Das Ende der DSL-Flatrate führt zum Ende der Cloud

Offensichtlich beabsichtigt die Deutsche Telekom, folgt man Presseberichten, bereits am 2. Mai diesen Jahres die DSL-Flatrate einzustellen. Wie beim Mobilfunk will man das Datenvolumen nach oben hin begrenzen. [1]

„Die künftigen Festnetz-Obergrenzen im Einzelnen:

  • Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 16 Mbit/s: 75 GB
  • Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 50 Mbit/s: 200 GB
  • Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 100 Mbit/s: 300 GB
  • Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 200 Mbit/s: 400 GB

Wer die jeweilige Grenze überschreitet, dessen Anschluss wird gedrosselt – und zwar auf 384 Kbit/s. „[2]

Bereits jetzt hat die Bundesnetzagentur deutliche Mängel bei der Netzqualität in einer aktuellen Studie festgestellt.[3] Die Ergebnisse sind ernüchternd. Insbesondere im Bereich der 16 MB/sec liegt im Durchschnitt der Stichprobe die Übertragungsleistung bei knapp 70% der Nennleistung, d.h. knapp 11,2 MB/sec (Abb. 6.4. auf S. 71[4]). Mithin zahlt der Kunde für weniger als ¾ der Nennleistung den vollen Preis. Ein in der Tat bemerkenswertes Ergebnis. Die übliche Entschuldigung der Anbieter, das man ja nur zur best-effort[5] verpflichtet sei, kann ja nur für den Einzelfall gelten. Für den Gesamtdurchschnitt sollte hingegen schon die volle Leistung doch nahezu erreicht werden. Mithin haben die Dienstanbieter offenbar den Netzausbau ihrer Netze vernachlässigt. Bei Glasfaserausbau hinkt Deutschland ja auch international gegenüber zahlreichen anderen Ländern hinterher (Abbildung 1).

OECD Glasfaser

Als verantwortliches Unternehmen steht die Deutsche Telekom mit dem Vorwurf der Remonopolisierung bereits öffentlich am Pranger.[6] Jetzt versucht man durch Vectoring DSL[7] nochmals das Letzte aus den veralteten Kupferkabeln herauszuquetschen. Trotzdem dürfte es mit den Bandbreiten in den DSL-Netzen eng werden. Der zunehmende Datenverkehr, der insbesondere durch Cloud-Dienste[8] und Streaming Media[9] eine deutliche Ausweitung des Datenverkehrs herbeiführen wird, könnten die Opfer für die breite Massenversorgung werden. Das jetzt eingeführte Gebührenmodell basiert ja auf dem Prinzip Datenvolumen bestimmt den Preis. Wer also gegen die Bandbreitenbremse der Deutschen Telekom nicht rennen will, der muss eben mehr zahlen. Sicher ist sicher mehr Datenvolumen als tatsächlich benötigt wird.

Mithin rechnen sich jetzt das Halten lokaler Datenbestände beispielsweise auf eigenen NAS-Servern.[10] Statt streaming Up- oder Downloads sollte man lieber die Daten zumindest lokal im eigenen WLAN verteilen. Jetzt rächt sich, dass die Bundesnetzagentur die Frequenzen der digitalen Dividende[11] an nur drei Anbieter für die kommenden 20 Jahre für rund 4 Mrd. Euro vergeben hat. Statt ein Open Spectrum[12] auch für längere Distanzen unabhängigen Anbietern zur Verfügung zu stellen, und damit einen Wettbewerb kleiner unabhängiger Anbieter zu ermöglichen, hat man der Remonopolisierung, der Verschleppung des Netzausbaus bei Glasfasernetzen und der Mobilfunknetze Vorschub geleistet.

Das ist noch eines der politischen Versagen der schwarz-gelben Koalition. Nicht Wettbewerb, sondern Monopolisierung der Netze durch große Anbieter wie die Telekom, ist ihre Politik gewesen. Den Schaden haben alle Bürger.


Advertisements

Ein Gedanke zu „Das Ende der DSL-Flatrate führt zum Ende der Cloud

  1. Pingback: Netzpolitik: Überführung der letzten Meile in öffentliches Eigentum | My Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s