Vom Wutbürger zum Wutbürgerpräsidenten?

Gestern wurde mal wieder in der ARD von Günther Jauch der Versuch unternommen, die Wulff-Affäre zu beerdigen. Es hat wohl erneut nicht geklappt. Auch ohne den Problembär Wulff, gelang es Bernhard Vogel, Katrin Döring-Eckart mit der Unterstützung von Günther Jauch nicht den verheerenden Eindruck eines Präsidenten, der sich nicht beherrschen kann, und sich in die Opferrolle der Presse flüchtet, wesentlich zu korrigieren. Pikant an der Teilnahme der Grünen, die derzeit Vizepräsidentin des Bundestags ist, dass sie gleichzeitig als potentielle Nachfolgerin für Wulff unter der Hand gehandelt wird.
Jauch als Manipulator
Zwar war Günther Jauch um Neutralität bemüht, aber die ganze Inszenierung mit einer Bekannten von Wulff, die als alte Bekannt bzw. Freundschaft für die Harmlosigkeit der Wulffschen Urlaubsreisen anstelle von Maschmeyer und Geerkens vorgestellt wurde, verriet doch eine planvolle Inszenierung. Zunächst wurde erneut vom Bild-Redakteur Nikolaus Blome der Vorwurf einer Falschdarstellen oder umgangssprachlich einer Lüge des Bundespräsidenten nochmals erhoben, d.h. dass er die Berichterstattung nicht nur verschieben, sondern unterbinden wollte. Da Bernhard Vogel diesbezüglich keine Möglichkeit hatte, Wulff in Schutz zu nehmen, blieb es im Allgemeinen. „Wir sind ja alle nur Menschen.“ Es wurde kräftig gemenschelt und um Verständnis für die präsidialen Ausraster geworben. Dumm nur, dass gleichzeitig wieder durch die Medien die Meldung ging, dass der Bundespräsident eine Brandrede mit Begriffen wie Stahlgewittern und in einem Jahr ist alles vergessen, durch die Medien geisterte.
Wulff fehlt die richtige innere Einstellung zum Amt
Von Demut und einsichtiger Reue bei Wulff keine Spur. Wulff scheint schon wieder oben auf zu sein. Mithin kann es eigentlich nicht gelingen, Wulff ein kurzzeitiges Ausrasten zu attestieren, und dann Schwamm drüber, die Sache zu beerdigen. Er steht diesen Bemühungen seiner Anhänger selbst im Wege. Der Vergleich mit Heinrich Lübke, der in der Welt am Sonntag gezogen wurde, ist auch alles andere als schmeichelhaft. Der Versuch von Vogel mit Hinweis auf eine Stasi-Kampagne gegen Lübke, Wulff als Opfer einer finsteren Verschwörung gegen ihn erscheinen zu lassen, ging ebenfalls ins Leere. Auch der flankierende Versuch von Ex-Bundespräsident Horst Köhler – selbst als Choleriker verschrien – für Wulff um Verständnis zu werben, blieb weitgehend folgenlos. Der Ruf von Köhler ist nachhaltig ruiniert. Wie titelte die FAZ von heute: „Wulffs Einmannbewegung: Occupy Bellevue.“
Man darf also gespannt sein, wie lange diese Politposse, für das die Kanzlerin die volle Verantwortung mit trägt, noch andauert. Schlimmstenfalls kann es durchaus noch rechtliche Weiterungen geben, denn, ob alles bei Wulffs Eskapaden aus rechtlicher Sicht seine Richtigkeit hatte, ist weiterhin umstritten. Vorteilsannahme? Unklar. Nötigung? Unklar.
Günther Jauch hat’s auch nicht richten können. Was nun Herr Wulff und Frau Merkel? Wie schlimm ist es um die schwarz-gelbe Koalition bestellt, dass sie sich das antun muss?

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3 Gedanken zu „Vom Wutbürger zum Wutbürgerpräsidenten?

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