Italiens Tanz am Abgrund

Offensichtlich begreifen die Italiener und insbesondere ihre politischen Eliten nicht was die Stunde geschlagen hat. Das Land ist nicht mehr genügend Wettbewerbsfähig was zu einer nachhaltigen Wachstumsschwäche und hoher Langzeitarbeitslosigkeit insbesondere auch bei den Jugendlichen führt.[1] Diese Feststellung wird jedoch aus Italien immer wieder vehement zurückgewiesen. Hinzu kommt die hohe Staatsverschuldung, die ohne fremde Hilfe wie seitens der EZB durch das SMP-Aufkaufprogramm bereits 2011 das Land in die Schuldenfalle hätte treiben lassen. Der Versuch nach dem Sturz Silvio Berlusconis durch eine Expertenregierung unter Mario Monti das Steuer herumzureißen, ist offenbar gescheitert. Mario Montí wartet nur noch darauf so rasch wie möglich aus dem Amt zu scheiden.[2] Er mußte jetzt auch noch einräumen, dass man die Staatsschuldenstatistik Italiens systematisch geschönt hat.[1] Er möchte wohl nicht für das sich abzeichnende Desaster Italiens verantwortlich gemacht werden.  Nachdem Bersani[3] mit dem Versuch der Bildung einer Koalitionsregierung gescheitert ist  und auch der Staatspräsident Neapolitano keinen Erfolg verzeichnen konnte, steht das Land vor Neuwahlen.[4] Neapolitano werden jetzt ebenfalls Rücktrittabsichten nachgesagt, die er jedoch dementieren ließ. [5]  Der einzige der derzeit meint Oberwasser zu haben ist wieder Silvio Berlusconi. Er wäre zu einer Koalition mit Bersani bereit.[6] Damit befindet sich Italien politisch in einer Sackgasse.

Wie lange halten die Finanzmärkte noch still?

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Italien wieder das Vertrauen der Finanzmärkte restlos verspielt hat. Seit Februar steigen jedenfalls die langfristigen Zinskosten für italienische Staatsanleihen wieder an.[7] Italien ist jedoch mit seinen über zwei Billionen Euro an Staatsverschuldung too-big-to-bail-out (TBTBO). Es wurde die bestehenden Finanzvolumina des EFSF/ESM sprengen. Hinzu kommt, dass die EZB sich für das OMT-Programm an die Vereinbarung eines Programms mit Konditionalitäten sich jetzt durch die Troika gebunden hat.  Die Hilfsmöglichkeiten für eine italienische Finanzkrise sind also begrenzt. Hinzu kommt, dass der italienische Bankensektor ebenfalls unter Druck steht. Nicht zuletzt italienische Banken haben mit Geldern der von der EZB bereitgestellten „Dicken Bertha“ die Finanzierung der italienischen Staatsverschuldung sichergestellt. Seitdem Italien am 19. Mai 2008 dem target2-System beitreten konnte, ist dort bereits ein Defizit von rund 300 Mrd. Euro aufgelaufen. Moody’s droht bereits Italien mit einer weiteren Herabstufung seiner Bonität von derzeit Baa2.[8] Die Schwelle zum Ramschstatus italienischer Staatsanleihen wäre beits zwei Stufen tiefer mit Ba1 erreicht.[9] Eigentlich müssten in Italien jetzt die Alarmglocken schrillen. Stattdessen scheint man sich à la Berlusconi dem dolce far niente hinzugeben. Es wird lamentiert auf die Deutschen geflucht, aber es passiert nichts Konstruktives.

Die Geduld der Geberländer ist am Ende

Die Idee mittels einer Bankenunion sich die Krise der italienischen Banken durch die anderen Mitgliedsländer subventionieren zu lassen, dürfte auch nicht von Erfolg gekrönt sein. Wegen ihrer hohen Bestände an italienischen Staatsanleihen ist ihre Bonität bei den Ratingagenturen auch sehr eng an die des italienischen Staates geknüpft. Hinzu kommen auch erhebliche Kredite an marode italienische Unternehmen und im Bereich der Krisenländer des Club Med. Ebenso wenig dürfte es zu einer Einlagensicherung der italienischen Einlagen durch die anderen Mitgliedsländer kommen.  Stattdessen wird das Modell der Konsolidierung der zypriotischen Banken zu Lasten der Bankeigner und Anleger mit mehr als 100,000,- Euro immer wahrscheinlicher.[10] Die Steuerzahler außerhalb Italiens als lender-of-last-resort für die italienischen Schulden bleibt wohl nur ein schöner Traum, der in den Köpfen zahlreicher Italiener herum spuken mag. Berlusconi mag ja mit der Drohung des Austritts Italiens aus der Eurozone spielen, aber diese verliert immer mehr an Schrecken bei den Geberländern je mehr Italien an den Rand der Unregierbarkeit rutscht. Lieber ein Ende mit Schrecken, denn ein Schrecken ohne Ende, lautet dann die Devise.

Die Armen retten die Reichen?

Das Ergebnis eines Vergleichs der Vermögensbestände der privaten Haushalte innerhalb  der  EU, die jetzt von Eurostat, der Deutschen Bundesbank und er EZB veröffentlicht wurden, tagen auch nicht gerade zur Geberlaune bei.[11] Warum sollen die am Pro-Kopf-Vermögen reicheren Italiener von den ärmeren Deutschen und anderen ärmeren Ländern gerettet werden? Es gibt offensichtlich Grenzen der Solidarität, die Italien bereits deutlich überschritten hat. Am Ende könnte die Antwort aus Europa lauten: Hilf die selbst, so hilft dir Gott.


[1] http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1937765

[2] http://www.spiegel.de/politik/ausland/italiens-premier-mario-monti-sehnt-ende-seiner-amtszeit-herbei-a-891384.html

[3] http://www.wiwo.de/politik/europa/italien-bersani-beginnt-konsultationen-fuer-regierungsbildung/7975542.html

[4] http://www.tt.com/Nachrichten/6355955-2/auch-napolitanos-gespr%C3%A4che-ohne-ergebnis—italien-vor-neuwahlen.csp

[5] http://www.spiegel.de/politik/ausland/napolitano-will-nicht-zuruecktreten-a-891767.html

[6] http://www.manager-magazin.de/politik/artikel/0,2828,885574,00.html

[7] http://www.ecb.int/stats/money/long/html/index.en.html

[8] http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/moody-s-droht-italien-nach-patt-bei-wahl-mit-abstufung-der-bonitaet-a-885779.html

[9] http://de.wikipedia.org/wiki/Ratingagentur

[10] http:e//deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/03/30/ezb-bestaetigt-die-bank-guthaben-in-europa-sind-nicht-sicher/

[11] http://www.welt.de/wirtschaft/article114649182/Italiener-und-Spanier-sind-reicher-als-Deutsche.html

13 Gedanken zu „Italiens Tanz am Abgrund

  1. Zu allem Überfluss veröffentlicht jetzt die Deutsche Bundesbank auch noch ein Schreiben aus dem Jahr 1998, in dem sie die damalige Bundesregierung unter Helmut Kohl vor dem Beitritt Italien nochmals nachdrücklich gewarnt hatte.

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/warnung-vor-transferunion-bundesbank-veroeffentlicht-historisches-euro-protokoll-12132106.html

    Zufall oder eine versteckte Empfehlung an die Bundesregierung den damaligen Fehler der Regierung Kohl zu korrigieren? Das hieße im Klartext Italien gehört nicht in die Eurozone.

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