Währungskrieg hat begonnen: Eurokurs legt kräftig zu

Der Euro-Us-Dollar-Wechselkurs hat heute seit 2011 zum erstenmal die 1,35 Schranke geknackt.[1] In den Medien – z.B. Katja Dofel bei n-tv – wird das schlankweg als Zeichen für eine weitere Konsolidierung der Euro-Krise fehlgedeutet. Zypern sich abzeichnende Rettung durch den EFSF/ESM soll dafür verantwortlich sein.

Ein weltweiter Währungskrieg hat begonnen

Nichts ist unsinniger als eine solche Deutung. Seit einiger Zeit wird in der seriöseren Wirtschaftspresse und der Politik und Wirtschaftsverbänden[2] das Problem eines Währungskriegs diskutiert.[3] Japan steckt in der Rezession und versucht durch eine Liquiditätsschwemme ihrer Zentralbank den Yen-Kurs nach unten zu drücken.[4] Die US-Wirtschaft ist keineswegs in eine Phase eines stabilen Wirtschaftsaufschwungs eingetreten. Das Konsumentenvertrauen ist im Januar auf den niedrigsten Stand seit 2011 gefallen.[5] Hinzu kommt, dass es weiterhin keine Klarheit bezüglich der unter dem Stichwort Fiskalklippe diskutierten Konsolidierung der US-Staatsfinanzen gibt. Man schiebt eine Entscheidung hierfür immer weiter auf. Würde die US-Notenbank nicht weiterhin US-Staatsanleihen und US-Hypotheken aufkaufen, wäre ein Absturz der US-Wirtschaft vorprogrammiert. Inzwischen haben sich hier Bestände von über 3 Billionen US-Dollar bei ihr aufgetürmt.[6] Mithin ist für diese Länder inzwischen der Export die billigste Lösung, der man durch eine Wechselkursmanipulation begegnen möchte. Die Schweiz manipuliert den Kurs des Schweizer Franken schon seit langem, weil die Realwirtschaft unter dem hohen Wechselkurs insbesondere gegenüber dem Euro leidet.[7] Großbritannien, das ebenfalls in der Rezession steckt, versucht ebenfalls durch eine Manipulation des Pfundkurses sich mittels eines exportgetriebenen Wirtschaftsaufschwungs zu retten. Das Peterson Institut for International Economics (IIE) fragt sich schon, ob die EZB die letzte Bastion gegenüber einem an Schärfe zunehmenden Währungskrieg darstellt.[8] Auch China versucht eine weitere Aufwertung des Yuan zu verhindern, obwohl der Yuan weiterhin deutlich unterbewertet ist.[9] Es ist also eine große Illusion die Aufwertung des Euro gegenüber anderen Währungen als Stärke des Euro zu werten. Stattdessen findet jetzt ein offener oder verdeckter Währungskrieg statt, der die Eurozone erneut in die Krise stürzen kann. Das lässt böse Erinnerungen an die Weltwirtschaftskrise von 1929 wieder aufkeimen. Damals kam es auch zu einem Währungskrieg, der die Krise wesentlich verschärfte und eine Erholung der Weltwirtschaft hinauszögerte. Wann begreift man bei der Wirtschaftspresse in Deutschland was hier passiert. Sind die dort tatsächlich so blöd oder täuschen sie nur die breite deutsche Öffentlichkeit?


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8 Gedanken zu „Währungskrieg hat begonnen: Eurokurs legt kräftig zu

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