Refinanzierungskosten von Staatsschulden in Deutschland: Good news are no news

Man mag sicherlich darüber streiten, ob extrem niedrige Zinskosten bei der Refinanzierung der deutschen Staatschulden eine gute oder eine schlechte Nachricht darstellen. Schließlich müssen im Umkehrschluss andere Länder dafür umso höhere zahlen. Offenbar ist es jedenfalls die relative Sicherheit der deutschen Staatsschulden gegenüber anderen Mitgliedsländern der Eurozone, die unsere Zinskosten nach unten treibt. Die Nachfrage nach sicheren Anlagemöglichkeiten ist so riesig, dass man eben sogar negative Realzinsen, d.h. der Nominalzins abzüglich der allgemeinen Preissteigerungsrate, für deutsche Staatschuldpapiere in Kauf nimmt.

Riesiges Geschrei vor wenigen Tagen über eine Auktion von deutschen Schuldverschreibungen

Ende November wurde nach eine Auktion von deutschen Staatsschuldverschreibungen bei der nur ein Teil zu den niedrigen Zinssätzen abgesetzt werden konnte, ein Käuferstreik ausgerufen.[1] Es wurde in der Öffentlichkeit Panik geschürt, dass, wenn Deutschland jetzt nicht eine Lösung entweder Eurobonds oder unbegrenzten Ankauf von Staatschuldpapieren sämtlicher Staaten der Eurozone zustimme, der Kollaps unmittelbar bevorstünde. Der Spiegel Online titelte bereits vor dem Gipfeltreffen am 9. Dezember 2011, „Die Deutschen werden einknicken“.[2] Nichts von alledem ist am Ende passiert. Die Medien haben einen Hoax[3] produziert. Weder Eurobonds noch der unbegrenzte Ankauf von Staatschuldverschreibungen wurden beschlossen.

Was ist die aktuelle Lage? Seit dem Gipfeltreffen sind die Zinssätze für Bundesschätzbriefe mit zehnjähriger Laufzeit wieder auf einen fast historischen Tiefststand von 1,54% gesunken.[4] Der kurzfristige Anstieg vor dem Gipfeltreffen war offensichtlich rein spekulativer Natur. Damit liegen die Zinssätze in Deutschland für Staatschuldverschreibungen sogar noch unter denjenigen der USA mit 1,86%, das angeblich als der safe haven für das Weltkapital angepriesen wird. Außer viel Lärm um Nichts, bleibt also derzeit Alles wie gehabt. Hat das Nachrichtenwert? Keineswegs, „Good news are no news“, lautet eben die Regel.

Allerdings machen sich die Medien damit auch zu den heimlichen Komplizen der Spekulanten an den Finanzmärkten. Die profitieren ja letztendlich, dass man zur allgemeinen Verunsicherung die Medien mit ihrer Sensationsgeilheit ohne große Mühe einsetzen kann. Von seröser Berichterstattung ist doch heute kaum noch die Rede.

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2 Gedanken zu „Refinanzierungskosten von Staatsschulden in Deutschland: Good news are no news

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