Die katholische Kirche braucht mehr als einen neuen Papst

Der überraschende Rücktritt von Papst Benedikt XVI. hat eine Nachfolgediskussion ausgelöst. Business as usual? Wohl kaum. Es mag ja stimmen, dass der jetzt noch amtierende Papst gesundheitlich schwer angeschlagen ist. Aber ist das das Ganze Problem? Die katholische Kirche steckt wie auch die anderen christlichen Kirchen in einer tiefen Krise. Ihr laufen die Gläubigen davon.[1] Kindesmissbrauch von kirchlichen Würdenträgern. Geldwäsche der Vatikanbank[2] auch für die Mafia.[3] Kündigung geschiedener Erzieherin bei einem katholischen Kindergarten.[4] Verweigerung von ärztlicher Nothilfe für vergewaltigte Frauen.[5] Irgendwie wirkt die katholische Kirche aus der Zeit gefallen, d.h. man steht zunehmend im Widerspruch zu den in der breiten Bevölkerung vorherrschenden ethischen Grundsätzen. Ob Abtreibung oder Zölibat überall stößt sie an die Grenzen der gesellschaftlichen Akzeptanz.

Das Beharren auf Traditionen und alten Glaubensregeln entfernt sie sich immer mehr von ihren Schafen, den Gläubigen, und stürzt sie in Gewissenskonflikte. Das ist nicht erst seit dem jetzigen Papst so. Auch sein Vorgänger war in Glaubensfragen ein Ultrakonservativer.

Seit dem Ende des zweiten vatikanischen Konzils herrschte Stillstand, wenn nicht sogar Rückschritt. Wenn aber eine so zentralistische und hierarchische Institution wie die katholische Kirche wieder mehr Glaubwürdigkeit gewinnen, will, dann müsste sie auch demokratischer werden.

Wie wäre es die Papstwahl statt durch ein Konklave der Kardinäle durch eine demokratische Urwahl der weltweit Gläubigen stattfinden zu lassen? Die katholische Kirche verharrt ja derzeit in ihren überkommenen autokratischen Traditionen.

Wie wäre von vornherein die Amtszeit wie auch bei politischen Würdenträgern wie Präsidenten auf vier bis fünf Jahre zu begrenzen? Demokratie wagen täte jedenfalls der katholischen Kirche not. Einfach wieder einen neuen Papst auf Lebenszeit zu wählen, ist zu kurz gesprungen. Um dann doch bald wieder die Wahl zu haben, werden dann entsprechend alte Männer gewählt.

Ging schon die Sowjetunion nicht zuletzt an der Gerontokratie ihre poltischen Führer zugrunde, die nicht mehr die Energie für grundlegende Reformen ihres maroden Systems aufbrachten, so könnte es der katholischen Kirche ähnlich ergehen. Man mag sich ja noch an hohen Zahlen der Gläubigen weltweit berauschen, aber wie tief sitzt denn hier der Glaube?

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4 Gedanken zu „Die katholische Kirche braucht mehr als einen neuen Papst

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