Chinas Hochgeschwindigkeitsnetze: Probleme nehmen zu

Eines der Vorzeigeprojekte der chinesischen Zentralregierung ist das rasch wachsende Hochgeschwindigkeitsnetz. Erst seit vier Jahren verkehren Hochgeschwindigkeitszüge und das Streckennetz dafür beträgt bereits 8.400 km. Zuletzt wurde die Strecke Beijing-Shanghai eröffnet. Doch die Züge, die auf den Namen Harmony getauft wurden, machen der chinesischen Regierung wenig Freude. Es ist kurz hintereinander zu Zugausfällen mit Stillstand auf offener Strecke gekommen. Jetzt kommt das erste schwere Zugdesaster auf einer Verbindung von Hangzhou nach Wenzhou in der Zhejiang-Provinz hinzu.

Wegen eines Blitzschlags blieb – so die bisherige Erklärung – ein Hochgeschwindigkeitszug auf offener Strecke liegen. Ein nachfolgender Zug konnte nicht mehr rechtzeitig stoppen und bohrte sich auf einer Brücke auf den stehenden Zug. Offenbar gibt es Probleme mit der Signaltechnik, die den zweiten Zug hätte rechtzeitig stoppen können. Jedenfalls soll diese jetzt einer umfassenden Überprüfung unterzogen werden. Der Stolz der Chinesen auf ihr Hochgeschwindigkeitsnetz hat jedenfalls einen kräftigen Dämpfer bekommen.

Das Eisenbahnministerium hat hohe Schuldenstände angesammelt

Bereits zu Jahresbeginn wurde der chinesische Eisenbahnminister wegen Korruptionsverdacht verhaftet und eine Untersuchung eingeleitet. Ihm wird vorgeworfen massiv Gelder für sich bei der Auftragsvergabe für die Hochgeschwindigkeitsstrecken abgezweigt zu haben. Hinzu kommt, dass der rasante Streckenausbau zum überwiegenden Teil auf Pump finanziert worden ist. Nach Angaben des Ministeriums beträgt der Schuldenstand 1,98 Billionen Yuan, d.h. rund 198 Mrd. Euro. Dieser Betrag liegt deutlich höher als bisher eingeräumt worden ist. Zwar stehen als Vermögenswerte dem 3,41 Billionen Yuan in der Bilanz gegenüber, aber der Schuldenstand von 58% bleibt besorgniserregend. Hinzu kommt, dass weiterhin hohe laufende Defizite über den Kapitalmarkt finanziert werden müssen.

Aber nicht nur der rasante Streckenausbau der Hochgeschwindigkeitsstrecken bereitet Sorge, sondern auch steigende Treibstoffkosten und Preissteigerungen bei Stahl für die Gleise verursachen Zusatzkosten, die sich bereits in diesem Jahr im ersten Quartal auf 3,76 Mrd. Yuan beliefen. Solange die Inflation in China nicht unter Kontrolle ist, wird sich diese Entwicklung auch für die chinesische Staatsbahn fortsetzen. Wegen der hohen Inflation sind Staatsanleihen in China nur schwer im privaten Markt absetzbar. Hinzu kommt die Krise bei der Energieversorgung insgesamt. Um Energie zu sparen wurde bereits die Zuggeschwindigkeit der Hochgeschwindigkeitszüge auf 200 km/h herabgesetzt. Die Probleme der zu raschen Expansion im Bereich des Schienenverkehrs in China machen sich also zunehmend bemerkbar. Ein Ende ist derzeit nicht abzusehen.

Das dürfte auch die ambitionierten Exportpläne Chinas dieser Technologie z.B. in die Türkei oder nach Südostasien von Yunnan nach Vientiane einen empfindlichen Dämpfer versetzen. Mithin muss die chinesische Expansionsstrategie auch in diesem Bereich neu überdacht werden.

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