Draghi plant permanente Euro-Flut

Nachdem Mario Draghi vor zwei Wochen angekündigt hat alles tun zu wollen um den  Euro retten[1], nehmen seine Pläne allmählich Gestalt an. Es war eine erneute gewaltige Liquiditätsspritze wie zuletzt im Dezember 2011 und Februar 2012 erwartet worden. Europäische Banken konnten sich mit rund 1 Billion Euro für eine Laufzeit von drei Jahren mit nahe Nullzinsen mit Liquidität eindecken. Genutzt hat das mittelfristig wenig. Nach kurzer Zeit war der Effekt, der insbesondere auch die Refinanzierung der klammen PIIGS-Staaten über den Sekundärmarkt für längere Zeit sichern sollte, verpufft. Geld verdampft offenbar im europäischen Bankensystem wie Schnee in der heißen Sonne. Jetzt soll ein permanenter Ankauf von Staatsanleihen aus den Krisenländern deren Nöte beseitigen.[2] Gegen die direkte Refinanzierung über den sogenannten Primärmarkt hat sich die Bundesbank unter Jens Weidmann seit dem ersten Ankauf im Mai 2010 immer wieder gestemmt. Axel Weber trat zurück und nach ihm das Direktoriumsmitglied der EZB Jürgen Stark.

Jetzt nimmt Draghi auf die Bedenken der Bundesbank keine Rücksicht mehr.  Als Begründung dient ihm die Spekulation der Märkte gegen die einzelnen PIIGS-Staaten. Sie treibe die Zinsen auf unfaire Höhen und daher – so die Logik von Draghi – wird nun die EZB entscheiden wie hoch die Zinsen in den jeweiligen Ländern für Staatsanleihen steigen dürfen. Die EZB wird ein Zinsparitätengrid vorgeben und immer Staatsanleihen von Ländern aus der Eurozone ankaufen, deren Zinsen höher steigen als von der EZB-Spitze als angemessen angesehen wird. Da damit die EZB sich explizit zur unbegrenzten Monetisierung der Staatsschulden verpflichtet ist dann, wenn diese Regelung kommt, der letzte Damm gebrochen. Die EZB finanziert unbegrenzt Staatsschulden über den Primär- oder Sekundärmarkt. Jeder der also will kann seine Papiere die er gerne an die EZB loswerden möchte an diese verkaufen. Einzige Bedingung die Zinsen der einzelnen Länder drohen über das Zinsziel der EZB zu steigen. Das Ganze ist ein Feigenblatt, um den eklatanten Bruch der Maastricht-Verträge zu kaschieren. Es ist das Ende des Marktes für Staatsschuldverschreibungen wie er zuvor existierte.

Das das wenig die Spekulation daran hindert diese Selbstbindung auszunutzen müssen gerade die Schweizer erfahren. Wegen der massiven Kapitalflucht in die Schweiz wurde von der Schweizerischen Nationalbank ein festes Wechselkursziel zum Euro von 1,20 Euro zum Schweizer Franken ausgerufen und Euro in unbegrenzter Menge durch sie angekauft, wenn der Kurs unterhalb diese Marke zum Euro zu sinken drohte. Seitdem schießen die Euro-Währungsbestände der Schweiz dramatisch nach oben. Sie liegen bereits auf knapp 500 Mrd. Euro.[3] Genutzt hat dies mithin gegen die Spekulation nichts. Jetzt will Draghi das gleiche unsinnige Experiment wiederholen.

Es stellt sich daher die Frage, wie lange sehen die Nordländer der Eurozone seinem Treiben noch tatenlos zu? Irgendwer muss ja am Ende die exorbitante Zeche zahlen?

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11 Gedanken zu „Draghi plant permanente Euro-Flut

  1. Jetzt zeigt sich die erste Reaktion aus Spanien. Statt Finanzhilfen des EFSF soll eben die EZB spanische Staatsschuldverschreibungen aufkaufen. Ohne Auflagen versteht sich.

