Abwertungen: Gefährliche Liebschaften

Das Problem von Währungsmanipulationen zum Zweck der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit zu Lasten anderer Länder schwebt derzeit weiterhin über den Köpfen der Weltwirtschaft. Rigorose Wechselkursanpassungen in Form von Abwertungen, können einerseits als notwendige Korrektur von den anderen Staaten angesehen und damit toleriert werden, das wäre dann eine kooperative Wechselkurskorrektur, oder, aber sie wird als Beggar-thy-neighbor-Politik[1] interpretiert und führt zu Gegenreaktionen.

Letztendlich kann ein Wechselkurs einer Währung nur gegenüber einer anderen Währung dauerhaft deutlich fallen, wenn das andere Land diese Korrektur hinnimmt und nicht versucht die Korrektur wieder ganz oder teilweise aufzuheben. „It takes two to Tango“, könnte man sagen.

Nur eine wechselseitiges Einverständnis schließt einen Abwertungswettlauf aus. Diese Einsicht scheint teilweise immer mehr aus den Köpfen einzelner Politiker zu verschwinden. So hat bereits Silvio Berlusconi öffentlich mit dem Gedanken des Austritts Italiens aus der Währungsunion gespielt und der italienischen Öffentlichkeit suggeriert, dass man durch eine deutliche Abwertung der neuen Lira sich Italien aus allen Kalamitäten, die die italienische Wirtschaft derzeit durchläuft befreien könnte.[2]

In Griechenland[3] und Zypern[4] sind ähnliche Gedankenspiele bekannt. Während kleine Länder in der Regel weitgehend ungeschoren ihren Wechselkurs korrigieren können, da ihr Einfluss auf das Welthandelssystem gering bleibt, gilt dies nicht für die großen Länder.

Währungskrieg als Abwertungswettläufe

Die Aufregung um die rasante Abwertung des japanischen Yen seit Mitte letzten Jahres, die das Thema Währungskrieg in die Schlagzeilen brachte, zeigt dies bereits nachdrücklich.[5] In dem immer mehr Länder dazu übergehen könnten einen ihnen gewünschten Wechselkurs ohne Einverständnis der anderen Länder zu definieren, entsteht leicht ein in sich völlig inkonsistentes parity grid[6], d.h. Wechselkursgefüge. Schließlich führt dieses Vorgehen unweigerlich zu einem in sich widersprüchlichen System, dass auch über keinen wirksamen Koordinationsmechanismus verfügt.

Die Folge sind dann die bekannten Abwertungswettläufe, die die Krise nach 1929 zusammen mit Handelsprotektionismus noch deutlich verschärft haben.[7] Wegen der starken Ungleichgewichte insbesondere auch in der Währungsunion hinsichtlich Wirtschaftsentwicklung und Arbeitslosigkeit ist die Versuchung jetzt besonders groß sich durch eine massive Abwertung und den daraus erhofften Exportboom aus den Schwierigkeiten zu befreien.

Wie gesagt, das kann nur gelingen, wenn die anderen Länder stillhalten. Tun sie dies nicht, dann droht der Außenhandel insgesamt massiv geschädigt zu werden, denn Wechselkursunsicherheiten führen zu unkalkulierbaren Risiken für die alle Handelstreibenden.

Wehret den Anfängen1

Bisher wird dieser Prozess durch die Swaplinien der wichtigsten Zentralbanken, die zur Wechselkursstabilisierung eingesetzt werden können, und die Möglichkeit von Currency Swaps im Wesentlichen verhindert. Das muss aber nicht so bleiben. Swap-Linien[8] können gekündigt oder begrenzt werden und Currency Swaps[9] können aufgrund gestiegener Risikoprämien so teuer werden, dass sie für die Händler nicht mehr bezahlbar sind.

Mithin gilt hier nochmals eindrücklich die Warnung an alle politischen Akteure, wehret den Anfängen! Ist der Ungeist der unilateralen Abwertungen erst einmal aus der Flasche, dann wird es schwierig ihn wieder einzusperren.

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3 Gedanken zu „Abwertungen: Gefährliche Liebschaften

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