Facebook-IPO: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Jetzt steht der Emissionskurs der Facebook-Aktie fest. 38 US Dollar sind es geworden, d.h. der Ausgabekurs liegt exakt am oberen Rand der bookbuilding-Spanne. Wegen der hohen Nachfrage wurde das Volumen vorher dreimal noch deutlich angehoben. Insgesamt könnte der Börsengang rund 16 Mrd. US Dollar in Kasse der bisherigen Eigentümer mit Mark Zuckerberg an der Spitze gespült haben. Wird von der Mehrzuteilungsoption Gebrauch gemacht, dann können es am Ende sogar noch 18,4 Mrd. US Dollar werden. Ein voller Erfolg also oder doch nicht?

Für Mark Zuckerberg und die anderen Anteileigner des Börsengangs ist der Börsengang sicherlich eine große Erfolgsgeschichte. Ob es sich für die Käufer am Ende lohnt erscheint jedoch zweifelhaft. Es könnten zu viele Spekulanten, die auf ein schnelles Geld durch einen Kursanstieg der Aktie setzen, dabei sein. Hinzu kommt, dass viele Anleger an die Google-Story glauben. Google ging am 1. August 2004 an die Börse. Nach anfänglichen Problem beim Börsengang – dort musste der Emissionskurs von zunächst 100 US Dollar gesenkt werden – stieg der Kurs sofort auf über 100 US Dollar und liegt derzeit bei rund 500 US-Dollar. Mithin eine große Erfolgsstory für die Anleger.

Es gibt aber auch Gegenbeispiele. AOL war einstmals ein shooting star der Internet-Ökonomie. Es machte zunächst in den USA und danach weltweit sich mit seinem proprietären e-mail-Diensten und als Internet Service Provider (ISP) populär. Auf dem Höhepunkt der Internet-Blase im Jahr 2000 gelang ihm die Übernahme der Medienkonzerns Time Warner durch einen Aktientausch. Danach ging es dann nach dem Platzen der Internet-Blase stetig bergab. Am Ende wurde AOL von den ehemaligen Mehrheitseignern von Time Warner in den Time Warner Konzern eingegliedert und vorübergehend sogar an Google verkauft. Das Geschäftsmodell von AOL, ISP plus e-mail, hatte sich als unzureichend ertragreich erwiesen.

Dieses Schicksal könnte auch Facebook drohen. Facebook erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 3,7 Milliarden US Dollar. Dabei konnte ein Gewinn von 1 Mrd. US Dollar erzielt werden. Wenn jetzt das Unternehmen mit einem Börsenwert von über 100 Mrd. US Dollar bilanziert wird, dann zeigt sich bereits welch rosige Zukunft hinsichtlich Umsatz- und Gewinnwachstum unterstellt werden muss, um den derzeitigen Aktienkurs von der Ertragsseite zu rechtfertigen. Das Geschäftsmodell von Facebook ähnlich wie Google mittels Werbeeinnahmen seine Gewinne zu steigern, erscheint zweifelhaft. Zuletzt hat General Motor, der weltweit zweitgrößte Werbetreibende,  seine Werbeanzeigen bei Facebook eingestellt, da offensichtlich der Werbeerfolg über das soziale Netzwerk ausblieb. Mithin könnte sich rasch zeigen, dass das Einnahmemodell von Facebook über Werbeeinnahmen auf tönernen Füßen steht. Bleibt als zweites wichtiges Standbein der Datenhandel. Die Teilnehmer bei Facebook haben bisher einen großen Teil ihrer persönlichen Daten oftmals ahnungslos zur kommerziellen Nutzung zu Verfügung gestellt. Durch Profiling der einzelnen Nutzer oder ganzer Nutzergruppen soll so gezielt ein Mehrwert für die Käufer solcher Nutzerprofile entstehen. Allerdings sind auch hier gewisse Zweifel angebracht. Trotz all der Hype um den gläsernen Bürger bleibt äußerst fraglich, ob die dadurch gewonnen Daten wirklich so wertvoll sind, wie man der Öffentlichkeit suggerieren will. Welchen ökonomischen Wert hat das chatten von oftmals pubertierenden Jugendlichen? Klar wir kennen die Chance zu erkennen welche Trends in der hochgradig fraktionierten Community gerade angesagt sind. Man kann auch versuchen durch virales Marketing über soziale Netzwerke selber Trends zu setzen. Aber rechtfertig dies den derzeitigen Börsenkurs? Die Jugendkultur unterliegt einem schnellen Wandel, was in oder out ist. Es könnte daher leicht passieren, dass wie die Szenekneipe auch Facebook in absehbarer Zeit out ist. Anzeichen dafür gibt es bereits folgt man aktuellen Analysen z. B. des Spiegels in Deutschland. Mithin könnte auch Facebook rasch trotz der reklamierten mehr als 900 Millionen registrierten Nutzer die Luft ausgehen. Aus Facebook würde so eher ein Fall AOL denn ein Fall Google. Zuckerberg kann es egal sein. Er hat dann ja bereits Kasse gemacht.

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10 Gedanken zu „Facebook-IPO: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

  1. Facebook war / ist eine Besonderheit der Unternehmensbewertung. Aufgrund des immensen Wachstums und der Innovationskraft sind „alte“ Methoden der Unternehmensbewertung nicht anwendbar. Sicherlich muss man die Bewertung auch realistisch betrachten. Ein ewig progressives Wachstum gibt es nicht! Das Ziel eines IPOs, möglichst viel Geld einzunehmen, wurde eindrucksvoll erreicht. Nach und nach spiegelt der Aktienkurs jetzt den wirklichen Unternehmenswert /-preis wider!

  2. Pingback: It’s Baack: Die nächste Finanzblase ist da! | My Blog

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