Anonymus Märkte und Eurokrise

Seit nun rund zweieinhalb Jahren entfaltet sich die Eurokrise und es gibt einen anonymen Täter. Er heißt die Märkte. Wenn ein Land anfängt zu straucheln, d.h. die Zinsen für die Refinanzierung der Staatsschulden dramatisch ansteigen und damit das Land in die Schuldenfalle gerät, d.h. es wird de facto insolvent, dann lautet der Täter die Märkte. Das Schöne daran ist, dass die Täter anonym bleiben können. Es sind nicht die Kapitalflüchtlinge aus Griechenland, das sogenannte Smart Money der reichen Griechen, die durch ihre Kapitalflucht das Land in den Bankrott treiben, sondern eben die Märkte. Es sind auch nicht hochspezialisierte Hedgefonds, die mittels ungedeckte Leerverkäufe oder synthetischer Derivate z.B. aus gebündelten Credit Default Swaps das sogenannte Schattenbankensystem hinter denen in der Regel erneut große Vermögen stehen, die eben eine Rendite von 25 Prozent plus als Naturrecht für ihr Vermögen ansehen, möglichst steuerfrei, sondern eben mal wieder die Märkte. Das Mantra die Märkte haben entschieden, dass dies oder jenes geschieht sind zu ein einem beliebten Spiel insbesondere der Zocker aus der Wall Street oder der Londoner City geworden. Versuche diesem Treiben ein Ende zu bereiten scheitert regelmäßig am Widerstand der jeweiligen Eliten und insbesondere der Regierungen dieser Länder. Schließlich muss man ja die wirtschaftlichen Interessen seines Landes wahren.

Die Deindustrialisierung der USA und Großbritanniens ist hausgemacht

Nachdem die USA und Großbritannien sich aufgrund der Strategie gerade ihrer Großkonzerne alle Industrieprodukten ins kostengünstige Ausland insbesondere nach China auszulagern, der Prophet dieser Ideologie heißt Benjamin Friedman  mit seinem Standardwerk Die Welt ist flach. Der Starcolumnist der New York Times besingt daran die wohltätige Wirkung der ungezügelten Globalisierung. Das hat mit zur Folge, dass eben Apple zwar seine Produkte noch weitgehend in den USA entwickelt, aber danach die komplette Fertigung in Shenzen von Foxconn unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen im Auftrag von Apple durchgeführt wird. Mit massiven Wettbewerbsbeschränkungen und einem Produktkult um seine Produkte fährt so der Konzern gigantische Gewinne ein, die er leider –schließlich ist die Nachfrage auch nach all den iPods, iPhone und MacBooks nicht unendlich nicht in die gleichen Produkte investieren kann.

The winner takes it all – lautet ein anderes Managementbuch aus der Harvard Business School. Darin beschreiben die Autoren, dass moderne Produktionen immer mehr einer Lotterie gleichen. Wer im Innovationswettbewerb eine Niete zieht, der geht eben leer aus, die die da Großen Loses ziehen, kassieren alle Gewinne ein. In diesem mörderischen Wettbewerb ist für Normalos kein Platz mehr. So gehört eben auch die ehemals stolze Mittelklasse in den Ländern zu den Verlierern. Derzeit sitzen so die US-Großkonzerne auf rund 2 Billionen US-Dollar und wissen nicht wo sie sie gewinnbringend anlegen können. Gleichzeitig erhalten mittelständische Unternehmen oder auch Immobilienbesitzer kaum noch zinsgünstige Kredite.

