Wahlen in Italien: Comedia dell‘arte

Italien hat die Wahl. Offenbar scheint der Bevölkerung der Ernst der Lage nicht klar zu sein. Sie veranstaltet den Wahlkampf als Comdeia dell’arte.[1] Die politischen Allianzen, die zur Wahl antreten können sich aus dieser Perspektive sehen lassen. Da ist Silvio Berlusconi[2], Pantalone[3], will es noch einmal wissen. Zugleich verköpert er auch Züge von Scaramuz, Aufschneiderei und Großsprecherei.[4] Nachdem ihm die Justiz nach seinem Sturz als Ministerpräsident noch intensiver auf den Fersen ist, will er sich wohl gerne wieder in ein politisches Amt mit Immunität flüchten.[5] Mit schamlosen Wahlversprechen insbesondere die bei der Masse ungeliebte Immobiliensteuer, die von Mario Monti zur Sanierung der italienischen  Staatsfinanzen wurde, wieder abzuschaffen und geleistete Beträge aus der letzten Jahr wieder zurückzuerstatten, hat er einen Wahlkampfschlager gefunden. Geiz ist Geil – auch in Italien. Bürgergesinnung liegt vielen Italienern fern, da sie die Politik in Rom nur als Intrigenspiel der Eliten um Posten und Pfründe kennengelernt haben.

Der zweite ungewöhnliche Akteur ist Beppe Grillo[6], Arlecchino[7], der als Satiriker den Bürgerprotest gegen diese Oligarchie der korrupten Elite mobilisiert hat. Es gibt also durchaus auch Wutbürger in Italien, die sich gegen den Korruptionssumpf auflehnen. Leider fehlt ihnen die Unterstützung der politischen Mehrheit. Wie die Piratenpartei in Deutschland, droht sie trotz eines sich abzeichnenden Wahlerfolgs danach in interne Auseinandersetzungen aufzureiben. Ihr fehlt die politische Organisation, um über die Ebene der reinen Bürgerprotestbewegung hinauszukommen. Das ist jedenfalls die allgemeine Einschätzung der politischen Beobachter der italienischen Politikszene.

Der noch amtierende Interimsministerpräsident Mario Monti[8], Dottore[9] alias Super Mario, sollte eigentlich das konservative Lager hinter sich versammeln und dann die begonnene Reformpolitik alias Austerität fortzusetzen. Bisher war er ja nur ein Ministerpräsident von Berlusconis Gnaden. Letzterer wollte die unangenehmen Dinge seiner eines Kurswechsels nicht selber verantworten müssen. Monti sollte für ihn den Karren aus dem Dreck ziehen. Nun scheint der Mohr Monti seine Schuldigkeit getan zu haben. Berlusconi entzog ihm seine Gunst und damit auch die Chance die Wahl zu gewinnen.

Bleibt noch Luigi Bersani[10], mit seiner Mitte-Links-Koalition.  Er versucht sich von den anderen durch einen seriöseren Wahlkampf abzusetzen. Er gehört zu den Vecchi, die versuchen das Land vor dem sich drohenden Chaos zu bewahren. Weil er sich jedoch als wenig volksnaher Intellektueller präsentiert, findet er wenig Zustimmung bei der breiten Bevölkerung, die eher auf den Klamauk der anderen steht. Keine gute Ausgangslage die Wahl deutlich zu gewinnen.

 

Selbst die katholische Kirche ist kein Ordnungsfaktor mehr seitdem sie ohne Papst und von einer Fülle von Skandalen gebeutelt ist. VatiLeaks[11] war wohl der letzte Akt in einem Drama, dass noch nicht für die katholische Kirche beendet ist.

Fragt sich nur, ob am kommenden Montag nach dem Carnevale der Aschermittwoch, der diesmal ein Montag sein könnte, wieder etwas mehr Vernunft in das Land einzieht. Ansonsten dürfte der Untergang Roms und seiner Republik nicht lange aus sich warten lassen.

 

2 Gedanken zu „Wahlen in Italien: Comedia dell‘arte

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