Nobert Röttgen und das Ende der Prinzlinge

Es ist noch nicht solange her, da gab es eine Troika in der CDU/CSU von potentiellen Merkel-Nachfolgekandidaten. Neben Ursula von der Leyden[1] wurden zunächst Karl-Theodor zu Guttenberg[2] und Norbert Röttgen[3] als potentielle Nachfolger gehandelt. Ein weiterer potentieller Kandidat war Christian Wulff[4], der in diesem Jahr sein Waterloo erlebte.

Ursula von der Leyden

Als einzige hat Ursula von der Leyden bisher überlebt. Sie musste jedoch nach Merkels Machtwort ihre Ambitionen auf das Amt des Bundespräsidenten begraben. Als Arbeitsministerin bleibt sie auf die Zustimmung der Kanzlerin und der konservativen Koalitionspartner angewiesen. Sie musste bei der Umsetzung des Bundesverfassungsgerichtsurteils zur Höhe des Kindergelds für Sozialhilfeempfänger sich auf einen unangenehmen Kompromiss einlassen. Beim Mindestlohn blockieren die Konservativen aus CDU/CSU und FDP einen raschen Fortschritt. Da zurzeit noch eitel Sonnenschein beim Arbeitsmarkt herrscht, bleibt für sie ansonsten wenig zu tun. Sie kann nur hoffen, dass die Konjunktur und der demographische Wandel den Arbeitsmarkt weiterhin in ein sonniges Licht taucht.

Karl-Theodor zu Guttenberg: Prinzling No. 1

Als Wirtschaftsminister wider Willen stoppte er die Milliarden Subventionen für Opel. Danach wechselte er rasch ins Verteidigungsministerium, da Guido Westerwelle das Außenministerium – sein eigentlicher Traumjob – für sich beanspruchte. Der shooting star der CSU als Verteidigungsminister kam zunächst in Afghanistan ins stolpern als er die Öffentlichkeit über die Vorgänge bei einem Bombenangriff in Kundus ins Straucheln. In dem er, um seinen eigenen Kopf zu retten, Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Staatssekretär Peter Wichert wegen unzureichender Informationen an ihn  feuerte, verlor er an Reputation, da er hier wohl die Öffentlichkeit belogen hatte. Hinzu kam das Chaos bei der Bundeswehrreform, die seiner Kontrolle entglitten war. Als letzter Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, kamen die massiven Fälschungen bei seiner Doktorarbeit hinzu. In all diesen Krisen zeigte sich ein Mangel an inneren Werten und ein Übermaß an persönlicher Eitelkeit. Schuld waren immer die anderen. Sein Come-back Versuch scheiterte am Ende kläglich. Horst Seehofer musste dem Treiben dann erst ein unwürdiges Ende bereiten. Seitdem ist Guttenberg politisch tot. Als Prinzling für eine Merkel-Nachfolge mausetot.

Norbert Röttgen: Prinzling No. 2

Nach dem Abgang von zu Guttenberg sah Norbert Röttgen seine Chancen auf eine Nachfolge für Merkel steigen. Als Umweltminister hatte er ein attraktives Amt. Nach einer Pirouette bei der Laufzeitverlängerung der AKWs, die er dazu nutze sich als good guy zu profilieren, konnte er sich prifilieren. Nur gegen seinen Widerstand wurde er am Ende auf Druck der Wirtschaftslobby durchgesetzt, hatte er mit dem Ausstieg nach Fukushima zumindest in der Sache einen Punkt für sich gemacht. Jetzt musste er aber auch zeigen, dass er das Zeug dazu besaß, die Energiewende zu managen. Hier zeigte er vergleichbare Schwächen wie zu Guttenberg bei der Bundeswehrreform. Allein beim Abbau der Subventionen für die Photovoltaik preschte er unter dem Druck der FDP vor und scheiterte jetzt am Veto des Bundesrats. Um sich eine Hausmacht zu schaffen machte er sich noch rasch zum Parteivorsitzenden der CDU in NRW nachdem Rüttgers bei der vorletzten Wahl gescheitert war. Hier bewies er jedoch wenig Feingefühl für alte Freunde. Gleichzeitig war er in der Doppelrolle überfordert. Mit der krachenden Wahlniederlage in NRW hat er dafür die Quittung bekommen. Für eine Illoyalität gegenüber Merkel, der er noch schnell die Verantwortung für das NRW-Debakel anhängen wollte, wurde er jetzt auch noch mit dem Rausschmiss aus der Bundesregierung bestraft. Der Ehrgeiz und seine Selbstüberschätzung sind ihm zum Verhängnis geworden.

Christian Wulff: Prinzling No. 3                  

Christian Wulff konnte sich mit knapper Not als Bundespräsident von Merkels-Gnaden etablieren. Allerdings holte auch ihn seine Vergangenheit als niedersächsischer Ministerpräsident ein. Als Unterschichtkind konnte er den Verlockungen der Reichen und Schönen nicht widerstehen. Mangels eigenem Reichtums machte er sich zum Bettelknaben seiner rechen Kumpels, die dafür – man würde sich wundern, wenn es nicht so wäre – Gegenleistungen erwarteten. Diese Mischung aus Eitelkeit, die Bild-Zeitungsredakteure waren lange Zeit seine guten Freunde, Heuchelei hinsichtlich seiner moralischen Integrität und erneut seiner mangelnden Bereitschaft zur Selbsterkenntnis als er als Schnäppchenjäger entlarvt wurde sowie der Lügen gegenüber der Öffentlichkeit bei der Aufklärung, wurde er letztendlich zum Rücktritt gezwungen. Auch er setzte damit neue Maßstäbe hinsichtlich der Egozentrik, unmoralischen Verhaltens und Selbstgerechtigkeit im Amt der Bundespräsidenten.

… und die Moral von den Geschichten?

Offensichtlich sind die jungen Karrieristen aus CDU und CSU für hohe politische Ämter völlig ungeeignet. Der Versuch der Kanzlerin durch die Verjüngung der beiden Schwesterparteien die SPD alt aussehen zu lassen, ist gescheitert. Die Generation der Enkel von Helmut Kohl erweist sich als unfähig. Keine guten Perspektiven für die CDU/CSU. Die Liste ließe sich auch anhand der in den letzten Jahren gescheiterten CDU-Ministerpräsidenten beliebig fortsetzen. Gewogen und für zu leicht befunden. Das Menetekel steht an der Wand.[5]

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3 Gedanken zu „Nobert Röttgen und das Ende der Prinzlinge

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