China plant gewaltiges Auslandsinvestitionsprogramm

Bestätigt sich die aktuelle Meldung von Bloomberg plant die neue chinesische Führung unter Xi Jinping eine Offensive bei Auslandsinvestitionen. Die Rede ist von rund 500 Mrd. US-Dollar.[1] Bereits seit einiger Zeit steigen die chinesischen Auslandsinvestitionen rasant an.[2] Jüngst machte ein gigantisches Projekt einen neuen Kanal in Nicaragua zu bauen Schlagzeilen.[3] Chinesische Firmen sollen dort einen zweiten Panamakanal[4] bauen. Das Investitionsvolumen wird auf 40 Mrd. US-Dollar geschätzt. Solche Großprojekte haben natürlich auch eine globalstrategische Bedeutung. Wer kontrolliert eine solche Verbindung zwischen dem Pazifik und dem Atlantik? Würde man dem amerikanischen Vorbild folgen, dann würde sich China einen Zugriff auf diesen künstlichen Seeweg verschaffen.[5] Aber die Direktinvestitionen Chinas zielen auf zahlreiche andere Wirtschaftsbereiche in anderen Ländern. Damit würde die bisherige Vormachtstellung amerikanischer und europäischer Investoren untergraben. Derzeit sind weltweit die Direktinvestitionen laut jüngsten OECD-Zahlen rückläufig.[6] Mithin würde China mit seiner Politik gegen den derzeitigen Trend agieren. Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, dass China noch einen deutlichen Rückstand gegenüber denjenigen Ländern aufzuweisen hat, die bereits seit Jahrzehnten im Zuge der Globalisierung durch ihre multinationalen Unternehmen hier große Bestände an FDIs aufgebaut haben. Mithin ist diese Entwicklung nur Teil einer aufholenden Entwicklung Chinas auch in diesem Bereich?

Chinas Staatskapitalismus bereitet Sorgen

Im Unterschied zu den Direktinvestitionen der westlichen Länder, die ja weitgehend durch einzelne Privatunternehmen getätigt werden, wird China immer noch zu rund 50% von direkt oder indirekt staatlich kontrollierten Konzernen dominiert.[7] Mit der Rückendeckung der ebenfalls vom Staat kontrollierten Großbanken in China[8] können sie sich über diese Rückendeckung durch den Staat diese Risiken bei Auslandsinvestitionen absichern. Quasi besteht hier eine Art impliziter Staatshaftungsgarantie. Mithin müssen sich diese Unternehmen im Gegenzug auch den langfristigen Planungen der chinesischen Staatsführung unterwerfen. Diese ist insbesondere bestrebt eine langfristige Absicherung sowohl auf der Seite der Rohstoffmärkte[9] wie auch der Absatzmärkte sicherzustellen. Mit den zunehmenden Spannungen insbesondere mit den USA[10] und Europa – das letzte Beispiel hierfür sind die Strafzölle auf chinesische Photovoltaikprodukten[11] – versucht China noch stärker sich auch aus der Abhängigkeit von diesen beiden bisher dominierenden Absatzmärkten für chinesische Produkte zu lösen.

Zudem führt die dortige Wachstumsschwäche auch zu Absatzproblemen chinesischer Exporteure, die ja weiterhin rasant wachsen wollen. Die übrige Welt bietet daher auch chinesischer Sicht langfristig sowieso weitaus bessere Wachstumsperspektiven als der Westen.

Chinas gewaltige Währungsreserven können in diese Expansionsstrategien wesentlich profitabler eingesetzt werden als dies bisher durch den Ankauf von Staatsanleihen insbesondere in den USA – speziell seit Beginn der Niedrigzinspolitik – möglich ist. Derzeit liegen sie bei rund 2,5 Billionen Euro.[12] Mithin kann eine solche Politik Chinas locker aus den vorhandenen Währungsreserven finanziert werden.

