Droht eine Welle von Austritten aus der Eurozone?

Die Nerven liegen blank. Je mehr sich die Kapitalflucht aus den Euro-Krisenländern ausbreitet, die automatisch eine Bankenkrise auslöst, desto mehr wächst der Druck auf die Regierungen der Länder einen Austritt ihres Landes aus der Eurozone in Erwägung zu ziehen. Nur durch Kapitalverkehrskontrollen und die Einführung einer eigenen Währung hoffen sie die Situation noch unter Kontrolle zu bekommen.

Griechenland ist so gut wie bankrott                          

Eigentlich rechnet kaum noch jemand mit einem Verbleib der Griechen in der Währungsunion. Trotz aller Beteuerungen der Regierungschefs und Finanzminister Griechenland auch weiterhin in der Eurozone noch halten zu wollen, ist der Zerfall der politischen Strukturen und der griechischen Wirtschaft soweit fortgeschritten, dass sich eine glaubwürdige Konsolidierung Griechenlands in der bisher geplanten Form nicht mehr umsetzen lässt.[1] Egal wie die Wahl am Ende ausgehen wird[2], es gibt keine Lösung der Griechenlandkrise mehr ohne einen Staatsbankrott, der die bestehenden Forderungen des Auslands gegenüber Griechenland nicht mehr bedienen wird. Es gibt kein Feigenblatt das groß genug wäre, um die Blöße der Griechen zu bedecken. Zu einem bedingungslosen Schuldenerlass sind aber die ausländischen Gläubiger nicht bereit. Wie sagte Nikos Dimou in seinem Buch, Über das Unglück ein Grieche zu sein, so treffend. Andere Völker haben Institutionen, wir Griechen haben nur Luftspiegelungen.

Italien steht am Abgrund

Berlusconi, der immer noch in Italien im Hintergrund anstelle von Mario Monti die Fäden zieht, hat offen mit einem Austritt Italiens gedroht, wenn den italienischen Geschäftsbanken nicht weiterhin unbegrenzte Liquidität seitens der EZB oder auch dem EFSF zur Verfügung gestellt wird.[3] Unterstützung findet Berlusconi bei Mario Monti und dem italienischen Zentralbankchef.[4]

Spanien kämpft verzweifelt um eine Bankenrettung

Wer zu spät handelt, den bestraft das Leben, könnte man in Memoriam an Gorbatschow der spanischen Regierung zurufen. Viel zu lange hat man die spanischen Sparkassen und Banken nicht zur Offenlegung ihrer faulen Kredite gezwungen und durch die Einrichtung eines spanischen Soffin und entsprechender Bad Banks das spanische Bankensystem stabilisiert.[5] Dadurch konnte die Immobilienkrise immer weiter um sich greifen. Die Kreditklemme der spanischen Wirtschaft führte infolgedessen zu einem raschen Absturz der spanischen Wirtschaft. Jetzt wo die massive Kapitalflucht eingesetzt hat, ist guter Rat teuer. Der Staat kriegt am Kapitalmarkt kein Geld mehr zu vertretbaren Zinsen.[6] Der EFSF ist unterkapitalisiert und kann nicht schnell genug handeln.

Der ESM kann auch nicht helfen

Die Schnapsidee den ESM, der überhaupt noch gar nicht existiert jetzt zur Refinanzierung der angeschlagenen Geschäftsbanken einzusetzen,  dürfte auch zum Scheitern verurteilt sein.[7] Es dürfte auch AM Widerstand in Deutschland scheitern.

EZB ist ebenfalls de facto insolvent

Der EZB-Chef Mario Draghi unterstützt ebenfalls diese Bestrebungen Italiens.[8] Allerdings sind der EZB inzwischen die Hände gebunden. Man hat eigentlich schon weit über das zulässige Maß Geldschöpfung in der Vergangenheit betrieben in dem man Staatsschuldverschreibungen von Krisenländern wie Griechenland, Italien und Spanien aufgekauft hat.

Man hat das Target2-System[9] für eine massive Liquiditätsversorgung der Banken dieser Länder missbrauchen lassen, man hat rund eine Billion Euro an Liquidität erst im Dezember 2011 und Februar 2012 für drei Jahre den kriselnden Banken zur Verfügung gestellt und darüber hinaus noch massiv über die ELA Notkredit[10] ausgereicht. Dabei hat man massiv die Bonitätsregeln für die Rediskontierung der als Sicherheiten dafür eingereichten Papiere missachtet. Der EZB droht daher im Falle von Staatsbankrotten einiger Mitgliedsländer selbst inzwischen die Insolvenz.

Der IWF als Lender-of-Last-Resort

Der letzte mögliche Kreditgeber bleibt daher der IWF. Allerdings kann der ja nun auch nicht schalten und walten wie es ihm gefällt.  Er ist eigentlich auch zur Staatenrettung und nicht zur Rettung von privaten Geschäftsbanken da. Mithin müsste Spanien einen Notkredit beim IWF beantragen. Ob die Zeit ausreicht, um diesen dann auch noch rechtzeitig zu erhalten, kann jedoch bezweifelt werden.

EU-Kommission hilflos

Mithin treibt die Eurozone einer ungewissen Zukunft entgegen. Selbst Olli Rehn, der Währungskommissar der EU-Kommission muss einräumen, dass die Gefahr eines Zerbrechens der Eurozone nicht mehr von der Hand zu weisen ist.[11]  Geschieht also nicht noch ein Wunder, dann könnte das Experiment Währungsunion noch vor dem nächsten Treffen der Regierungschefs Ende Juni bereits beendet sein.[12] Der Markt ist allemal schneller als die Politik .Am Ende könnte dann als Ergebnis stehen, dass too-little-to-late an Rettungsmaßnahmen eingeleitet worden ist, um das marode Währungssystem noch vor dem plötzlichen Zusammenbruch zu retten.

Die Politik mag dann das übliche blame game starten, es wird nichts mehr nützen.

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7 Gedanken zu „Droht eine Welle von Austritten aus der Eurozone?

  1. esm-rettungsschirm: die europäischen regierungen versuchen das feuer mit benzin zu löschen !
    ein irrer ist menschlich = irre sind menschen = menschen sind irre !

  2. Joschka Fischer., Beggar-thy-neighbor-policy und politisches Flagellantentum

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article106411605/Joschka-Fischer-Europa-steht-heute-am-Abgrund.html

    Zitat:
    „Fischers Schlssufolgerung: Deutschland müsse sich für die Fiskalunion entscheiden. „Und das heißt, dass Deutschland schlussendlich das finanzielle Überleben der Euro-Zone mit seiner Wirtschaftsmacht und seinem Vermögen wird garantieren müssen.“ ebenda

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