Griechenland: Time is Money

Dieses geflügelte Wort geht auf Benjamin Franklin zurück. Nachdem Griechenland nach zwei bereits verabschiedeten Rettungspakten und einem Schuldenschnitt von rund 100 Mrd. Euro immer noch nicht in der Lage ist seine Staatsfinanzen nachhaltig zu sanieren, kommt jetzt ihr Ministerpräsident Samaras[1] und der Teil der Befürworter für den Verbleib Griechenlands in der Eurozone[2] auf ein neues Mantra, statt mehr Geld zur Rettung Griechenlands zu fordern, wird jetzt mehr Zeit zu dessen Rettung gefordert.

Im Prinzip läuft das auf dasselbe hinaus. Mehr Zeit heißt auch zusätzliches Geld für Griechenland, denn die bisher zugesagten Mittel sind ja bereits verplant. Da der Schuldenabbau Griechenlands jedoch nicht entsprechend planmäßig verläuft, entstehen neue Defizite, nicht mit mehr Zeit, sondern mit mehr Geld seitens der Geldgeber, d.h. der EU-Kommission, der EZB und des IWF aufgebracht werden müssten. Das ist die simple Wahrheit.

Parallel dazu droht die Opposition Syriza in Griechenland gleichzeitig mit sozialen Unruhen.[3] Mithin kann sich die Regierung so oder so exkulpieren. Macht sie noch weitere Sparanstrengungen scheitert sie an den sozialen Unruhen in Griechenland. Macht sie das nicht, dann braucht sie mehr Geld.

Über neue Wege des Schuldenabbaus wie beispielsweise eine generelle Immobilienabgabe, die insbesondere auch die Reichen Griechen trifft, wird von keiner Seite nachgedacht. Es sind immer die Ärmsten, die auch in Griechenland die Zeche zahlen sollen. Die Millionäre – und dazu zählen auch Samaras und zahlreiche griechische Spitzenpolitiker – vermeiden alles was ihnen persönlich einen finanziellen Schaden zufügen könnte. Man hat eben den Bock zum Gärtner gemacht. Die griechische Tragödie wird damit immer mehr zur Schmierenkomödie. Während das sogenannte smart money der reichen Griechen sich bereits jetzt ins Ausland absetzen konnte, sollen entweder die armen Griechen oder am Ende die anderen armen Europäer die Suppe auslöffeln, denn einer muss ja am Ende die Zeche zahlen. Die Reichen in Griechenland oder anderswo jedenfalls nicht.

Je mehr Hilfsgelder nach Griechenland fließt desto mehr fließt es in fremde Taschen und hilft den armen Griechen nicht. Ein korruptes Staatswesen und parallel dazu auch in der Privatwirtschaft – wer zahlt dort schon freiwillig seine Steuern – werden jeden externen Sanierungsversuch vereiteln. Da hilft auch kein Gutmensch à la Jean Claude Juncker.

Der hat ja unter anderem auch die Interessen Luxemburgs als europäischer Finanzplatz im Auge und müsste bei einer europäischen Finanzmarktkrise im Zuge des Rauswurfs Griechenlands, um Luxemburgs Wirtschaft fürchten. Wenn er also Griechenland gegen die Forderungen aus Deutschland verteidigt, dann auch aus einem wohlverstandenen Eigeninteresse. Honi soit qui mal y pense.

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5 Gedanken zu „Griechenland: Time is Money

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