EZB: Lieber Gott ich bin nicht dumm, kann es auch noch anders rum

Zwei Meldungen zur Geldpolitik der EZB haben in den letzten Tagen Aufsehen erregt. Zum einen war dies  die Mitteilung, dass der Ankauf von Staatsschuldpapieren der Krisenländer durch die EZB eingeschränkt worden ist. Die zweite war der Mengentender der EZB bei dem knapp 500 Mrd. Euro an Privatbanken insbesondere aus den Südländern vergeben wurden.[1] Zwischen beiden Aktionen besteht meiner Ansicht nach ein innerer Zusammenhang.

Strategiewechsel bei der EZB

Als Grund wurde Draghi wie folgt bei Bloomberg zitiert:

“People have to accept that we have to, and always will, act in accordance with our mandate and within our legal foundations,” Draghi told the Financial Times in an interview, confirmed by the Frankfurt-based ECB. “The important thing is to restore the trust of the people — citizens as well as investors — in our continent. We won’t achieve that by destroying the credibility of the ECB.” [2]

Offenbar drohte die Politik des fortlaufenden Ankaufs von Staatsschuldpapieren der Krisenländer der Eurozone an z6unehmenden Widerstand insbesondere aus Deutschland gestoppt zu werden. Zuletzt hat sich Jürgen Stark vor seinem Ausscheiden aus dem EZB-Direktorium nochmals nachdrücklich von der Politik der EZB diesbezüglich distanziert.[3] Jürgen Weidmann als Präsident der Deutschen Bundesbank hat an seiner Kritik an diesem Ankaufprogramm ebenfalls keinen Zweifel gelassen. Mithin drohte spätestens im kommenden Jahr ein weiterer heftiger Eklat in der EZB.

Jetzt diente eben das Argument einer wachsenden Kreditklemme im Bankensektor der Eurozone zu der Zugumstellung. Statt Geld gegen Staatsanleihen, die falls sie wegen möglicher Staatspleiten Risikopapiere darstellen, anzukaufen, wird den Banken einfach direkt Bargeld der Zentralbank für drei Jahre zu Minizinsen ausgeliehen. Jetzt brauchen sie nicht mehr ihre Staatsschuldverschreibungen zum Rediskont einzureichen, d.h. die Risiken bleiben bei den Geschäftsbanken und sie kriegen dafür ohne Sicherheiten gegen Minizinsen Bargeld von der Zentralbank. Die Legitimation ist jetzt eben nicht mehr der Bail-Out von Krisenstaaten der Eurozone, sondern die Vermeidung einer Liquiditätskrise. Das ist nach den Statuten der EZB legal. Allerdings bedeutet eine Laufzeit von drei Jahren, dass die EZB keine Kontrolle über diese zusätzliche Liquidität für diese Dauer hat. Sie kann diese Summe nicht einfach kurzfristig mehr aus dem Markt herausnehmen. Mithin steht dies in eklatantem Widerspruch zur Sicherung der Liquiditätsversorgung der Märkte, da es hier um langfristige Finanzierung der Geschäftsbanken der Krisenländer geht.

Das Argument: Man will die Spekulation über mögliche Bankenpleiten in diesen Ländern verhindern. Was spricht also dagegen? Nun es ist nur eine Zugumstellung. Die Zombie-Banken in Griechenland, Italien oder anderswo wurden vorher beispielsweise durch die griechische Nationalbank über die Extended Loan Authority (ELA) mit Liquidität versorgt.[4] Nun erhalten sie es nicht über den Umweg der griechischen Nationalbank, sondern direkt von der EZB. Wo ist da der wesentliche Unterschied? Das Zentralbankgeld landet so oder so in den gleichen Taschen. Wie lautet also das Sprichwort? Lieber Gott ich bin nicht dumm, kann es auch noch anders rum. Man ist nur das Problem mit den Staatschuldverschreibungen bei der EZB los.

 

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6 Gedanken zu „EZB: Lieber Gott ich bin nicht dumm, kann es auch noch anders rum

  1. Das erklärt auch die geringe Begeisterung an den Börsen. Es fließt nicht mehr Geld als zuvor, aber es fließt über andere Kanäle.

    http://www.comdirect.de/inf/indizes/detail/chart.html?ID_NOTATION=193736&REQUESTED_REDIRECT=INDEX#timeSpan=10D&e&

    DIe EZB ist vorerst aus dem Schneider. Man muss sich nicht mehr den Vorwurf gefallen lassen, dass man über den Sekundärmarkt Staatsschulden finanziert. Das Dumme daran, man hat eben keine Kontrolle mehr über den Geldfluss von den Geschäftsbanken zu den Krisenstaaten.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,804969,00.html

  2. Ein weiterer Grund ist, dass zunehmend einzelne Länder den Junkbond-Status haben, d.h. auch für den Ankauf von Staatschuldverschreibungen durch die EZB nicht mehr in Frage kommen.

    http://verlorenegeneration.de/2010/04/27/sp-downgrades-von-portugal-a-und-griechenland-junk/

    http://www.cnbc.com/id/45427198/Fitch_Downgrades_Portugal_Rating_to_Junk_Status

    http://www.bloomberg.com/news/2011-07-12/ireland-is-third-euro-area-country-cut-to-junk-joining-greece-portugal.html

    http://blogs.wsj.com/marketbeat/2011/11/09/italian-debt-rated-junk-by-credit-market/

    http://www.ansamed.info/ansamed/en/news/nations/spain/2011/12/20/visualizza_new.html_16439289.html

    Mit der großen Sause wurde den Banken und damit den Krisenstaaten – so wohl die Hoffnung – zumindest für einige Zeit Luft verschafft. Dass da noch mehr kommen kann, zeigt die Äußerung von Bini Smaghi, das ehemalige Direktoriums Mitglied der EZB bei Bloomberg.

    http://www.bloomberg.com/news/2011-12-22/bini-smaghi-says-ecb-should-use-quantitative-easing-if-deflation-detected.html

  3. Hallo, ich bin mal so frech und schreibe mal was in deinen Blog. Sieht schick aus! Ich beschaeftige mich auch seit kurzem mit WordPress steige aber noch nicht durch alle Funktionen durch. Dein Blog ist mir da immer eine gute Motivation. Weiter so!

  4. Das ist genau die Gefahr, die dadurch entsteht. Wer über den Umweg einer solchen Finanzierung die Banken mit Liquidität versorgt, um diese wieder Staatsanleihen der Krisenländer kaufen zu lassen, der will eben dann die Notenpresse unter der Kontrolle der Regierungen à la Flassbeck.

    http://www.ftd.de/politik/international/:geldpolitik-heiner-flassbeck-direkte-staatshilfe-macht-s-billiger/60149592.html

    Draghi macht’s über einen Umweg, was Flassbeck und andere wollen. Direkte Staatsschuldenfinanzierung durch die EZB oder via Eurobonds. So baut man Druck auf.

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