklung kommt der prophezeite Fed-Gelddruck-Ausstieg auch gelegen … bevor ich diese Ansage jedoch glaube, will / muss ich es erst sehen. Schlussendlich finde ich selbst, dass ein bewusster „geringer“ Prozentsatz an Edelmetallen, hier vor allem Gold, in keinem Depot fehlen sollte … sei dies auch nur als Absicherung gegen das Schlimmste – Gold muss man wie eine Versicherung sehen – man hofft ganz einfach, dass der Extremfall nicht eintritt – und wenn doch, kann man auf Gold / die Versicherung zurück greifen.

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