Joachim Gauck: Deutschlands oberster Seelsorger

Nach dem unrühmlichen Abgang des Berufspolitikers und Schnäppchenjägers Christian Wulff als Bundespräsident, kittet Joachim Gauck[1] mit einem neuen Stil das ramponierte Image des Amtes im In- und Ausland. Mit seinen Reisen nach Polen[2] und jetzt Israel[3], ist es mit seinem unprätentiösen Stil gelungen sich Sympathien zu schaffen. Offenbar ist es seine Art Dinge anzusprechen, die dem was er sagt, Glaubwürdigkeit verleiht. Bleibt zu hoffen, dass ihm das auch weiterhin gelingt.

Was lernen wir daraus?

Offenbar ist für dieses Amt jemand mit einer Lebenserfahrung, die auch Brüche und Konflikte kennt, die man durchlebt haben muss, ein wichtiger Baustein, um den richtigen Ton im Umgang mit Menschen zu treffen. Hinzu kommt, dass er als Pfarrer die Kunst des einfühlenden Umgangs mit unterschiedlichen Menschen gelernt hat. Soziale Kompetenz, d.h. Einfühlungsvermögen in die Befindlichkeiten der verschiedensten Menschen und Kulturen, ist eine wichtige Voraussetzung zum Dialog. Nicht unnahbare Ferne eines Amtsträgers, sondern das auf die Bürger und Menschen Zugehen ist eine wesentliche Fähigkeit, um Popularität zu erlangen.

Deutsche betätigen sich zunehmend weltweit als Seelsorger

Nachdem Josef Ratzinger als Papste gewählt worden ist, ist es nun der zweite Kirchenmann, der ein Spitzenamt zwar nicht in der Kirche, aber in der Politik wahrnimmt und damit breite Zustimmung findet. Der Erfolg von kirchlichen Repräsentanten zeigt wohl auch, dass die Rolle der Ethik in der Gesellschaft weltweit an Bedeutung gewinnt. Nach Jahren in denen persönlicher Egoismus und asoziales Gewinnstreben das gesellschaftliche Klima immer mehr den sozialen Frieden gefährdet, ist die Nachfrage nach geistig-politischen Repräsentanten, die dieser Entwicklung überzeugend entgegen treten können, deutlich gewachsen.

Nach der schrecklichen Geschichte Deutschlands unter dem Nationalsozialismus hat dieser Kulturwandel in Deutschland insbesondere auch außerhalb Deutschlands einen hohen Symbolwert. Schon Willy Brandt hat mit seiner Demut gegenüber dem Verbrechen Deutschlands unter dem Nationalsozialismus eine maßgebliche Korrektur des Bildes der Deutschen im Ausland eingeleitet. Trotz der wegen der Eurokrise immer wieder aufflammenden Hetze gegen das jetzige Deutschland – man denke an die Nazi-Vergleiche Merkels mit Hitler – begreift man doch zunehmend, dass dieses Zerrbild der Deutschen das ist was es ist. Ein Zerrbild eben.

Wenn es gelingt diese Wahnvorstellungen noch weiter abzubauen und ein mehr entspanntes Verhältnis zu unserer Umwelt und uns selbst zu gewinnen und nicht in den alten Hochmut zurückzufallen, dann muss einem um die Zukunft Deutschland nicht bange sein. Hoffen wir, dass diese Entwicklung sich fortsetzt trotz rechtsradikaler Umtriebe und Morde wie der der NSU.[4] Mehr Seelenfrieden mit den anderen und mit uns selbst kann allen nur gut tun.

Mehr Moral und Ethik in Politik und Wirtschaft ist jedenfalls die Forderung unserer Zeit nach einer Zeit der Exzesse.

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