„Zufall ist ein Wort ohne Sinn; nichts kann ohne Ursache existieren.“

Dieser Ausspruch wird Voltaire[1] zugeschrieben.[2] Dies kennzeichnet ihn als konsequenten Deterministen.[3] Ich stolperte heute in der U-Bahnfahrt darüber. Diese Auffassung ist inzwischen kaum noch aufrechtzuerhalten. Damals dachte man insbesondere in der Astronomie, das alles mit exakten Gesetzen darstellbar sei, d.h. die Naturgesetze frei von Zufallsereignissen sei. Leibniz[4] ein Zeitgenosse sah die Weltformeln durch ein System von deterministischen Differentialgleichungen darstellbar, so dass wenn man den Anfangszustand kenne alle anderen Zustände der Zukunft vorherberechnen könnten. Diese deterministische Weltsicht, die zunächst ja auf die astronomischen Bestimmungen mit den Messmethoden der damaligen Zeit der Planetenbewegungen zuzutreffen schien, man konnte auch relativ exakt Sonnen-[5] oder Mondfinsternisse[6] vorhersagen, wurde per Analogieschluss auf die gesamte Entwicklung sämtlicher Prozesse auch auf der Erde einschließlich der Menschheitsgeschichte übertragen.

Dem gegenüber steht der Begriff des Zufalls.[7] Dieser wurde kurz nach Voltaires-Tod im Zuge des aus dem Glücksspiel entwickelten Wahrscheinlichkeitstheorie und angewandten Wahrscheinlichkeitsrechnung[8] in Frage gestellt wurde. Anstelle einer Determiniertheit wurde Indeterminiertheit[9] als notwendiges und zulässiges Prinzip zugelassen. Aus diesen Anfängen entwickelte sich ein ganzes Gedankengebäude, das in der statistischen Mechanik[10] und später in der Quantentheorie[11] seinen Triumphzug gegen den Determinismus vollzog. Mit ihr ließ sich die Wirklichkeit weitaus besser in vielen Bereichen erfassen als dies der Determinismus leisten kann. Zwar grummelte noch Albert Einstein[12]: „Gott würfelt nicht“.[13] Letztendlich musste aber selbst er sich den Fakten der Indeterministen beugen. Schließlich hatte bereits Nietzsche[14] erkannt: Gott ist tot.[15] Darum brauchte er nicht mehr zu Würfeln. Schrödingers Katze[16] lächelt weise und verschwindet in der Superposition[17] aus dem Blick des Betrachters. Voltaire hatte daher mit seiner Feststellung unrecht, aber irren ist schließlich menschlich.


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