Ein weiterer Vorteil für China ergibt sich auch daraus, dass man gegen handelspolitische Sanktionen gegen chinesische Exporte besser absichern kann. Verlagern chinesische Hersteller ihre Produktion in Drittländer im Zuge eines Global Sourcing[13] wird eben aus Made in China rasch ein Made in anderswo.  Chinas Modernisierungsstrategie, die nur durch einen Wechsel von Low- und Medium-Tech-Produkten fortgesetzt werden kann, um der Middle-Income-Trap[14] zu entgehen, will aber gleichzeitig nicht auf den Verzicht der Kontrolle über diese Wertschöpfungsstufen verzichten. Durch eine entsprechende Produktionsverlagerung im Zuge eines Offshorings[15] kann dies verwirklicht werden. China bemüht sich schon seit längerem darum Teile seiner Textilproduktion in Länder wie Pakistan, Bangladesch oder Indien auszulagern.[16] Chinas Staatskapitalismus ist eben ein Kapitalismus mit besonderen chinesischen Eigenschaften, die darin bestehen, dass Staat und Wirtschaft sehr viel enger miteinander verflochten sind als im klassischen Kapitalismus westlicher Prägung. Er ist der Versuch einer Synthese auf sozialistischer Planwirtschaft mit marktwirtschaftlichen Elementen. Dabei ist die Partei- und Staatsführung jedoch immer bestrebt, die Kontrolle über die chinesische Wirtschaft nicht aus der Hand zu geben. Insbesondere in den strategisch wichtigen Bereichen gibt der Staat die Rahmenbedingungen bis hin zur Investitionslenkung vor.

Winterkorn Berater von Xi Jinping?

Irritationen muss auch die Meldung auslösen, das der Vorstandschef von VW, Martin Winterkorn, zu einem Top-Berater der chinesischen Regierung ernannt worden ist.[17] Wird er dadurch nicht quasi automatisch zum Diener zweier Herrn? Bereits jetzt investiert VW gewaltige Summen in den Aufbau weiterer Automobilwerke in China.[18] Da ist sicherlich ein guter Kontakt zur chinesischen Führung hilfreich. Allerdings schafft dies auch langfristig Abhängigkeiten. Bereits heute produziert VW ja mehr Fahrzeuge mit mehr ausländischen Mitarbeitern als in Deutschland. [19] Die Kombination aus schwacher und sogar derzeit sinkender Nachfrage nach Autos innerhalb Europas mit der rasch expandierender Märkte wie insbesondere in China verstärkt diesen Trend zur Produktionsverlagerung noch. Man könnte also sich durchaus die Fragen stellen: „Wandeln sich die deutschen Hersteller zunehmend zu chinesischen? Was passiert dann mit den deutschen Arbeitsplätzen?“

Bisher konnte der Arbeitsplatzabbau in Deutschland in der Automobilindustrie dadurch verhindert werden, dass man durch die Spezialisierung auch hochwertigere Teile der Wertschöpfungskette den Verlust in anderen Bereichen kompensieren konnte. Aber wird dies im Zuge der chinesischen Strategie selbst in diesen Bereich vorzustoßen immer noch möglich sein?[20] Hinzu kommen die geostrategischen Rivalitäten zwischen den USA und China, die die Europäer insbesondere in eine Sandwichposition bringen können. Who’s side are you on?[21] Könnte sich als Schicksalsfrage der Deutschlands und Europas erweisen. Li Keqiang umwirbt ja bereits Deutschland als strategischen Partner Chinas.[22] Die USA reagieren bereits darauf.  Obama beschwört am 19. Juni vor dem Brandenburger Tor die deutsch-amerikanische Partnerschaft.[23] Egal wer nach der Bundestagswahl im Herbst die Regierung stellen wird, man wird sich zu entscheiden haben, wie man sich in dieser Lage positioniert. Es dürfte keine leichte Entscheidung werden.


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