Rasante Yen-Abwertung vorerst gestoppt

Nachdem der Yen in den zurückliegenden Monaten eine rasante Talfahrt gegenüber anderen Währungen vollzogen hat[1], ist dieser Prozess seit etwa Mitte Mai 2013 zum Stillstand gekommen. Derzeit liegt er bei rund 127 Yen zum Euro.[2] Diese Steigerung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit hat ei8ne Kursralley an der japanischen Börse ausgelöst, die jedoch parallel zum Ende der Yen-Abwertung zusammengebrochen ist.[3] Von einem Höchststand des Nikkei-Index von 15.067Mitte Mai 2013 liegt er jetzt bereits wieder bei 12.630 Indexpunkten. Das zunächst angefachte Strohfeuer der Abenomics ist bereits jetzt absehbar verpufft.[4]

Ursache kann einerseits die Reaktion der anderen Länder angeführt von den USA und der EU gegen die Politik der japanischen Regierung sein[5], andererseits ist es aber auch der rasante Verfall der Bondpreise für japanische Staatsanleihen, der die Zinsen zur Refinanzierung des japanischen Staatsdefizits in die Höhe treibt. Der japanische Staat in eine Schuldenfalle zu geraten, wenn die Refinanzierungskosten schneller steigen als die Wirtschaftsleistung des Landes und damit verbunden die Staatseinnahmen.

Die japanische Zentralbank (BoJ[6]) hat jedenfalls ihre monetäre Staatsfinanzierung nicht mehr so fortgesetzt, wie es sich die Anleger an den Finanzmärkten vorgestellt haben.[7] Kuroda, der von dem japanischen Ministerpräsidenten frischgekürte Zentralbankchef der BoJ, konnte sich offenbar nicht mehr gegen die anderen Vertreter der japanischen Notenbank durchsetzen, die eine Geldpolitik der Notenpresse bereits vor dem Führungswechsel vehement abgelehnt hatten. Ohne Moos nix los, könnte man salopp sagen. Abenomics bestand bisher auf einer Finanzblasenpolitik durch Staatsschuldenfinanzierung mittels der Notenpresse der japanischen Zentralbank. Dies ist aktuell in eine Sackgasse geraten.

Was nun?

Jetzt ist guter Rat teuer. Die japanische Regierung hat jetzt deutliche Unternehmenssteuersenkungen[8] ins Gespräch gebracht.  Darüber soll erst im Herbst entschieden werden. Hinzu kommt ein wachsender politischer Widerstand innerhalb der LDP[9], der Partei von Abe gegen den gegenwärtigen Kurs der japanischen Regierung.[10] Unternehmenssteuersenkungen[11] sind keine besonders originelle neue Idee der Abenomics. Bereits zuvor hatten diverse japanische Regierungen versucht damit die japanische Wirtschaft wieder auf einen Wachstumskurs zu bringen. Die Erfolge einer solchen Politik waren jedoch kaum messbar. Die Gleichung, niedrige Unternehmenssteuern = steigende Gewinne = steigende Investitionstätigkeit, geht in aller Regel nicht auf, wenn die Absatzperspektiven für die Unternehmen nicht parallel dazu steigen. Da ein exportorientiertes Wirtschaftswachstum jetzt nicht mehr durch die massive Abwertung des Yen gesichert werden kann, bleibt die Binnennachfrage. Hier üben aber die japanischen Konsumenten weiterhin eine deutliche Kaufzurückhaltung. Staatsausgaben bleiben ebenfalls gedämpft. Hier stellt sich die Frage wie der Staat noch positive Wachstumsimpulse setzen kann. Von der geplanten Innovationsoffensive[12] ist bisher wenig bekannt. Im Sommer sollten hier konkretere Pläne vorgestellt werden. Bevor diese nicht vorgelegt worden sind, werden sich die Marktteilnehmer wohl zurückhalten. Es sind in der Vergangenheit zu viele Hoffnungen geweckt worden, die sich im Nachhinein als Luftschlösser entpuppten. Man will daher erst konkrete Pläne sehen bevor man sich wieder in spekulative Abenteuer begibt. Billiges Geld und Inflationsziele von 2% sind nicht die Patentlösung für die japanische Wachstumskrise.

Monetäre Konjunkturtheorie steht vor dem Scheitern

Die rein monetäre Konjunkturtheorie[13], der auch die wichtigsten Zentralbanken in anderen Teilen der Welt angeführt von der Fed angeführt durch Alan Greenspan und Ben Bernanke anhängen, könnte bald auf dem Müllhaufen der Geschichte landen. Europa unter der Führung von Mario Draghi und der EZB könnte einer der letzten sein, die zu einem Kurswechsel gezwungen sein werden. Derzeit steht ja genau diese Politik der EZB mit ihrem OMT[14] vor dem Bundesverfassungsgericht unter einer äußerst kritischen Betrachtung.[15] Patentrezepte aus der Notenpresse gibt es auch für Japan nicht. Man wird sich auf den mühsamen Weg der Konsolidierung und realen Wachstumspolitik begeben müssen. Schuldenschnitte zur Anpassungen der realen nachhaltigen Tragfähigkeit der Wirtschaftssubjekte an deren Leistungsfähigkeit werden sich dann nicht vermeiden lassen. Wir  stehen vor einer erneuten Krise der Geldillusion.[16] Hyman Minsky[17] hatte völlig recht. Ohne strikte Regulierung der Finanzmärkte, die sich ja durch Deregulierung seit rund zwei Jahrzehnten weitgehend einreguliert globalisiert haben, werden wir die Boom- und Bust-Zyklen und damit die Instabilität der Weltwirtschaft nicht in den Griff bekommen können. Leider man aus der letzten Krise im Jahr 2008 Nichts gelernt. Der Preis wird jetzt umso höher sein. Die Allokationsverzerrungen  sind ja von Krise zu Krise immer größer geworden. Der Korrekturbedarf damit immer stärker. Die Politik, die sich immer wieder auf kurzfristige Patentrezepte verlassen hat, um das geduldige Bohren dicker Bretter im Sinne von Max Weber vermeiden zu können, wird auch jetzt scheitern. Das Waterloo der Abenomics ist absehbar.  Die globale Zinswende[18] am Horizont mit steigenden Zinsen ist bereits das Wetterleuchten am Horizont. Dabei könnte Japan[19] die nächste Asienkrise[20] nach 1998 auslösen.[21] Von dort aus können sich dann rasch schockartig weltweite  Ansteckungseffekte ausbreiten.[22] Es müssen eben nicht die USA oder Europa sein, die den Trigger für eine globale Rezession auslösen. Asien leidet jetzt unter einem Growth Overhang. Man hat ein exzessives kreditfinanziertes Wachstum in China, asiatischen Schwellenländern und auch in Japan betrieben. Jetzt ist eine Korrektur zwischen Wunsch und Wirklichkeit hinsichtlich der Finanzmärkte mit reichlich Bad Loans absehbar.


4 Gedanken zu „Rasante Yen-Abwertung vorerst gestoppt

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