Griechenland: Die Bargeldökonomie

In Griechenland findet ein massiver Abzug der Gelder der Privatkunden von den Geschäftsbanken statt.[1] Von 700 Mill. Euro täglich ist die Rede. Finanziert wird diese massive Bargeldschöpfung durch die griechische Zentralbank, die die griechischen Geschäftsbanken mit der dafür notwendigen Liquidität versorgt. Sowohl über die Target2-Salden als auch durch die Emergency Liquidity Assistance  (ELA)[2] pumpt die griechische Zentralbank das Land mit Bargeld voll.  Was steckt dahinter?

Die Griechen wollen den Euro behalten

Es gibt einen breiten Konsens unter den Griechen, dass man den Euro behalten möchte. Man weiß nur zu genau, dass eine mögliche neue Drachme massiv an Wert verlieren würde.  Was liegt da näher sich mit Euro-Bargeld soweit wie möglich einzudecken. In vielen Ländern mit chronisch hochinflationärer Währung gibt es in der Regel ein System der Parallelwährung. Ob in China, Vietnam oder Kambodscha  wird der US-Dollar ein Parallelwährungssystem neben der jeweiligen Landeswährung unterhalten. Als Wertaufbewahrungsmittel dient dann die Fremdwährung und die eigene dient nur dem normalen Zahlungsverkehr. Eine ähnliche Parallelwährungsstruktur scheint jetzt auch in Griechenland bereits jetzt zu entstehen. Sollte es zu dem sogenannten Grexit (Greek Exit)[3] kommen, dann befinden sich so viel Euros als Bargeld im Umlauf, dass man in Rahmen einer Bargeldökonomie neben einer möglichen griechischen Drachme auch noch den Euro als Parallelwährung einsetzen wird. Diese Situation gilt ja auch bereits für andere EU-Mitgliedsländer außerhalb der Eurozone. Mithin dürfte eine kommende griechische Regierung große Schwierigkeiten bekommen, wenn sie versucht eine eigene Währung wie die Drachme gegenüber dem Euro bei der Bevölkerung durchzusetzen. Sicherlich kann man soweit es die Souveränität des Staates betrifft mittels Kapitalverkehrskontrollen und dem Zwang die neue Währung im normalen Zahlungsverkehr zu verwenden, diese versuchen bei den eigenen Bürgern durchzusetzen, aber es dürfte ein erheblicher Widerstand zu überwinden sein.

Die EZB wird sich viele Fragen gefallen lassen müssen

Die Europäische Zentralbank insbesondere ihr Präsident Mario Draghi wird sich – sollte dieses Szenario Wirklichkeit werden – viele Fragen seitens der Bürger der anderen Mitgliedsländern und der politischen Repräsentanten wie Regierungen und Parlamente gefallen lassen müssen, warum er diesem Prozess weitgehend tatenlos zugesehen hat. Wenn man die Glaubwürdigkeit der EZB fundamental erschüttern will, dann ist Mario Draghi und die anderen Mitglieder des Zentralbankrates auf einem guten Weg hier das bisher noch vorhandene Vertrauen in den Euro zu verspielen. Ein Verweis auf die Satzung der EZB dürfte am Ende nicht ausreichen.  Der Vorwurf wird lauten, man hätte tatenlos ein Milliarden-Desaster zugesehen. Die Bürger der anderen Mitgliedsländer insbesondere in Deutschland werden daraus ihre Schlüsse ziehen.

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4 Gedanken zu „Griechenland: Die Bargeldökonomie

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