Griechenlands Weg zum Austritt aus der Eurozone

Die Spekulationen was mit Griechenland zu passieren habe, gehen in eine neue Runde. Griechenland kann offensichtlich die strengen Auflagen für den Defizitabbau, die durch die Troika beim Rettungspaket I vereinbart worden sind, nicht erfüllen. Die Kombination aus sich ausweitender Rezession und einbrechenden Staatseinnahmen macht es Griechenland unmöglich, die Defizitziele zu erreichen. Damit kann das Szenario einer Rettung Griechenlands wie geplant eigentlich abgehakt werden.

Griechenlandpleite als einziger Ausweg

Griechenland wird trotz Scheiterns des Konsolidierungsprogramms dann trotzdem Finanzhilfen gewährt, damit wäre aber ein Glaubwürdigkeitsproblem für die Konsolidierungsanstrengungen der übrigen potentiellen Pleitestatten gegeben. Was das bedeutet zeigt der Fall Italien.

Selbst wenn man also den Griechen als Einzelfall helfen wollte, wäre ein Dominoeffekt hinsichtlich der Konsolidierungsanstrengungen der anderen Krisenländer zu erwarten. Wenn man Griechenland Sonderkonditionen einräumt, dann wollen alle anderen ebenfalls eine Gleichbehandlung einklagen. Mithin bleibt eigentlich nur Härte auch gegenüber Griechenland.

Die Hoffnung durch innovative Lösungen einschließlich der jetzt verkündeten Immobiliensteuer könnte man das Scheitern der Konsolidierungspläne für Griechenland verhindern, ist letztendlich ein schöber Selbstbetrug der EU-Gremien. So wie die Privatisierungserlöse kaum die geplanten 40 Mrd. Euro erbringen werden, so wenig wird man die Griechen innerhalb weniger Monate zu zahlungsbereiten Steuerbürgern machen. Es ist und bleibt fromme Augenwischerei.

Bleibt am Ende nur die Beendigung der Hilfen durch die Troika (IWF, EU und EZB) und damit die de jure Staatspleite Griechenlands. Was passiert dann?

Schuldenerlass und/oder Austritt aus der Eurozone?

Wo nichts ist, hat der Kaiser das Recht verloren. Dieser einfachen Tatsache wird man sich am Ende im Falle Griechenland nicht verschließen können. Umschuldungen, die zu zukünftigen irrealen Forderungen des Auslands gegenüber Griechenland führen, bringen auch nichts mehr. Mithin muss ein Schuldenschnitt von mindestens 50 Prozent erfolgen. Die Verhandlungen wären über den Pariser und Londoner Club zu führen. Allerdings könnte man diesen ja auch nicht nur für lau den Griechen zugestehen.

Als Gegenleistung für den Schuldenschnitt wäre der Austritt aus der Währungsunion zu fordern. Dann wäre man endlich die Griechen als Problem der Eurozone los. Mithin ist entscheidend, dass man beide Schritte gleichzeitig vollzieht. Griechenland kehrt zu einer eigenen Währung zurück und im Gegenzug erhält sie den gewünschten Schuldenerlass. Mithin sind alle Überlegungen den Schuldenschnitt auch ohne Austritt Griechenlands aus der Eurozone umzusetzen äußerst problematisch.

Nach Schuldenschnitt und Austritt kann sich ja für Griechenland die Lage innerhalb von zwei bis drei Jahren aufgrund der mittels Abwertung der neuen Drachme gegenüber dem Euro um beispielsweise 50 Prozent schrittweise wieder erholen. Nach dem Austritt könnten auch wieder Finanzierungshilfen seitens der EU für mehr Wirtschaftswachstum greifen. Griechenland würde durch ein Tal der Tränen von zwei bis drei Jahren gehen müssen, aber wäre danach wieder aufgrund einer positiven Wirtschafts- und Beschäftigungsentwicklung auch durch Zustrom ausländischen Kapitals sanierbar. Alles andere erscheint mir mehr Wunschvorstellung als gangbarer Weg. Bisher gilt weiterhin: Griechenland ist so wie jetzt nicht zu retten.

Da es ja in der EU wie andere EU-Mitgliedsländer außerhalb der Eurozone verbleibt, besitzt es ja auch nach dem Austritt alle Vorteile des gemeinsamen Binnenmarkts. Es kann jedoch jetzt entsprechend seinen Wechselkurs immer wieder den Verhältnissen des Landes korrigieren. Hans-Werner Sinn und Otmar Issing haben Recht gehabt, es gibt keinen anderen Ausweg.

Der Beitritt Griechenlands zur Eurozone war ein schwerer politischer Fehler, der jetzt korrigiert werden muss.

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2 Gedanken zu „Griechenlands Weg zum Austritt aus der Eurozone

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