Großbritanniens Downgrade: Hochmut kommt vor dem Fall

Moody’s hat gestern am späten Abend das Rating von Großbritannien von Triple AAA auf AA1 um einer Stufe herabgesetzt. [1] Das kann nicht überraschen, denn auch in Großbritannien ohne Euro ist Staatsverschuldung außer Kontrolle geraten. Der zu große Finanzsektor lastet wir ein Bleigewicht auf der britischen Wirtschaft. Der Versuch der britischen Regierung durch „eisernes“ Sparen die Konsolidierung rasch herbeizuführen, hat nur in die Rezession geführt.  Jetzt ist guter Rat teuer. Bashing der Ratingagentur dürfte hier nicht weiterhelfen. Anti-Europäische Propaganda mit Austrittsdrohung auch nicht.[2] Immer weiter Gelddrucken führt in absehbarer Zeit in eine akzellerierende Inflationsspirale. Großbritannien steckt in der Sackgasse.

Es bedarf wohl grundlegender Reformen zu mehr Steuergerechtigkeit und einer gerechteren Einkommensverteilung – Großbritannien liegt mit Italien mit einem Gini-Koeffiziente von 36 gleich auf[3] – bei gleichzeitiger Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Die hohen Leistungsbilanzungleichgewichte in Form von Defiziten – Platz 179 von 181 Ländern[4] – führen zu einem schrittweisen Ausverkauf Großbritanniens. On nun Teile von Gatwick an Abu Dhabi[5] oder Heathrow an China[6] verkauft werden, es ist völlig egal. London wird sowieso schon Schritt für Schritt von Ausländern aufgekauft.[7]  Da das Nordseeöl auch langsam erschöpft ist, fehlt es auch in der Zukunft immer mehr an diesen lukrativen Sondereinnahmen aus Ölrenten.

Daneben profiliert sich Großbritannien mit einem Standortwettbewerb in Form von Steuerdumping für ausländische Vermögensbesitzer und laxer Finanzmarktregulierung. Das könnte auch zum Problem werden, wenn es irgendwann den anderen geschädigten Staaten zu viel wird. Die Schweiz  oder Zypern machen gerade die Erfahrung, dass insbesondere die USA und die EU gegen diese Politik des beggar-thy-neighbor rigoros vorgehen.

Der nostalgische Rückblick wie zuletzt bei den Olympischen-Spielen in London auf die vergangene Glory hilft auch nicht weiter.  Hic Rhodos, hic saltus. Die Briten müssen endlich die Zeichen der Zeit erkennen und in der heutigen Realität ankommen, sonst gibt es in absehbarere Zeit ein böses Erwachen.

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12 Gedanken zu „Großbritanniens Downgrade: Hochmut kommt vor dem Fall

  1. Das böse Erwachen nach dem Exzessen der Thatcher-Ära kommt erst noch.

    Was vergessen wird ist, dass Thatcher mit dem Big Bang die Grundlage für die Blasenökonomie insbesondere in der Londoner City gelegt und und das System der Steueroasen unter britischer Kontrolle, die derzeit die Weltwirtschaft aus den Fugen zu reißen drohen.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Big_Bang_%28financial_markets%29

    http://www.taxcafe.co.uk/tax-havens.html

    Des Weiteren wurden durch die Privatisierung der kommunalen Wohnungsbestände, der Immobilienboom in Großbritannien angeschoben.

    http://www.corporatewatch.org/?lid=4180

    Die Privatisierungen von British Rail und anderen öffentlichen Infrastrukturunternehmen we Wasser und Gas führte in ein Fiasko.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Privatisation_of_British_Rail

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