Währungskrieg: Abwertungswettläufe und Weltwirtschaft

Die Debatte um sich abzeichnende Abwertungswettläufe nehmen rasant an Tempo und breite zu. Wie bereits in einem früheren Beitrag[1] von mir, geht es aber gar nicht mehr so sehr darum, ob es zu einem Währungskrieg, d.h. politisch gezielten Abwertungen von Währungen kommt oder warum sie schädlich sind[2], sondern wie man sich insbesondere auch in der Eurozone dazu verhalten will.

Francois Hollande hat sich für eine gezielte Wechselkurspolitik zur Abwertung des Euro ausgesprochen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit insbesondere der PIIGS-Staaten wieder rasch herzustellen.[3] Damit folgt er der Politiklinie der neuen japanischen Regierung[4], die bewusst den Yen[5] schwächen will[6], um die lahmende japanische Wirtschaft anzukurbeln.

Das hat dort bereits Kritik des japanischen Finanzministers[7] und den Rücktritt des Zentralbankchefs[8] ausgelöst. Den Yen-Kurs sank von 94,2 Yen pro Euro im Juli 2012 auf derzeit 125,9 Yen pro Euro, d.h. um rund ein Drittel gesunken. Das hat bereits dort die Börsenphantasien[9] und die japanische Exporte beflügelt.[10]

Venezuela hat am letzten Wochenende den Bolivar um 32 Prozent gegenüber dem US-Dollar abgewertet.[11] Auch die USA zeigen immer mehr Neigungen den US-Dollar-Wechselkurs zur Ankurbelung der US-Wirtschaft und dem Abbau der weiterhin hohen Arbeitslosigkeit einzusetzen. Die Politik der US-Notenbank soll jetzt nicht der der klassischen Taylor-Rule[12] aus einem gewichteten Mittel aus Inflationsrate und Wirtschaftswachstum folgen, sondern jetzt à la Bernanke die Arbeitslosenquote anstelle des Wirtschaftswachstums zur Zielgröße erheben.[13] Geldpolitische Zielgrößen wie Preisstabilität werden zugunsten einer Politik nach der Regel der Phillips-Kurve[14] neu interpretiert. Weil die amerikanische Wirtschaft zwar wächst, aber eben nicht schnell genug, um die Arbeitslosigkeit rasch abzubauen, wird die Politik der Notenpresse fortgesetzt. Die neue US-Regierung und der US-Kongress setzen hierfür auch die Rahmenbedingungen, denn fiskalische Disziplin – noch im Wahlkampfthema zwischen Republikanern und Demokraten – wird kurzerhand über Bord geworfen.[15] Die Fiskalklippe findet nicht statt.[16] Das Mantra lautet Wachstum und Beschäftigung. Es verwundert nicht, dass das Peterson-Institut in Washington verwundert in einem Kommentar zur EZB Wechselkurspolitik anmerkt: Last man standing?[17] Es entsteht bereits in den Worten Bill Gross eine Supernova in den US-Kreditmärkten.[18]

China hat sowieso seinen Wechselkurs schon immer nach seinen Wachstums- und Exportzielen [19]ausgerichtet. Ein aktuelles Buch von Bhalla mit dem Titel Devaluing to Prosperity: Misaligned Currencies and Their Growth Consequences[20] untersucht die Konsequenzen solcher Politik anhand der Ergebnisse der Vergangenheit.

Da mögen Olli Rehn[21] , Mario Draghi[22] und Jens Weidmann[23] noch so sehr unisono zetern, sie können die Politik der anderen Zentralbanken und deren Regierungen nicht verhindern. Sie müssen, ob sie wollen oder nicht, mit den Wölfen heulen. Die alte Weltwirtschaftsordnung gerät immer mehr aus den Fugen. Mit fatalen Folgen für die Weltwirtschaft.

Da ma g die Bundesregierung noch stolz die Exporterfolge der deutschen Wirtschaft aus dem Vergangenen Jahr herausstellen[24] und die Konjunkturwende ausrufen[25], wir leben derzeit bereits in einem Ausnahmezustand. Anything could happen.


6 Gedanken zu „Währungskrieg: Abwertungswettläufe und Weltwirtschaft

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