Syrien: Vom Bürgerkrieg zum Stellvertreterkrieg

Zu Beginn der Krise in Syrien, die damals ja nicht ganz zu Unrecht im Kontext des arabischen Frühlings[1] gesehen wurde, waren die Hoffnungen noch groß, dass es zu einem weitgehenden friedlichen Regimewechsel kommen könnte. Diese Hoffnung ist bitter enttäuscht worden. Je mehr Gewalt das Assad-Regime gegen die zunächst friedlichen Proteste einzusetzen bereit war, desto mehr radikalisierte sich die Protestbewegung und es begann ein immer brutalerer Bürgerkrieg sich zu entfalten.  Homs wurde zu einem Kristallisationspunkt der Auseinandersetzungen.

Der Westen insbesondere die USA waren aufgrund ihrer Erfahrungen im Irak und Afghanistan wenig geneigt sich in ein weiteres militärisches Abenteuer zu stürzen. Die Arabische Liga sollte zunächst zusammen mit der Uno eine politische Lösung herbeiführen. Diese Erwartungen wurden jedoch bitter enttäuscht. Die diversen Friedensmissionen endeten wegen der immer unpersönlicheren Kämpfe in Syrien ergebnislos.

Insbesondere auch im Weltsicherheitsrat fand sich keine breite Plattform zwischen den USA, China und Russland dem Treiben dort ein Ende zu bereiten.[2] Wegen der immer stärker auch hervortretenden religiösen Spaltungen zwischen Alawiten, Schiiten und Sunniten wurde der Krieg zusätzlich aufgeheizt: Der Iran zusammen mit der Hisbolla[3] im Libanon unterstützten nun auch militärisch das Assad-Regime und Saudi Arabien, Qatar auf weitere sunnitische Golfstaaten stellten sich hinter die Oppositionsgruppen. Des Weiteren entdeckten die internationalen Kämpfer, die sich auf al-Qaida[4] berufen sich gleichfalls auf die Seite der Oppositionsgruppen mit ihren Kenntnissen zu schlagen. Damit geriet der Konflikt immer stärker außer Kontrolle, da es immer weniger ein lokaler Bürgerkrieg war, sondern vom Ausland mit finanziert und durch Waffenlieferungen gesponsert wurden.

Daneben hat insbesondere Russland auf Seiten des Assad-Regimes aufgrund seiner dortigen militärischen Interessen[5] insbesondere seinen Stützpunk in Tartus[6], durch extensive Waffenlieferungen an das Assad-Regime dessen Zusammenbruch verhindert. Zuletzt eskalierte dies durch die Lieferung modernster russischer Waffensysteme zur Luftabwehr[7] sowie Raketen zum Angriff auf Schiffe[8], die gegen einen möglichen Blockadeversuch  des Westens diesen vor einem weiteren Engagement abhalten sollen.  Hinzu kommt ein großer russischer Flottenverband, der jetzt vor der syrischen Küste in Stellung gegangen ist.[9]

Hinzu kommt der wahrscheinliche Einsatz von Giftgas[10] durch die Truppen Assads.  Bombenangriffe Israels[11] gegen syrische Stützpunkte.[12] Damit droht eine weitere Ausweitung des Konflikts. Israel könnte zum Akteur im syrisch-libanesischen Bürgerkrieg werden.

Hinzu kommt die Türkei, die einerseits in großem Umfang Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen musste.[13]Zudem wurden türkische Grenzorte von Syrien aus mit Raketen beschossen. Letzteres führte dazu, dass auch die Bundeswehr[14] jetzt mit Patriot-Raketen die Türkei vor weiteren Raketenangriffen aus Syrien schützen soll. Des Weiteren kam es zu einem Terroranschlag in Reyhanli[15] mittels mehrerer Autobomben.[16]

Auch Jordanien droht in den Konflikt hineingezogen zu werden.[17] Der Nahe Osten gerät immer mehr in einen sich eskalierenden Konflikt verschiedener Regionalmächte, aber eben darüber hinaus auch der Weltmächte. Eine Lösung durch Verhandlungen rückt dabei immer weiter in eine unbestimmte Ferne. Aus dem Bürgerkrieg in Syrien ist längst ein Stellvertreterkrieg regionaler und globaler Mächte geworden. Da die verschiedenen Akteure derzeit keine gangbaren Kompromisslösungen erkennen lassen, ist das Ende der Eskalation nicht absehbar.  Stellt sich die bange Frage: explodiert das Pulverfass Nahost und was wird der Fall-out für die gesamte Welt insbesondere auch Europa sein?


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21 Gedanken zu „Syrien: Vom Bürgerkrieg zum Stellvertreterkrieg

  1. Offensichtlich werden die verschiedenen Fraktionen des syrischen Bürgerkriegs von ausländischen Mächten mit Waffen und Geld munitioniert.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-waffenembargo-gegen-syrien-laeuft-am-30-mai-aus-a-902091.html

    Ob Russland, Iran, Hisbolla auf der einen Seite oder eben auch die Saudis, qatar und die USA, Frankreich und Großbritannien auf der anderen Seite. Ein Stellvertreterkrieg eben.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-aussenminister-zu-syrien-russland-kritisiert-aus-fuer-waffenembargo-a-902275.html

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/syrien-amerika-begruesst-russland-verurteilt-ende-des-eu-waffenembargos-12199331.html

    http://www.n-tv.de/politik/Konflikt-in-Syrien-am-Wendepunkt-article10730936.html

    … und liefert selbst mehr Waffen an Syrien

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/05/28/russland-kontert-eu-und-schickt-neue-raketen-nach-syrien/

    Wo bleibt das kollektive Waffenembargo aller ausländischen Mächte?

    Deutschland bleibt beim Waffenembargo.

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afrika/auslaufen-des-eu-embargos-merkel-werden-auf-keinen-fall-waffen-nach-syrien-liefern-12200573.html

  2. Pingback: Türkei: Stadt gegen Land | My Blog

  3. Die derzeitigen militärischen Erfolge von Assad und seinen Verbündeten könnten sich rasch als Pyrrhussieg erweisen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Pyrrhussieg

    In einem Stellvertreterkrieg können ja leicht andere Mächte wie beispielsweise Israel in den Konflikt hineingezogen werden. Zudem kann die libanesische Regierungs ja nicht tatenlos zusehen, wie die Hisbollah in dem eignen Land schaltet und waltet.

    http://www.economist.com/news/middle-east-and-africa/21579055-fall-qusayr-boost-regime-far-decisive-turning-point

    Wenn es zu Waffenstillstands- oder gar Friedensverhandlungen kommen soll, muss ja ein militärisches Patt hergestellt sein. Sonst gibt es ja nichts zu verhandeln. Ob die USA, Großbritannien und Frankreich einen totalen Sieg Assads zulassen, bleibt mehr als fraglich.

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