Automobilität: Sag zum Abschied leise Servus

Lieb gewonnene Gewohnheiten aufzugeben fällt schwer. Dazu gehört auch der Besitz des eigenen Automobils. Eine riesige Industrie mit ihrer Beschäftigung hängt davon ab. Trotzdem zeichnen sich die Krise der Automobilindustrie und die damit verbundene Form der Mobilität zunehmend ab. Diese Form der Individualmobilität wird zunehmend unbezahlbar. Steigende Kraftstoffkosten, steigende Fahrzeugpreise und Wartungskosten, marode Infrastrukturen, die nicht mehr aus Steuermitteln finanzierbar sind, zahllose Umweltschäden, Staus in Innenstädten und auf Autobahnen und ein gewaltiger Ressourcenverbrauch sind langfristig nicht mehr finanzierbar. Der kalte Stern der Knappheit der Unfinanzierbarkeit dieses Verkehrsmittels sinkt nur allmählich in das breitere öffentliche Bewusstsein.

Der Automobilabsatz  bricht europaweit ein

Die Absatzzahlen der europäischen Automobilindustrie brechen derzeit dramatisch ein.[1]  Mit gravierenden Konsequenzen für die davon abhängigen Beschäftigten. Auch Deutschland kann sich diesem Trend nicht entziehen.[2] Bisher wird dies als nur konjunkturelle Krise gedeutet. Gerade durch die Verschrottungsprämie[3] im Jahr 2009 ist insbesondere in Deutschland die Illusion entstanden, man könne sich rasch wieder aus einem drastischen Einbruch erholen. Hinzu kommt, dass gerade die deutschen Premiumhersteller weltweit große Absatzerfolge in den letzten Jahren erzielen konnten. Auch VW gelang es weltweit Marktanteile hinzuzugewinnen.

Die Pleite von General Motors, die Krise der japanischen Automobilhersteller aufgrund der Katstrophe von Fukushima und der Flutkatastrophe in Thailand sowie hoher Wechselkurse des Yen schafften nahezu ideale Bedingungen weltweit Absatzerfolge für die deutschen Hersteller einzufahren. Es wird aber auch den deutschen Herstellern nicht gelingen[4], dauerhaft sich über die Eroberung von außereuropäischen Auslandsmärkten über die Runden zu retten.[5]

Bereits jetzt müssen deutsche Autohersteller erkennen, dass die Konkurrenz weltweit zugenommen hat. Japans Autobauer profitieren derzeit von der starken Abwertung des Yen des letzten Jahres.[6] US-Hersteller wie General Motors melden sich – nicht zuletzt aufgrund massiver Staatshilfen und Restrukturierungen einschließlich Streichung von Pensionslasten seiner Belegschaften – als Konkurrenten auf den Märkten zurück.

Es zeichnet sich jedoch ab, dass Europa mindestens vor einem verlorenen Jahrzehnt aufgrund der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise stehen wird. Große Teile der europäischen Wirtschaft – Ausnahmen wie derzeit noch Deutschland und einigen anderen Ländern[7] – haben ein Problem bei der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Dies betrifft nicht nur die preisliche Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch strukturelle Probleme einschließlich mangelhafter Innovationskraft. Das Schlagwort der Eurosklerose macht bereits wieder die Runde.

Kein Durchbruch bei Innovationen in Sicht

Die Hoffnung deutscher Hersteller auf einen sich rasant entwickelnden Markt für Elektromobilität erweist sich als trügerisch.[8] Die selbstgesteckten Ziele können aller Voraussicht nach nicht erreicht werden. Sorgen über die erhofften Einsparungen des Energieverbrauchs und Umweltschonung erweisen sich zunehmend als Illusion.[9] Billige Automobilität wird zunehmend aufgrund rasant steigender Kosten für viele Menschen unbezahlbar. Je mehr Hersteller und Politik die Autofahrer für alle möglichen Zwecke zur Kasse bittet, desto mehr senkt sie langfristig die Bereitschaft der Verbraucher für diese Form der Mobilität immer größere Teile ihres Einkommens aufzuwenden.

Hinzu kommen gewaltige Kosten für die Erneuerung der Infrastruktur im Straßenbau.[10] Die öffentlichen Haushalte haben jedoch nicht die Finanzmittel diese aus den laufenden Haushalten des Bundes, der Ländern und Kommunen noch aufzubringen. Es ist kein Zufall, dass hierfür bereits über eine City-Maut[11] und PKW-Maut [12]auf Autobahnen intensiv diskutiert wird. Die vielfach von der Industrie versprochene Senkung der Verbrauchswerte erweist sich als Mogelpackung.[13] Ebenso gilt dies für die CO2-Emissionswerte.[14] Mit den derzeit erkennbaren Technologien sind die Energie- und Klimaziele nicht erreichbar.

