Der schöne Schein: Schuldenschnitt Griechenlands belastet die Privatgläubiger weitaus weniger

Durch den Schuldenschnitt auf griechische Staatsanleihen, wurden zum Nennwert diese Papiere um 53,5 Prozent im Wert herabgesetzt. Zugleich wurden die Laufzeiten drastisch verlängert und die Zinssätze gesenkt. Im Ergebnis ergibt dann eine überschlägige Rechnung einen Wertverlust von70plus Prozent. Allerdings ist dies der Verlust, der sich ergibt, wenn diese Papiere bis zur Fälligkeit gehalten werden.[1] Was weniger diskutiert wird, ist, ob dies dem tatsächlichen Verlust der Privatanleger entspricht. Des Weiteren sind die davon betroffenen wirklich nur Privatanleger?

Der deutsche Steuerzahler wird durch die sogenannte PSI (Private Sector Involvement)[2] jedoch bereits indirekt zur Kasse gebeten. So privat ist also die ganze Angelegenheit nicht.

  • Die Bad Bank der HRE, die FMS Wertmanagement[3], ist einer der großen Privatgläubiger Griechenlands. Nach eigenen Angaben hat sie:

„Die Abwicklungsanstalt beabsichtigt deshalb, griechische Anleihen und Kredite mit einem Nominalwert von rund 8,2 Milliarden Euro in den Umtausch zu geben. Bereits bei der ersten Umschuldungsaktion im vergangenen Herbst, die nur griechische Anleihen mit einer Laufzeit bis zum Jahr 2020 betraf, hatte die FMS Wertmanagement ihre Bereitschaft zur Teilnahme mit einem Nominalvolumen von 975 Millionen Euro bekundet.“ ebenda

Mithin fallen hier Milliardenverluste an. Zwar ist die FMS Wertmanagement eine Privatbank, aber eben auch in 100 prozentigen Besitz der Bundesrepublik Deutschland. Mithin sind das stille Lasten der deutschen Steuerzahler, die im Schattenhaushalt FMS Wertmanagement lagern.

  • Die Commerzbank ist Teilverstaatlicht, d.h. der Bund hält einen 25 Prozent Beteiligung an der Bank.[4] Diese wird auch noch mit der Kapitalerhöhung aufgestockt.[5] Dies könnte durch die Abspaltung der Eurohyp als Bad Bank in Staatsbesitz erfolgen. Mithin trägt der deutsche Steuerzahler anteilsmäßig auch die Verluste, die aus dem Griechenlandgeschäft bei der Commerzbank auflaufen.[6]
  • Auch die staatseigene KfW ist beim griechischen Schuldenschnitt als „Privatgläubiger“ mit dabei.[7] Hinsichtlich der Landesbanken fehlt mir die Übersicht.
  • Die Bundesbank hat nicht zuletzt wegen des Schuldenschnitts Sonderrückstellungen gebildet, weil sie der Bonität der bei der EZB angekauften griechischen Papiere nicht traut. Dadurch fällt der Bundesbankgewinn der in diesem Jahr an das Finanzministerium überwiesen wid, deutlich niedriger als geplant aus.[8]

All dies summiert sich bereits zu einem zweistelligen Milliardenbetrag allein für den deutschen Steuerzahler. Nur ist dies eben nicht unmittelbar erkennbar.

Hinzu kommt jetzt noch der Clou des Verlustvortrags aus Wertpapiergeschäften.[9] Die Verluste aus dem Schuldenschnitt Griechenlands können steuerlich geltend gemacht werden, d.h. sie mindern das zukünftig zu versteuernde Einkommen.[10] Mithin haben die hohen Abschreibungen sowohl der Geschäftsbanken als auch der Privatgläubiger die Folge, dass Steuerausfälle in unbekannter Höhe, aber mindestens in Milliardenhöhe fällig werden. Hier wird also der deutsche Steuerzahler erneut zur Kasse gebeten.

Es wäre schon sinnvoll hier mal eine detaillierte Rechnung anzustellen. Wie viel dann am Ende wirklich an Nettoverlusten bei den Privatgläubigern hängen bleibt, ist unbekannt. Es dürfte jedoch deutlich weniger sein als der Bruttowert suggeriert. Darum sind die Klagen auch verhalten geblieben. Hinzu kommt, dass in der Regel institutionelle Anleger durch CDS-Kreditausfallversicherungen sich gegen mögliche Zahlungsausfälle abgesichert haben. Die brauchen sich nun deutlich weniger Sorgen zu machen, da ja dummerweise durch die CAC die CDS fällig wurden. Es gilt aber grundsätzlich die Regel, je höher die erwarteten zukünftigen Gewinne eines vom Schuldenschnitt betroffenen Privatgläubigers sind und je höher sein Steuersatz, desto weniger betroffen ist er vom Schuldenschnitt. Nichts ist so, wie es scheint. Danke Frau Merkel, danke Herr Schäuble.


[10] Vgl.hierzu beispielsweise Patrick Bernau: Mein Geld ist weg, in: Der FAZ vom 11. März 2012, S. 35.

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4 Gedanken zu „Der schöne Schein: Schuldenschnitt Griechenlands belastet die Privatgläubiger weitaus weniger

  1. Der Schuldenschnitt kommt gerade zur rechten Zeit, da ja im letzten Jahr die Gewinne besonders üppig geflossen sind. Mithin kann man – voraussichtlich bei der jetzt anstehenden Kreditauktion – sich mit hohen Verlusten aus steuerpolitischen Gründen eindecken.
    Kein Wunder, dass der Finanzminister jetzt auf der Suche ist, wie er die Steuerlöcher stopfen kann. Da ist eben auch der Griff in die vollen Sozialkassen wie die gesetzlichen Krankenversicherung opportun.

  2. Pingback: Konsequenzen der hemmungslosen Schuldenpolitik der Bundesregierung | My Blog

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