Risiken und Chancen: Vor dem eBook- und ePaper-Boom?

Im Bereich der Printmedien ist eine Endzeitstimmung ausgebrochen. Das Internet und elektronische Inhalte von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern drohen das traditionelle Geschäftsmodell der Printmedien soweit zu unterminieren, dass eine Koexistenz immer unwahrscheinlicher wird. Das Newsweek-Magazin hat beschlossen seine Printausgabe ganz einzustellen. Mit der Verbreitung von Tablet-PC sowie eBook-Readern und der Integration von Apps als integrierte Bezahlsysteme scheint der Durchbruch gelungen zu sein, die traditionellen Leser der Printmedien zu zahlungswilligen Kunden im Internet für die Verlage mutieren zu lassen. Hinzu kommt, dass das Internet jetzt auch zunehmend im Bereich des mobilen Internets Bandbreiten aufweist, die schnelle Antwortzeiten auch beim Streaming-Content, d.h. einschließlich multimedialer Inhalte aus Video und Audio ermöglichen. Die Werbe-Industrie hat bereits zu einem erheblichen Teil den Wechsel aus den Printmedien vollzogen und die Internet-Werbeeinnahmen übertrafen erstmals die des traditionellen Fernsehens. Damit schwinden die Möglichkeiten der Printmedien zu Kofinanzierung ihrer Inhalte durch Werbeeinnahmen weiter. Hinzu kommt, dass Aktualität in den Printmedien gegenüber den elektronischen Medien nicht machbar ist. „Old news“ sind eben „no news“, wussten die Vertreter der Presse schon lange. Da in den zurückliegenden Jahren der digitale Inhalt immer mehr zugenommen hat – man denke nur an Google Books oder auch das Projekt Gutenberg, und zunehmend alle aktuellen Printausgaben zumindest parallel als Online-Version verfügbar sind, scheint die kritische Schwelle für einen nachhaltigen Durchbruch erreicht zu sein.
Die großen Internet-Konzerne wie Google, Apple, Amazon und Microsoft haben den Kampf um diesen für sie lukrativen Markt begonnen. Jeder versucht durch vertikale Integration eine hohe Kundenbindung insbesondere durch den Aufbau eigener exklusiver Plattformen und proprietärer Standards jetzt auch für elektronische Zeitschriften und Bücher zu erreichen. Apple hat es im Bereich der Musik-Downloads vorgemacht. Mit iTunes und dem iPod wurde die Grundlage für ein neues profitables Geschäftsmodell gelegt. Man bietet sowohl die Endgeräte (iPods, iPhone, iPads) an, man vertreibt eigene Software und hat seinen eigenen Marktplatz für Apps errichtet und es ist gelungen die Inhaltanbieter nachhaltig durch Lizensierung an das eigene Geschäftsmodell zu binden. Jetzt sind durch das Streaming-Content-Modell und die Daten-Cloud weitere Vertriebsmöglichkeiten von Inhalten und damit verbundene elektrische Dienstleistungen geschaffen worden. Amazon bietet mit dem Amazon-Cloud-Player gleich die Möglichkeit die bei Amazon gekaufte Musik kostenlos auf den Amazon-Servern kostenfrei zu hinterlegen und derzeit auch kostenfrei auf jedem interfähigen Endgerät abzuspielen. Microsoft möchte jetzt den von den anderen drei großen Konkurrenten Apple, Amazon und Google eingeschlagenen Weg als letzter großer global Player mit seinem Windows 8-Betriebssystem und Tablet-PC Surface durch eine Integration zwischen Desktop und mobilen Endgeräten Paroli zu bieten. Eigentlich müssten die Verbraucher die großen Gewinner des derzeitigen sich intensivierenden Wettbewerbs sein. Jedoch hat auch diese Entwicklung ihre Schattenseiten für ihn. Er wird immer mehr zum gläsernen Kunden, der in seinen Verhaltensweisen und Konsumgewohnheiten intensiv beobachtet und dadurch im Interesse der Unternehmen manipulierbar wird. Mithin sind Datenschutz und Wettbewerbspolitik herausgefordert, den Verbraucherschutz sowie den fairen Wettbewerb auch zukünftig zu sichern. Der Gesetzgeber muss dafür jetzt rechtzeitig auch die notwendigen Rechtsgrundlagen schaffen. Sonst droht nach einer Phase der Aufteilung dieser neuen lukrativen Märkte eine Phase der Dominanz weniger übermächtiger Internet-Giganten zu Lasten der Gesellschaft.

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