Finanztransaktionssteuer in der EU oder in der Eurozone?

Nicolas Sarkozy hat offenbar für Frankreich beschlossen eine Finanztransaktionssteuer (FTSt) einzuführen. Angela Merkel zögert noch, aber ist grundsätzlich ebenfalls positiv dazu eingestellt. Notfalls wollen beide auch einen solchen Schritt nur innerhalb der Eurozone umsetzen. SO jedenfalls die gestrige Absichtserklärung bei ihrem ersten Treffen in diesem Jahr. Die FDP muss wieder einmal fassungslos registrieren, dass sie als Koalitionspartner Light dazu nicht konsultiert worden ist. Nun protestiert man lauthals. Das kann am Ende nur schief gehen. Schließlich will auch die Opposition eine FTSt einführen. Man müsste also erneut die Koalitionsfrage stellen und einen Bruch riskieren. Bei der derzeitigen Krise der FDP könnte ein Bruch einem politischem Selbstmord gleichkommen. Wie sagte, schon Helmut Kohl: Der Hund bellt und die Karawane zieht weiter.
Hochfrequenzhandel und Finanztransaktionssteuer
Für eine FTSt spricht, dass es ein wirksames Instrument für die Kontrolle des Hochfrequenzhandels (HFT) bieten würde. Mit Hilfe von Computerprogrammen sollen kurzfristige Marktungleichgewichte ausgenutzt werden. Dabei können nicht nur passiv Arbitragegeschäfte getätigt werden, sondern darüber hinaus spekulativ durch selbstgenerierte Schocks Kursschwankungen (Volatilität) erzeugt werden, denen keinerlei ökonomische Faktoren zugrundeliegen. In entsprechend engen Märkten lassen sich dann – man kennt ja die Ursache – leicht Gewinne erzeugen. Grundlage ist, dass letztendlich bei effizienten Finanzmärkten die Kursbewegungen weitgehend einem Random-Walk entsprechen. Kurzfristige Impulse in ein System, dass prinzipiell einem Random Walk folgt, lassen sich im Zuge einer Interferenz für den Erzeuger modellmäßig prognostizieren, d.h. man hat die entscheidende Zusatzinformation, um Gewinne auf der selbstgenerierten Volatilität am Markt internalisieren zu können. Mit Hilfe der Computerprogramme können dann die Algos , in der Regel Computerspezialisten, mathematische Statistiker und teilweise Physiker, aufgrund der Insider Information die übrigen Marktteilnehmer zur Kasse bitten. In der Regel müssen dabei jedoch hohe Transaktionsvolumina innerhalb kurzer Zeit bewegt werden. Derzeit kann dies kostenlos am Markt platziert werden. Eine Transaktionssteuer würde dem einen Strich durch die Rechnung machen. Der Gedanke eine FTSt einzuführen geht auf den amerikanischen Ökonomen und Nobelpreisträger, James Tobin, zurück.
Lobby-Netzwerke des Finanzsektors gegen die Finanztransaktionssteuer
Der Hochfrequenzhandel ist nicht nur eine Benachteiligung der anderen Marktteilnehmer, die gegen solche spekulative HFT-Attacken weitgehend wehrlos sind, sondern sie schaffen auch systemische Risiken. Es kann zu unerwünschten Informationskaskaden kommen, d.h. einer Kettenreaktion der Märkte, die aufgrund des Störimpulses ausgehend von einem Algo-Programm Verkaufssignale auslösen, die einen weiten Kurssturz am Aktienmarkt auslösen. Hierfür gibt es einige empirische Beispiele. So im Mai 2010 ein einzelner Händler einen massiven Kurssturz, den sogenannten Flash Crash , an der Wall Street aus. Mithin gibt es ein vitales gesellschaftliches Interesse solche künstlichen Börsencrashs durch entsprechende Regulierungen der Finanzmärkte zu verhindern. Die FTSt ist ein solches Instrument, um derartige Vorgänge besser kontrollieren zu können.
Während die großen Investmentbanken in dem HFT eine Cash-cow sehen, die ihnen quasieine weitgehend risikolose Lizenz zum Gelddrucken ermöglicht, sind die anderen Marktteilnehmer die Opfer eines solchen Geschäftsmodells. Gleichzeitig trägt die Gesellschaft das Systemrisiko von Flash Crashs. Es wundert daher nicht, dass insbesondere die Wall Street und die Londoner City gegen eine FTSt Sturm läuft und alle ihre Hebel über ihr Lobbynetzwerk in Gang setzt. Einer dieser Hebel im Lobby-Netzwerk ist auch die FDP. Wollen wir hoffe, dass der Versuch die Einführung einer FTSt durch die FDP in Deutschland zu verhindern scheitert.

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