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/schuldenkrise-spanien-ezb-soll-unbegrenzt-staatsanleihen-aufkaufen-11860173.html

    Der Konflikt beinhaltet daher EFSF/ESM versus EZB. Auflagen und strikte Kontrolle durch den EFSF/ESM oder Geld ohne diese von der EZB. Die Antwort aus Spanien ist klar.

  2. Anlass für Jubel?

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/eurokrise-das-vertrauen-in-die-waehrungsunion-waechst-wieder-12306159.html

    „Der deutliche Rückgang der Bilanzsumme der EZB von 3102 Milliarden Euro im Juni 2012 auf zuletzt 2398 Milliarden Euro ist vor allem auf die Rückzahlung von Krediten durch Banken zurückzuführen und steht für ein Stück Normalisierung, das sich bei anderen Zentralbanken noch nicht beobachten lässt.“

    Das hat wenig mit OMT zu tun. Es sind zu einem erheblichen Teil vorzeitige Rückzahlungen aus der „Dicken Bertha“. Damals wurde Liquidität von den Geschäftsbanken gehortet. Wegen der andauernden Rezession in der Eurozone braucht man diese aber nicht, weil die Kreditnachfrage rückläufig ist. Die Geldmenge schrumpft weil die Wirtschafts schrumpft. Geld was gehalten wird ohne es ausleihen profitabel zu können, aber am Ende doch etwas kostet, wird dann einfach an die Zentralbank rückerstattet.

    siehe hierzu auch

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/eurokrise-das-vertrauen-in-die-waehrungsunion-waechst-wieder-12306159.html

    „Den Peripherieländern gelang es nicht mehr, ihre Leistungsbilanzdefizite privat zu finanzieren. Außerdem fand eine Kapitalflucht aus dem Süden statt. Die stark steigende Gläubigerposition der Bundesbank weckte in Deutschland Sorgen, im Falle eines Zusammenbruchs der Peripherie würden erhebliche Belastungen auf die Steuerzahler zukommen.“

    Wenn die Target2-Salden rückläufig sind, dann liegt das auch an anderen Faktoren. Die Leistungsbilanzdefizite der Krisenländer sinken und es werden in einigen Ländern Überschüsse erzielt. Allerdings geht die bisherige Konsolidierung der Leistungsbilanz mit massiven Wachstumsverlusten und hoher Arbeitslosigkeit einher. Die Leistungsbilanz wird über die Importeseite her konsolidiert. Erst wenn es zu einer Rückkehr zu Wirtschaftswachstum und Leistungsbilanzüberschüssen kommt, sind die Krisenländer über den Berg. Hinzu kommt, dass die EZB Risiken an den ESM abgetreten hat bzw. abtreten kann. So erhielten spanische Geschäftsbanken über den ESM zuletzt 80 Mrd. Euro.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/esm-hilfen-schaeuble-will-banken-hoechstens-80-milliarden-euro-geben-a-882989.html

    „Italien und Spanien plazieren seit einem Jahr ihre Anleihen problemlos bei deutlich rückläufigen Renditen von derzeit rund 4,5 Prozent für zehnjährige Papiere. “

    Das kann mit Spekulationen über eine kommende Bankenunion und einem europäischen Bankenabwicklungsfond zusammenhängen. Im Gegenzug steigen die Renditen der Nordländer.

    „Das heißt, dass ein Investor zur Absicherung von Bundesanleihen über 10 Millionen Euro gegen einen Zahlungsausfall eine jährliche Prämie von 29 000 Euro zahlen muss. CDS auf Schweizer Anleihen kosten 35 Basispunkte, CDS auf amerikanische Anleihen 25 Basispunkte.“

    So klar ist das ganze nicht. Die Umlaufrendite Deutschland hat ihren Tiefpunkt hinter sich.

    http://www.comdirect.de/inf/zinsen/detail/chart.html?timeSpan=1D&ID_NOTATION=10407739#timeSpan=1Y&e&

    Es kommt also immer darauf an, wie man die Daten interpretiert. Ein OMT-Gläubiger sieht nur Erfolge ein Skeptiker nicht.

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