China Minus USA Minus Europa = Null

Manchmal diesen solche einfachen Gleichnisse dazu eine Botschaft zu übermitteln. In der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise scheint China zu den großen Gewinnern und die USA und Europa zu den großen Verlierern zu zählen. Schließlich verfügt China über gigantische Währungsreserven, die Tag für Tag aufgrund seines weiterhin hohen Handelsbilanzüberschusses steigen. Dagegen sieht die Lage in den USA trostlos und in Europa dramatisch aus. Die politische Führungskaste in den USA kann sich nicht auf einen Konsolidierungskurs einigen. Statt das Common Good des Gemeinwesens verliert man sich in Verteilungskämpfen. Das Scheitern des Supercommittee[1] ist ein beredtes Beispiel für den Deadlock. Europa treibt ebenfalls in einem Prozess wachsender Zerstrittenheit dem Auseinanderbrechen der Eurozone zu. Die britische Regierung befördert diesen Prozess noch.[2] Wie heiß es so schön: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

Quo vadis China?

Mithin stellt sich die Frage bietet sich für China die historisch einmalige Chance weit über seine Landesgrenzen hinaus, seinen wirtschaftlichen und politischen Einfluss auszudehnen? Der Will der chinesischen Führung dazu ist trotz aller Erklärungen über die friedlichen Absichten unverkennbar. Man lässt seine Muskel im südchinesischen Meer spielen und verschreckt mit exorbitanten Ansprüchen gegenüber den anderen Anrainerstaaten wie Vietnam[3], den Philippinen und Indonesien seine ansonsten hochwillkommenen Handelspartner. Das bleibt nicht ohne Folgen. Die Asiaten haben ein langes historisches Gedächtnis. Man erinnert sich gut, der Zeit als China regionale Hegemonialmacht war. Damit treibt man sie, wie das letzte Asean-Treffen gezeigt hat, in die Arme der USA. Seitdem in der Südchinasee Öl, Gas und andere attraktive Bodenschätze vermutet werden, eskaliert der Konflikt. Da helfen auch erneut anderslautende Erklärungen des US-Präsidenten wenig.[4]

Die USA sind immer noch die global dominierende Seemacht und sie lassen es China spüren.[5] Dies muss für die Chinesen umso bedrohlicher wirken, da sie wie alle anderen ostasiatischen Staaten von dem ungehinderten Zugang zu den Seewegen nach den arabischen Ölquellen und Rohstoffen aus Afrika immer abhängiger werden. Der dramatische Anstieg vom Import von Rohstoffen aus Übersee wird für China zur Achillesferse seiner Wirtschaftsdynamik. Die chinesische Führung weiß darum und versucht durch den Bau von Flugzeugträgern ein strategisches Gegenwicht zu schaffen.[6] Bis aber China militärisch in der Lage wäre die USA als Seemacht herauszufordern, wird wohl noch viel Wasser den Yangtse hinunterfließen. China könnte leicht in einen Rüstungswettlauf hineingeraten. Umgekehrt bedeutet die zunehmende Abhängigkeit China von Rohstoffimporten, dass man nicht die ansonsten zur Schau getragene „Wir lassen uns von niemandem etwas sagen“ hohl klingt. Man muss letztendlich die Realitäten anerkennen.

Doppelstrategie

Chinas traditioneller Weg gegenüber äußeren Bedrohungen oder auch nur wahrgenommenen Bedrohungen war die Abkapselung. Chinas Tradition in der Politik der splendid isolation, findet sinnfällig in der Chinesischen Mauer seinen symbolischen Ausdruck. Leider lässt sich diese Politik nicht mehr praktizieren, da man in der globalen Wertschöpfungskette ein Mittler zwischen Rohstoffimport und Fertigwarenexport gefangen ist. Stoppt der Rohstoffimport kommt Chinas Wirtschaft zu großen Teilen zum Erliegen. Stoppt der Export in die USA und Europa droht China das gleiche Schicksal. Da nützen dann auch alle Währungsreserven nichts.

Von daher versucht Chinas Führung die wirtschaftlichen Beziehungen stetig weiter auszubauen, China dürfte nach Frankreich voraussichtlich im kommenden Jahr Deutschland wichtigster Handelspartner noch vor den USA werden. Wandel durch Handel führt zu Annäherung, so könnte die eine Seite der Doppelstrategie lauten. Die andere besteht darin, dass man seinen direkten Einfluss weit in alle anderen Teile der Welt ausdehnt. Dazu zählt jetzt das in seinem Kern geschwächte Europa. Griechenland und seine Hafenanlagen in Piräus haben es China angetan.[7] Griechenland soll Stützpunkt von Chinas neuer Seidenstraße werden. Allerdings schafft man sich bereits dort durch den Chinese way of employer-employee-relations nach den Deutschen ebenso viele Antipathien. Man investiert dar überhinaus in Solaranlagen in Griechenland, um seine massiven Produktionsüberschüsse loszuwerden. Klar auch hier wird alles auf Pump durch chinesische Geldgeber finanziert.[8] Griechenland droht so in wachsende chinesische Abhängigkeit zu geraten. Aber auch Osteuropa insgesamt gerät immer mehr ins Visier der chinesischen Investoren[9] hinter denen oftmals chinesische Staatsfonds[10] wie CIC[11] stehen. Hinzu kommt der aktuell gescheiterte Versuch in Island große Flächen aufzukaufen.[12]Italien könnte der nächste Kandidat für den Ausbau des Einflusses Chinas in Europa sein.[13] Je mehr die italienische Wirtschaft ins trudeln gerät, desto händeringender sucht man nach Geldgebern. Aber China macht immer wieder den Europäern deutlich: There is no free lunch. Auch in Portugal standen Hafenanlagen ganz oben auf der Wunschliste der potentiellen chinesischen Geldgeber.[14] Mithin geht es nicht nur um reine handelspolitische Beziehungen, sondern parallel dazu um den Auf- und Ausbau eines Stützpunktsystems entlang der europäischen Küstenlinien. Das erzeugt neue Abhängigkeiten insbesondere auch dadurch, dass China dies nicht als reine Finanzinvestition ansieht, sondern die Kontrolle über diese Anlagen übernimmt oder übernehmen möchte. Der Rausschmiss der griechischen Hafenarbeiter und deren Austausch durch billige Arbeitskräfte dürften hierfür nur ein warnendes Beispiel sein. Am Ende könnte es für ein völlig zerstrittenes Europa heißen. China ante portas.

Bleibt eben trotzdem das obige Gleichnis. China kann auch zukünftig nicht ohne den Rest der Welt leben. Das gilt insbesondere für seine wirtschaftlichen Beziehungen mit Europa und den USA.


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3 Gedanken zu „China Minus USA Minus Europa = Null

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