Allein die Entwicklung autonom fahrender Fahrzeuge wie beispielsweise Google driverless car[15] kombiniert mit modernen Navigationstechnologien sowie Geschäftsmodelle wie Car-Sharing[16] könnten nachhaltig Abhilfe schaffen, um die energieineffiziente und umweltschädliche Blechlawine zu stoppen. Anstelle des Eigentümermodells könnten Fahrzeuge mittels Carsharing bedarfsgerecht gemietet werden. Durch autonome Fahrzeuge können diese Mietwagen über eine entsprechende Netzinfrastruktur jederzeit termingerecht gebucht und an den jeweiligen Einsatzort geschickt werden. Der Kunde kann sich je nach Bedarf ein Fahrzeug buchen, es nutzen und verlässt es danach an seinem Ankunftsort.  Es gibt ja bereits zahlreiche Anbieter, die diese Form der neuen Individualmobilität in einigen Städten weltweit testen. Wie gesagt wäre das Fahrzeug fahrerlos würde es direkt nach Beendigung des jeweiligen Transportauftrags autonom zum nächsten Einsatzort fahren können. Parkplatzsuche entfällt.

Ein wichtiger Schritt zur Durchsetzung von autofreien Innenstädten wäre dann die Einführung von Verbotszonen in Innenstädten wo private PKWs nicht mehr genutzt werden dürfen.  Was mit der Fußgängerzone seinen Anfang nahm, würde durch ein solches öffentliches durchaus privatwirtschaftlich organisierbares Konzept fortentwickelt werden. Schließlich gilt ja bereits heute, dass Menschen auf eine multimodale Verkehrsnutzung immer wieder angewiesen sind.[17] Alle denkbaren Verkehrsträger wie Flugzeug, Bahn, Regionalverkehrssysteme aus Regionalzügen, Bussen bis hin zu Fahrädern oder auch Schiffen und Fähren lassen sich durch entsprechende logistische Planungssysteme so miteinander verknüpfen, dass der jeweilige Kunde auf dem schnellstmöglichen und/oder auch bequemsten Weg zwischen zwei Zielen hingelangen kann. Durch die Vermeidung überflüssiger Fahrzeuge wie Millionen sinnlos parkender Privatautos und ineffizient genutzter Autos kann der Verkehrsfluss gesteigert und die Gesamtwohlfahrt gesteigert werden. Eigentlich leuchtet es jedem rational denken Menschen sofort ein, dass ein solches Verkehrskonzept die Zukunft gehören wird. Aber es fehlt eben an tragfähigen Angeboten, die das Privatauto bisher überflüssig machen könnte. Jedenfalls entspricht dies noch der Wahrnehmung großer Teil der Bevölkerung.

Hinzu kommt, dass Autos immer noch als Statusgut angesehen werden. Man leistet sich teure Autos nicht nur aufgrund ihrer höheren Leistung und Bequemlichkeit, sondern versucht seine Mitbürger durch sein Auto zu beeindrucken.[18] Man nutzt eine verhaltensökonomische Anomalie des offenbar im menschlichen Wesen vorhandenen Strebens nach Hebung des sozialen Status mittels Statusgüter dazu aus, einen ansonsten überflüssigen Konsum anzuheizen. Allerdings ist die konkrete Ausprägung was denn den sozialen Status hebt oder senkt durchaus gesellschaftlich gestaltbar. Ob bei der jüngeren Generation das Auto noch als Statussymbol taugt wird zunehmend in Frage gestellt.[19] Vielleicht ist ja bereits die Weisheit der Massen[20] sehr viel weiter als die der noch führenden Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft. Vielen jungen Bürgern ist längst klar, dass sie im Statuswettbewerb um das teuerste Auto nicht mithalten können. Zudem weiß man nur zu genau wie stark der Privatwagen das eigene Budget belastet. Man hat längst begriffen, dass es einen sinnvolleren Konsum als den eines Privatwagens gibt. Das gibt Hoffnung, dass eine junge innovative neue Generation es in der Zukunft schaffen wird, sich aus dem Teufelskreis der derzeitigen Mobilitätssackgasse der Genration Privatauto zu befreien. Hoffen wir das Beste lieber Leser.


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24 Gedanken zu „Automobilität: Sag zum Abschied leise Servus

  1. Deutsche freuen sich auf selbstfahrende Autos

    Immer wieder wird die Angst der Verbraucher als Grund zitiert, warum selbstfahrende Autos noch nicht auf unseren Straßen unterwegs sind. Die Technik ist ja bereits da. Eine Umfrag der Unternehmensberatung BearingPoint zeigt nun: Die Deutschen freuen sich auf die Hightech-Fahrzeuge.

    So erhoffen sich 62 Prozent der Menschen in Deutschland eine Zeitersparnis bei Fahrten.
    Jeweils 60 Prozent rechnen mit einem geringeren Unfallrisiko und mehr Fahrkomfort.
    Rund 70 Prozent sehen demnach durch autonomes Fahren eine bessere Mobilität für Ältere oder Menschen mit Behinderung.
    Zugleich sehen 60 Prozent große bis sehr große Herausforderungen in einer sicheren Technik.
    Für 53 Prozent ist der Datenschutz ein Problem – allerdings hätten Befragte im Alter unter 30 Jahren da deutlich weniger Bedenken.

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