Kapitalismus kaputt

Curzio Malapartes[1] Roman Kaputt[2] hat ein Sittengemälde der Zeit während des Zweiten Weltkriegs entworfen. Irgendwie ähnelt dieses Sittengemälde von damals dem heutigen Geschehen. Karl Marx der Urvater des nach ihm benannten Marxismus würde sich die Augenreiben, würde er die Kursentwicklung an den Aktienmärkten an den internationalen Börsen der letzten fünfzehn Jahre sich vor Augen halten. André Kostalny[3] der Altmeister der Börsenspekulanten ebenso. Schließlich glaubten beide, dass der Kapitalismus aus dem immer wieder sich verwertenden Werten zu einer unermüdlichen Akkumulation des Kapitals führen müsste. Die jetzige Wirklichkeit sieht anders aus.

Japans Nikkei-Index: Von knapp 39.000 auf 8.160

Seit Anfang der 1990er Jahre ist der Nikkei-Index von knapp 39.000 Punkten auf derzeit rund 8.160 Punkte abgestürzt. Mithin hätte die Kostolany-Regel kaufen und vergessen, der Kurs steigt irgendwann sowieso schon einen Dornrüschen-Schlaf vorausgesetzt. Um satte 450 Prozent sind die Kurse des Nikkei in den letzten zwanzig Jahren eingebrochen. Von Kapitalakkumulation keine Spur.[4] Wer also Anfang der 1990er Jahre in japanische Aktien investiert hat, der hat in großem Stil sein Kapital verbrannt. Außer Spesen nix gewesen.

ESTX-Index kurz Eurostoxx wilde Achterbahnfahrt über der Nulllinie

Wer einen Index-Tracker im Jahr 1997 erworben hätte, der wäre bei rund 2.100 Punkten derzeit genauso reich wie damals.[5] Immerhin nix gewonnen aber auch nix verloren. Man hätte aber ebenso gut das Geld in den Spartrumpf stecken können. Von einer langfristig sicheren Rendite keine Spur. Wer stattdessen zum Millennium-Beginn eingestiegen ist, der muss der traurigen Gewissheit von rund 780 Prozent Kursverlusten ins Auge schauen. Von Kapitalakkumulation keine Spour. Rendite hochgradig negativ.

Der Dow quält sich

Selbst der Dow-Jones-Index gibt wenig Anlass zur Freude. Wer 1999 einen Index-Tracker auf den Dow erworben hat, der könnte nach einen ruhelosen Auf und Ab gerade einmal einen Zuwachs von rund 10 Prozent verzeichnen. Eine Rendite von knapp einem Prozent.[6] Zukunftsperspektiven mehr als ungewiss.

Großbritanniens FTSE (Footsie) hat ebenfalls den Schluckauf

Der Aktienindex des Mutterlands des Kapitalismus steht vor einem ähnlichen Debakel. Seit 1997 schwankt der  Index um die 5.000 Punkte-Linie. Man muss schon die Spekulationswellen reiten, um mit einem Gewinn aus der Anlage hervorzugehen.[7] Langfristig wird nur Bestandssicherung garantiert, sonst nichts.

Der DAX liegt auch nicht besser

Auch der DAX las deutscher Leitindex kann sich aus diesem Jammertal des Kapitalismus nicht erheben. Bei ihm ist ebenfalls seit 1997 die 5.000-Linie das Maß aller Dinge.[8] Man könnte das auch als stationären Prozess mit hoher Volatilität bezeichnen.[9]

Zinsentwicklung negativ

Auch bei festverzinslichen Wertpapieren wie Staatsschuldverschreibungen kann der Kapitalismus der letzten fünfzehn Jahre wenig erfreuliches vermelden. Renditen wie für deutsche Bundesschatzbriefe von rund 6 Prozent gehören schon lange der Vergangenheit an.[10] Bei derzeitigen Zinssätzen von um zwei Prozent, schafft man noch nicht einmal die Wertsicherung, da dieser Zinssatz unter der Inflationsrate liegt. Keynes Euthanasie des Rentiers ist also schon jetzt tragische Realität. Der Kapitalismus frisst seine Kinder. Was ist nur geschehen?

Trotzdem die Reichen werden immer reicher

Irgendwie muss der klassische Börsenkapitalismus am Ende sein. Wer sein Geld anderen leiht, um es von denen vermehren zu lassen, der geht am Ende leer aus. Das gilt umso mehr für die kapitalgedeckte Altersvorsorge.[11] Wie schaffen es also die Super-Reichen immer reicher zu werden? Offenbar in dem sie die anderen von den erzielten Gewinnen systematisch ausschließen. Entweder verschwinden die als Managerboni bereits in deren Taschen oder man verdient durch das Monopoly der Firmenzusammenschlüsse. Der normale Kapitalismus wirft nichts mehr ab. Er ist so tot wie meine Oma. Wie sagte schon Nietzsche: Gott ist tot. Der Gott des Mammons ist ebenfalls tot, mausetot.


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