Joachim Gauck – Kandidat einer unheiligen Allianz

Nun ist die Nominierung des Nachfolgers vollzogen. Joachim Gauck wird jetzt offiziell von einer breiten Koalition aus CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen unterstützt.1 Ende gut, alles gut? Wie Siegmar Gabriel uns Glauben machen will?2 Wohl kaum. Es ist eine unheilige scheinheilige Allianz die Gauck auf den Schild gehoben haben. Merkel wollte ihn nicht.3 Die FDP wollte ihn eigentlich auch nicht, aber er war das kleine übel im Vergleich zu anderen Kandidaten wie Töpfer oder Göring-Eckart das kleine Übel. Zu dem sucht die FDP händeringend nach Themen, die ihr eine größere Popularität verschaffen könnte. Gauck hat ihr die Chance verschafft sich aus dem Windschatten Merkels zu lösen. Sie hofft deshalb auf bessere Umfragewerte.

Die SPD und die Grünen als Sieger?

Die SPD und die Grünen können sich als Sieger der Nominierung des Bundespräsidenten fühlen. Schließlich hat man ihn 2010 als erste nominiert und hat nach Wulffs-Rücktritt ihn erneut als alleinigen Kandidaten auf den Schild gehoben. Aber was war das Motiv? Offenbar wurde er 2010 von der SPD nominiert weil man ihn als Kandidaten zur Spaltung der schwarz-gelben Koalition einsetzen wollte. Das ist ihnen ja jetzt auch gelungen. Zugleich wurde damit ein Bündnis mit der Linken konterkariert, d.h. Innerparteilich wurde damit der Linke-Flügel in der SPD geschwächt.4 Mithin wurde von der SPD-Troika die SPD auf künftige Koalitionen mit den Grünen und/oder der CDU/CSU ausgerichtet. Mithin hat bei der Nominierung Gaucks ein taktisches Interesse im Vordergrund gestanden, weniger die tiefste innere Überzeugung in seine Person. Er war für die SPD eher Mittel zum Zweck. Mithin könnte es sein, dass zukünftig die Begeisterung für ihn schnell schwindet, wenn er seine persönlichen Ansichten, die keineswegs so kompatibel mit denen der Sozialdemokraten sind, nun als Bundespräsident mit noch größerer publizistischer Aufmerksamkeit und politischen Gewicht äußert. Mithin könnte sich das taktische Spiel im Nachhinein durchaus als Rohrkrepierer erweisen. Die Zukunft wird es zeigen, ob Gauck einerseits das diplomatische Geschick besitzt zwischen den hohen Erwartungen, die keineswegs alle in die gleiche Richtung zielen, und seinen oftmals eigensinnigen Ansichten eine Balance zu finden. Dabei hat er sich bereits in der Vergangenheit – ähnlich wie Horst Köhler – oftmals mit der breiten Öffentlichkeit in einen Gegensatz hinein manövriert. Das könnte sich wiederholen. Dann dürfte es rasch einsam um ihn werden. Die jetzige geheuchelte breite Zustimmung wird ihm dann wenig nutzen. Warten wir es also ab, ob ihn die Gratwanderung gelingt. Wie sagen die Bergleuten, wenn sie in die Grube fahren?

Glück auf. Er wird’s brauchen können.

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4 Gedanken zu „Joachim Gauck – Kandidat einer unheiligen Allianz

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