Währungskrieg: Fortgesetzte Yen-Abwertung gefährdet Stabilität des Währungssystems

In einer sich weltweit abschwächenden Weltkonjunktur setzt Japan seine rigorose Geldpolitik fort.  Einerseits soll damit die einheimische Inflation beschleunigen und damit die deflationären Tendenzen der japanischen Wirtschaft bekämpfen werden. Andererseits wird gleichzeitig die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Japans im Zuge einer rasanten Yen-Abwertung und damit den Export Japans angekurbelt. Da beide Effekte gleichzeitig stattfinden, ist es müßig darüber zu streiten was das Hauptziel der japanischen Wirtschaftspolitik ist.  Shinzō Abe[1], der jetzige japanische  Ministerpräsident, und der Gouverneur der japanischen Zentralbank, Harihiko Kuroda[2],  testen damit die Bereitschaft der anderen führenden G20-Staaten diese Beggar-thy-neighbor-Politik hinzunehmen oder sich dagegen mit eigener Wechselkurspolitik zur Wehr zu setzen. Bis zum Jahresende 2012 konnte man der Auffassung sein, dass die rasante Yen-Abwertung gegenüber den anderen Währungen nur eine Korrektur darstellt, die zuvor aufgrund von Kapitalflucht in sichere Anlagewährungen den Yen im Nachgang zur weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise den Yen stark aufgewertet hatte.[3] Inzwischen setzt sich jedoch die Yen-Abwertung gegenüber seinen weltweiten Handelspartnern insbesondere auch Deutschland ungebremst fort. Nach einer vorübergehenden Stabilisierung des Yen-Kurses gegenüber dem Euro bei etwa 120 Yen pro Euro bis Ende März hat sich die Abwertung des Yen jetzt erneut fortgesetzt und erreicht aktuell einen Wert von rund 137 Yen zum Euro. Gegenüber dem US-Dollar hat der Yen jetzt die Schallgrenze von weniger als 100 Yen zum US-Dollar genommen. Die US-Regierung hat bereits begonnen Druck auf Japan auszuüben diesen Prozess weiter fortzusetzen.[4] Sollte man Japan als Währungsmanipulator kennzeichnen, wären Gegenmaßnahmen der US-Regierung bis hin zu Strafzöllen nicht mehr auszuschließen.[5]  Ein Ende dieser Abwertung ist derzeit nicht abzusehen.  Bereits seit einiger Zeit schwebt bereits die Drohung eines sich ausweitenden Währungskriegs über der Weltwirtschaft. Auch Jens Weidmann hat Japan bereits vor weiteren Abwertungen des Yen gewarnt.[6]

Ein Blick auf die letzten Daten zur realen effektiven Wechselkursentwicklung im Vergleich zu Deutschland und den USA zeigt die veränderten Lage bei der preislichen Wettbewerbsfähigkeit Japans deutlich. Japan hat so beispielsweise gegenüber den USA und Deutschland seine preisliche Wettbewerbsfähigkeit gemessen durch den realen effektiven Wechselkurs[7] seit August 2012 um rund 20 Prozent gegenüber beiden Ländern bis Ende März 2013 gesteigert.  Ein kritischer Punkt dürfte spätestens erreicht sein, wenn Japans Yen-Abwertung die Grenze von 80 Prozentpunkten unterschreitet. Dann wäre ein neuer Rekord auch bei langjähriger Betrachtung erreicht.

Abbildung – realer effektiver Wechselkurs Japans, der USA und Deutschlands im Vergleich, Jan. 1994 bis März 2013.

Yen-KursQuelle: BIS

Das drückt natürlich die Ausfuhren insbesondere auch anderer großer  Exportnationen wie Deutschland und die USA. Da Japan ebenfalls ähnliche Spezialisierungsmuster wie die deutsche Wirtschaft insbesondere beim Straßenfahrzeugbau und Maschinenbau ausweist trifft es diese Wirtschaftszweige unmittelbar. Toyota konkurriert eben mit VW und General Motors oder Ford. Das gleiche trifft in ähnlicher Form für den deutschen Maschinenbau zu. Der Einbruch zeigt sich bereits beim Auftragseingang deutlich.[8]

Das Gespenst von wechselseitigen Währungsmanipulationen oder selektiven Strafzöllen oder anderweitiger Handelssanktionen, das auch die Weltwirtschaftskrise von 1929 bereits massiv verschärfte, würde wieder zu steigender Unsicherheit der weltweiten Exportwirtschaft führen.[9] Es bleibt nur zu hoffen, das erneut die Vernunft aller Akteure insbesondere jetzt eben auch in Japan siegt. Es wird höchste Zeit gegenzusteuern.

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