Aufruhr in Brasilien: Brot oder Spiele?

Wegen der Milliarden, die für den Bau von Stadien für die Fußball WM 2014 und die Olympischen Spiele[1] 2016 sind Unruhen in Brasilien ausgebrochen. Das arme Volk in den Favelas protestiert.[2] Milliarden werden für diese Spektakel eines immer noch sehr armen Landes ausgegeben, Daran verdienen natürlich einige klotzig Geld. Die Baulöwen zum Beispiel. Die korrupten Beamten, die bei der Auftragsvergabe für große Bauprojekte typischerweise die Hand aufhalten. Die Organisatoren der Veranstaltungen, die Werbewirtschaft und die Souvenirindustrie. Die Sportfunktionäre  der FIFA und des IOC und alle beteiligten Sportler.

Im Gegenzug müssen die hohen Investitionskosten, die ja der Staat trägt, aufgebracht werden. In aller Regel geschieht dies entweder auf Pump oder es werden Steuern und Gebühren angehoben. So sind es auch diesmal die steigenden Lebenshaltungskosten und drastische Fahrpreiserhöhungen, die das einfache Volk zu hunderttausenden auf die Straße treibt. Sie sollen am Ende die Partys für die Jugend der Welt bezahlen. Auch in Südafrika bei der Fußball WM wurden zahlreiche Stadien gebaut, die jetzt zehn Jahre danach verrotten.[3] China mit seinen Olympischen Spielen in Peking im Jahr 2008 in Beijing steht vor ebensolchen Problemen.[4] Griechenland hat ebenfalls Milliarden für den Bau der Sportstätten in Athen Milliarden Steuergelder in den Sand gesetzt.[5] Man hat eine Sportinfrastruktur für Milliarden aufgebaut, die danach keine entsprechende Verwendung mehr hat.  Demnächst folgen bei der Fußball WM 2018 Russland und 2022 Katar die nächsten Kandidaten. All dies dient am Ende einem gewaltigen Vermögenstransfer. Private Grüppchen verdienen innerhalb kurzer Zeit massig viel Geld, die den Staat später als Schulden dauerhaft belasten. Am Ende werden die Lasten auf die kleinen Bürger abgewälzt. Einer muss die Zeche ja zahlen. Für eine letztendlich nationalistische Selbstdarstellung politischer Führer und Eliten werden systematisch Steuermittel verbrannt. Insbesondere in ärmeren Ländern und Ländern mit großer sozialer Ungleichheit ließen sich diese Mittel im Sinne des Gemeinwohls zweckdienlicher verwenden. Das haben die Massen in diesen Ländern auch begriffen. Spätestens wenn sie durch Kosten- und Gebührenerhöhungen zur Kasse gebeten werden, lässt die Sportbegeisterung und der Patriotismus Ausrichter solcher Großveranstaltungen zu sein, schlagartig nach. Es kommt zu den sozialen Unruhen.

Spiele dienen als Vorwand für Gentrifizierung[6] von ganzen Stadtteilen. So auch diesmal. Schließlich muss Platz für die Sportstätten geschaffen werden. Hinzu kommt, dass man die Favelas[7] sicherer gemacht hat, in dem man das dortige Bandenwesen bekämpft hat.  Eigentlich ein löbliches Unterfangen. Eine Folge davon ist jedoch, dass diese Stadtviertel plötzlich für wohlhabendere Bewohner von Rio an Attraktivität gewinnen. Man beginnt dort schrittweise teurere Wohnungen und Geschäftsgebäude zu errichten. Die Mieten steigen, die Flächen werden verkauft und umgewidmet. Die dort angestammte Bevölkerung kann die gestiegenen Mieten nicht mehr bezahlen und muss wegziehen. Dieser Prozess, der in der Regel wenige reich und viele Arme noch ärmer macht, ein Nährboden für ausufernde Korruption ist, trägt ebenfalls maßgeblich zu den sozialen Unruhen bei. Er wirkt sogar nachhaltiger. Denn nach dem Ende der Spiele und die Karawane der Sportler und Funktionäre weitergezogen ist, bleiben diese Strukturveränderungen in Kraft. Man mag das ja als Redevelopment solcher Stadtteile begrüßen, aber es gibt eben Gewinner und Verlierer in diesem Prozess. Die Verlierer sind eben die Indignados[8], ob in Madrid oder jetzt in Rio. Die gehen jetzt in ihrer Hilflosigkeit auf die Straße, um zu protestieren, und werden dann von der Polizei zusammengeknüppelt.  Die Gesellschaft hat sich eben für Spiele für die Reichen und kein Brot für die Armen entschieden.

Brasilien steht bereits jetzt am Rande einer Wirtschaftskrise, da nach der Zinswende in den USA weltweit die Zinsen und damit auch die Kreditausfallrisiken anziehen. Braislien steht nach Argentinien in Lateinamerikan hier bereits an der Spitze.

Lateinamerika CDS

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17 Gedanken zu „Aufruhr in Brasilien: Brot oder Spiele?

  1. Zu den Demonstrationen

    http://www.faz.net/aktuell/sport/brasilien-aufmarsch-gegen-einen-einmarsch-12235700.html

    Eigentlich sind diese Probleme ja bestens bekannt. Jedoch werden daraus keine Konsequenzen gezogen. Als einzige kreative Antwort ist bisher der Vorschlag anzusehen, die Fußball EM zukünftig in mehreren Ländern stattfinden zu lassen. Damit werden die Kosten solcher Veranstaltungen tragfähiger auf breitere Schultern verteilt.

    http://www.sport1.de/de/fussball/fussball_em/artikel_648619.html

  2. Brasilien hat sich unter Lula verzockt. Das Offshore-Öl hat die Phantasien über hohe Öleinnahmen in den Himmelschießne lassen. Jetzt verderben die USA mit billigem Frackingöl den Brasilianern das Geschäft. Dumm gelaufen.

    Irgendwann wird eben massive Korruption für die Bürger auch unbezahlbar.

    http://www.spiegel.de/kultur/musik/brasiliens-rapper-emicida-setzt-sich-gegen-ungerechtigkeit-ein-a-906589.html

    http://www.bloomberg.com/news/2013-06-26/brazil-burns-with-bus-fares-double-nyc-chart-of-the-day.html

  3. Pingback: Südafrika, Mandela und das Ende der Goldblase | My Blog

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