Die Krankheit heißt Kasinokapitalismus                               

Diese Misswirtschaft, die das Ergebnis des angelsächsischen Wirtschaftsmodells des Kasinokapitalismus ist, versucht nun, da die globale Zockerei der verschiedenen Akteure immer riskanter wird, da keiner mehr die selbst geschaffenen wilden Kursbewegungen richtig einschätzen kann, führt zur Marktmythologie. Die Märkte erscheinen den Zauberlehrlingen immer mehr als autonomes Subjekt. Computergesteuerter Derivatehandel treibt immer mehr die Märkte an. Wegen der weitgehenden v on fundamentalen Faktoren losgelösten Volatilität, die immer mehr chaotische Züge trägt, müssen die Zentralbanken diesen Moloch mit immer neuer Liquidität füttern. Aber ob Quantitative Easing Eins oder Zwei oder Operation Twist der Fed, die Liquidität schmilzt rasant wie Schnee in der Sonne dahin. Ob Draghi mal kurz 1 Billion Euro in die Finanzmärkte pumpt. Alle zwecklos, den das Zockersystem verschlingt auch diese exponentiell steigenden Summen in kürzester Zeit.

Die Regierungen sind so zu Sklaven der Märkte geworden

Trotz allen Mühens sind sie die Hasen im Hae-Igel-Spiel. Ick bin all hier schallt’s ihnen entgegen, sobald sie von ihren letzten Rettungsgipfeln wieder zuhause angekommen sind. Reicht nicht, die Märkte wollen mehr. !00 Milliarden Hilfskredite für spanische Banken, peanuts. Ein Schuldenschnitt von rund hundert Milliarden für Griechenland, reicht nicht. Mehr immer mehr lautet die Forderung des Finanzmarktmolochs. Da dieser Anonymus offenbar nicht zu packen oder gar zu bändigen ist, sucht man nach anderen Schurken. Deutschland mit seiner Politik sich nicht in die totale Abhängigkeit der Finanzmärkte treiben lassen zu wollen, ist dafür prädestiniert. Weil das Kapital derzeit in immer größeren Mengen nach Deutschland schwappt anstelle dort zu bleiben wo es dringendst benötigt wurde, sind die Neider aus diesen Ländern nicht weit. Die verzweifelte Bevölkerung und deren hilflose Regierungen geben eben den Deutschen die Schuld an dem Miserere.

Die Legende von Deutschland als Retter des Eurosystems

Wenn Deutschland nur in die Kollektivhaftung mit den anderen Ländern einträte und die EZB unbegrenzt Liquidität für alle bereitstellte, dann wird alles gut. Die blöden und misstrauischen Deutschen haben diesen Herzenswunsch der Finanzmärkte nur nicht kapiert und weigern sich. Damit werden sie zum Sünderbock eines aus den Fugen geratenen Finanzsystems. Schöne Aussichten. George Soros sagt bereits was uns blüht. Man wird die Deutschen hassen. Die Hassprediger – und diesmal sind es nicht die Islamisten – sitzen aber in den Banktürmen der internationalen Großbanken. Sie zittern inzwischen selbst vor dem von ihnen als Zauberlehrlingen im Gang gesetzten Chaos. Aber schuld sind immer die anderen. Was ist da wohlfeiler haltet den Dieb zu rufen, und Deutschland an den Pranger zu stellen. Damit kommt man vielleicht ungeschoren davon, wenn der kaum noch aufzuhaltende Kollaps schlussendlich eintritt. Nicht wir –die gierigen Banker und Milliardäre sind es gewesen, sondern eben mal wieder die Deutschen. Wie schön, dass man unerkannt unter dem Tarnmantel der Märkte so schön Schuldzuweisungen verteilen kann. Anonymus hat zugeschlagen und es sind nicht die von der Occupy-Wall- Street-Bewegung, sondern eben die Wall Street und Londoner City höchst persönlich. Leider fehlt es uns derzeit an einem Sherlock Holmes, der die wahren Täter entlarvt und hinter Schloss und Riegel bringt. Die Ironie der Geschichte: Die Märkte werden am Ende jedoch die eigentlichen Opfer sein. Bricht die Geldillusion zusammen, dann sind all die schönen Nullen auf den diversen Computersystemen eben auch nichts mehr wert. Sie stehen nicht mehr hinter natürlichen Zahlen, sondern einsam und allein als einsame Null. Aus Nichts wird Nichts gilt dann endlich wieder. Es stimmt schon. Finanzderivate haben sich zu Massenvernichtungswaffen entwickelt.

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2 Gedanken zu „Anonymus Märkte und Eurokrise

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