Hochfrequenzhandel bedroht Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte

Am  1. August war es wieder einmal so weit.  Die Knight Capital Group Inc. (KCG) verlor durch eine Fehlfunktion eines ihrer Programme beim computerisierten Handel innerhalb von 45 Minuten rund 450 Mill. US Dollar. Dadurch geriet der Börsenhändler in eine finanziell existentiell bedrohliche Lage und musste rasch durch eine Finanzspritze der Citadell LLC in Höhe von 500 Mill. US Dollar vor dem Kollaps gerettet werden. Dumm gelaufen könnte man sagen.

Allerdings können fehlerhafte Computerprogramme  wie auch anderswo sehr schnell in einer immer mehr vernetzten Welt weitreichende Folgen haben. „Flash Crashs“ wie der  am 6. Mai 2010 wo ohne erkennbaren Grund plötzlich der DOW Jones Industrial Average Index innerhalb kurzer Zeit um 1000 Punkte nach unten rauschte haben nicht nur den Betreiber der fehlerhaften Software geschädigt. Ökonomen sprechen hier auch von negativen Externalitäten, die einzelne Marktteilnehmer anderen zufügen können.  Ähnlich wie beim Umweltschutz durch unkontrollierte Emissionen von Schadstoffen in die Umwelt führen Funktionsstörungen von Handelssoftware einzelner zu massiven Schädigungen anderer Marktteilnehmer. Offenbar droht die bereits von Warren Buffett für Finanzderivate geäußerte Einschätzung, dass diese das Potential von Massenvernichtungswaffen besäßen auch für den derzeit weitgehend unkontrollierten Hochfrequenzhandel. Wer innerhalb von Millisekunden Arbitragegeschäfte tätigen will, der kann dies nicht mehr durch Menschen ausführen lassen, sondern durch vollautomatische Softwareprogramme. Diese Programme basieren auf vereinfachten Modellannahmen. Weich die Realität vom Modell gravierend ab, dann führt der Modellfehler zu fatalen Folgen. Mithin gilt hier wie für alle Technologien Murphy‘s Law. Nur sind hier die dabei entstehenden finanziellen Risiken unkalkulierbar. Offenbar fehlt es bisher an angemessenen Sicherungsmechanismen, die diese Fehlfunktionen rechtzeitig erkennen und stoppen können. Trotzdem bleibt die Versuchung den computerisierten Börsenhandel immer weiter in Richtung Hochfrequenzhandel auszuweiten groß, da  unter normalen Bedingungen es quasi eine Lizenz zum Gelddrucken darstellt. Nur unter bestimmten Marktlagen oder eben auch bei fehlerhaften Programmen entstehen in Windeseile gewaltige Verluste. Wie bei der Kernenergie kann es lange Zeit ohne einen GAU gut gehen, aber eben wenn dann der Schadensfall wie in Tschernobyl oder Fukushima eintritt sind diese Kosten gewaltig.

Offenbar haben die bisherigen Bemühungen der SEC, der amerikanischen Börsenaufsicht,  hier regulatorisch Sicherungen gegen Flash Crashs einzubauen bisher wenig gefruchtet.  Es ist weiterhin möglich, dass einzelne Marktteilnehmer mit ihrer Gier nach dem schnellen Gewinn sich selbst ruinieren und zugleich Systemrisiken heraufbeschwören.  Der Versuch den Hochfrequenzhandel durch eine Finanzmarkttransaktionssteuer unattraktiv zu machen, hat wegen der fehlenden weltweiten Unterstützung insbesondere auch der USA und Großbritanniens derzeit keine Chance das Problem jetzt rasch und nachhaltig zu beseitigen. Frankreichs Versuch jetzt nur für  Aktien französischer Aktiengesellschaften hier einen ersten Schritt zu machen, bleibt eben nur ein homöopathisches Mittel.  Solange die globale elektronische Vernetzung der Finanzmärkte immer weiter voranschreitet, wachsen die Risiken und damit absehbar auch die Schadenssummen. Wie sagte Hyman Minsky bereits vor Jahren: „It could happen again.“ Die Politik sieht dem weitgehend tatenlos zu und die staatlichen Regulierer hoffen auf den Placeboeffekt  halbherzigen Maßnahmen. Die Zeche zahlen am Ende die Bürger die direkt oder indirekt für die Schäden haften müssen, ob sie wollen oder nicht. Eigennutz weniger geht vor das Gemeinwohl. Leider.

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2 Gedanken zu „Hochfrequenzhandel bedroht Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte

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