Günter Grass – Poesie, Politik und Tabus

Günter Grass[1] hat in der Süddeutschen Zeitung ein Gedicht unter dem Titel, Was gesagt werden muss, veröffentlicht.[2] Darin kritisiert er die Haltung der israelischen Regierung im Iran-Konflikt, da sie einen Präventivschlag gegen den Iran insbesondere dessen Nuklearanlagen plane. Hat er damit sich als Antisemit geoutet, was ihm sofort zahlreiche Kritiker in der Öffentlichkeitentgegengehalten haben?[3] Zweifel sind da angebracht. So hat kürzlich al-Baradei[4], Ex-Chef der internationalen Atomenergiebehörde, vor einem Krieg Israels gegen den Iran gewarnt: „Das würde die gesamte Region zerfetzen.“[5] Er hat wie viele andere Experten einschließlich des US-Präsidenten große Sorge vor einem unüberlegten Präventivschlag Israels, der die labile Lage im Nahen und Mittleren Osten völlig destabilisieren könnte und damit kriegerische Weiterungen zur Folge hätte, die niemand überschauen kann.[6]

Weder al-Baradei noch Barack Obama[7] oder Nahost-Experten und US-Militärs und Strategen[8], die diesbezüglich sich vor Grass geäußert hatten, wurden deswegen sofort als Antisemiten gebrandmarkt. Warum jetzt Günter Grass? Weil er ein Deutscher ist? Weil er spät erst einräumte, dass er kurz vor Kriegsende zur Waffen-SS gehörte? Hat er damit sein Recht zur freien Meinungsäußerung insbesondere in dieser zentralen Frage von Krieg und Frieden verwirkt? Der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staek, hat meiner Ansicht nach durchaus recht, wenn er Grass vor einer massiven Kampagne wegen seiner Äußerungen in Schutz nimmt.[9]

Liest man den Text von Grass, dann hat er seine Sorge vor einem militärischen Erstschlag Israels lange nicht öffentlich artikulieren wollen, weil er sich der Gefahr einer entsprechend jetzt auch eingetretenen Kampagne gegen ihn bewusst war. Auslöser nicht länger zu schweigen, ist die Verstrickung Deutschlands durch die Lieferung von U-Booten an Israel, die als Nuklearwaffenträger eingesetzt werden können. Dieser Vorgang wird auch gar nicht bestritten.[10] Deutschland liefert Waffenträger an Israel, die unter Umständen mit Cruise-Missiles[11] mit atomaren Sprengköpfen umgerüstet werden können. Ob Israel von der Option Gebrauch machen würde, kann er nicht beweisen. Es reicht ihm der Verdacht, dass Deutschland sich durch diesen Waffenhandel erneut in einen militärischen Konflikt verstrickt, der wie zuvor schon gesagt, nach Ansicht zahlreicher militärischer und politischer Nahost-Experten einen großen Krieg auslösen könnte, der die ganze Welt in den Abgrund ziehen könnte. Er ringt mit seinen inneren Skrupeln, die er wegen der fatalen deutschen Geschichte während des Holocaust hinsichtlich einer massiven Kritik an der israelischen Regierung hinsichtlich des Präventivkriegs hegt. Wie gesagt, so teilt er dem Leser mit, ist es die erneute deutsche Verstrickung in einen möglichen großen Krieg nicht als direkte Kriegspartei, sondern nur als Waffenlieferant, die ihn zu seinem Schritt in die Öffentlichkeit veranlasst. Mithin tritt Grass nicht als Ankläger auf, sondern als Mahner vor der Gefahr und zugleich vor einer erneuten Verstrickung Deutschlands in einen solchen Konflikt. Darf er das? Meiner Meinung darf er das bevor es zu spät ist. Er nimmt sogar sehenden Auges den jetzt sich über ihn ergießenden medialen Rufmord an seiner Person in Kauf. Man wird sehen, ob er damit etwas bewirkt. Grass will letztendlich den Frieden sichern. Andere sehen das ganz anders, aber die Geschichte wird am Ende uns lehren wer Recht hatte. Leider ist es dann zu spät, sollte der Präventivschlag Israels das Pulverfass zünden. Grass könnte sich dann mit einem „I told you so“ bestätigt fühlen, aber der Krieg wäre dann nicht mehr aufzuhalten. Es ist offenbar das Versagen der Medien die Öffentlichkeit wachzurütteln. Grass hat das auf seine Weise zumindest erreicht. Die Maßlosigkeit mit der ihn seine Kritiker mundtot machen wollen, macht einem bereits jetzt Angst. Sie zeigt wie irrational und emotional die Lage bereits jetzt aufgeladen ist.


5 Gedanken zu „Günter Grass – Poesie, Politik und Tabus

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s